Unverständnis über Differenzierung

„Es gibt eine sehr große Enttäuschung“: Eltern kritisieren Umsetzung der Maskenpflicht an Grundschulen

Die Maske muss aktuell auch im Unterricht aufbleiben – außer bei Erst- und Zweitklässlern.
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Die Maske muss aktuell auch im Unterricht aufbleiben – außer bei Erst- und Zweitklässlern.

Wenn Präsenz, dann mit 1,5 Meter Abstand und gut Lüften. Vereinfacht gesagt, sind das die Regeln, mit denen deutsche Schulen durch viele Monate der Pandemie kommen mussten. In Niedersachsen hat sich das zum Start des neuen Schuljahres vor zwei Wochen geändert. Die Maskenpflicht ist gekommen. Sie wurde zunächst bis vergangenen Dienstag befristet, für die allermeisten Jahrgänge dann aber in der neuen Corona-Verordnung fortgeschrieben.

  • Niedersachsen hatte nach den Sommerferien 2021 eine Maskenpflicht im Schulunterricht eingeführt.
  • Masken haben Nachteile im Unterricht, werden von den Beteiligten aber zum Schutz ihrer Mitmenschen gern genutzt.
  • Eltern kritisieren die Differenzierung zwischen den Klassen 1+2 einerseits und 3+4 andererseits. Sie sei den Kindern schwer zu erklären.

Landkreis Diepholz – Zwei Elternvertretungen aus Twistringen hatten kurz vor dem Schulstart Ende August der Kreiszeitung gegenüber geklagt, insbesondere für Grundschüler sei dies keine passable Lösung. Hat sich diese Befürchtung bewahrheitet? Wir haben nachgefragt.

Maskenpflicht in der Schule

Robin Heimbucher von der KGS Leeste ist Kreisschülersprecher. Er und sein Gremium hören genau hin, was Mitschülerinnen und Mitschüler sagen. Ein einheitliches Bild sei derzeit nicht rauszuhören.

Robin Heimbucher ist Kreisschülersprecher und Schülersprecher der KGS Leeste. Er bewertet die Maskenpflicht als wichtig, auch wenn sie nach längerer Zeit die Konzentration stören.

„Einerseits freut man sich, dass man wieder einen gewohnten Tagesablauf hat und das normale Leben langsam wieder richtig weitergeht“, schreibt er auf Anfrage der Kreiszeitung. Andererseits seien viele verunsichert. Wird das Virus sich wieder stärker ausbreiten, sei da eine Frage, aber auch, ob man sich nun impfen solle. Für große Teile der Bevölkerung waren diese Gedanken vor Monaten aktuell, Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 haben die Wahl aber erst seit einigen Wochen.

Es ist teils sehr schwer, diese Masken lange zu tragen. Sie stören nach längerer Zeit die Konzentration.

Robin Heimbucher

Egal, ob geimpft oder nicht, im Unterricht muss die Maske aufbleiben. Die Schülerinnen und Schüler würden die Notwendigkeit des Masketragens für die Bekämpfung der Pandemie sehen, sagt Heimbucher, aber „es ist teils sehr schwer, diese Masken lange zu tragen. Sie stören nach längerer Zeit die Konzentration“.

Eltern kritisieren, dass innerhalb der Grundschule unterschiedliche Maskenpflicht-Regeln gelten

Diese Klage hat auch Ulrike Göbel, Kreiselternratsvorsitzende, vernommen. Konzentrationsmangel bei langem Maskentragen sei die eine Seite, der Schutz der Kinder aber die andere Seite. Die Gefühle der Eltern seien wie die ihrer Kinder: gemischt. Eine Sonderrolle nehmen auch hier die Grundschulen ein, dort seien viele Beteiligte „aufgebracht“.

Seit der erste Entwurf der überarbeiteten Verordnung Anfang dieser Woche bekannt wurde, richtete sich die Abneigung insbesondere auf die neue Differenzierung innerhalb der Grundschule. Erst- und Zweitklässler dürfen die Maske seit Mittwoch an ihrem Platz absetzen, Dritt- und Viertklässler nicht.

Sinnvolle Corona-Regeln können in ihrer Gesamtheit irritieren

Charlotte Wolfram gehört dem Schulelternrat der Grundschule Heiligenloh an. Sie hatte die Kreiszeitung vor dem Schulstart mit ihrer Kritik an der Maskenpflicht angesprochen und gehört jetzt auch zu den Kritikern der innerschulischen Differenzierung. „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Dieser Meinung schließt sich Andreas Woisch, Elternrat an der Twistringer Grundschule am Markt, an: „Es gibt eine sehr große Enttäuschung. Die Kinder spielen draußen miteinander. Das Virus differenziert nicht zwischen Sieben- und Achtjährigen.“ Wie die Eltern den Kindern vermitteln sollen, weshalb die Regeln für die einen gelten, für die anderen nicht, das wisse er nicht.

Andreas Woisch ist Elternvertreter an der Twistringer Grundschule Am Markt

Anika Flöte, Lehrervertreterin für allgemeinbildende Schulen im Kreisschulausschuss und Schulleiterin der Jahnschule Diepholz, nennt einen ähnlichen Punkt. Sie verweist auf Sportangebote bei denen Schüler aus unterschiedlichen Klassen und Gruppen sich teils ohne Maske sehr nahekommen, um in der Schule dann doch sehr strikt voneinander getrennt werden. Für sich genommen können diese Regeln sehr viel Sinn machen, aber in ihrer Gesamtheit führen sie bei vielen zu Irritationen.

Es gibt eine sehr große Enttäuschung. Die Kinder spielen draußen miteinander. Das Virus differenziert nicht zwischen Sieben- und Achtjährigen.

Andreas Woisch, Elternrat Grundschule am Markt Twistringen

Die Schülerinnen und Schüler gehen damit vollkommen souverän um. Ulrike Göbel habe festgestellt, dass im Sek-I-Bereich (Klassen 5 bis 10) viele Jugendliche freiwillig in unterschiedlichen Situationen die Masken tragen, „weil sie sich und andere schützen wollen“. Das bestätigt Anika Flöte. „Man merkt gerade jetzt nach den Sommerferien, dass die Schüler das als Selbverständlichkeit annehmen. Das wird überhaupt nicht diskutiert.“

Masketragen als Selbstverständnis, um Schwangere und Kranke zu schützen.

Und ja, auch aus Lehrersicht lassen sich Problemfelder finden: „Es beeinflusst auf jeden Fall die Verständlichkeit im Unterricht und es beeinflusst sicher auch das Miteinander“, teilt Flöte weitere Erfahrungen. Ein Lächeln kann hinter der Maske nicht gut wahrgenommen werden, das wirke sich natürlich aus.

Unsere Devise ist: Sicherheit für das schwächste Glied.

Anika Flöte, Kreisschulausschussmitglied und Schulleiterin Jahnschule Diepholz

Dennoch, da ist Anika Flöte für ihre Schule ganz deutlich, „sind alle froh und dankbar, dass wir weiterhin eine Maskenpflicht haben“. Warum? „Unsere Devise ist: Sicherheit für das schwächste Glied.“ Kinder, die nicht geimpft sein können, schwangere Lehrerinnen oder Schulmitglieder, die schwerkranke Personen im Haushalt haben, ihnen habe das Verhalten aller zu gelten. Daher habe die Jahnschule schon in der Vergangenheit strengere Regeln gehabt, als gefordert.

Wunsch: Alles, nur kein Lockdown

Insgesamt blickt das Kreisschulausschussmitglied sehr positiv nach vorne, und dieses Gefühl spüre sie auch in ihrem Kollegium. Solange ein Lockdown nicht wieder alles durcheinanderwirft und eine Rückkehr ins Homeschooling verlangt, werden Lüften, Kälte und Masken Themen sein, die Lehrer und Schüler meistern.

Und vielleicht kann nach einem Pandemie-Ende nicht nur gesagt werden, dass alle die Situation gemeistert haben. Vielleicht ist dann sogar etwas Positives entstanden, was den Unterricht verbessert.

Den Anstoß dazu gibt mit der Erfahrung der 20-5-20-Regel (20 Minuten Unterricht, fünf Minuten Lüftungs-Pause, 20 Minuten Unterricht, Anm. d. Red.) Robin Heimbucher in Richtung der Entscheidungsträger: „Im Generellen haben wir festgestellt, dass solche Pausen sehr angenehm sind und die Konzentration im folgenden Unterricht steigern. Deswegen sind kurze Pausen auch nach Corona ein Konzept, welches wir sehr gut finden würden.“

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