Seit vier Jahrzehnten

Elke Ahlers ist Überlebenshilfe für Igel in Not

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Elke Ahlers bei der Fütterung von Igel „Felix scharf“, der eigentlich keine Flasche mehr braucht, aber sich nicht entwöhnen lässt.

Twistringen - Von Anke Seidel. Klein, stachelig und ganz offensichtlich in Not: Als Elke Ahlers vor vier Jahrzehnten am Martinstag mit Sohn Andy und Hund Laterne läuft, ahnt sie es noch nicht – dieser kleine Igel wird ihr Leben verändern.

Seit sie dieses Stacheltier erfolgreich über den Winter gebracht hat, nimmt die 62-jährige Twistringerin Jahr für Jahr Igel auf, die ohne menschliche Hilfe sterben würden. Zurzeit hat die Twistringer Igel-Mama 27 stachelige Pflegebabys. „Es sind wenige“, schmunzelt die engagierte Tierschützerin – und erinnert sich an das Jahr 2011, als sie sage und schreibe 255 Igel versorgen musste.

Igel werden aus 100 Kilometern Entfernung gebracht

Auslöser war damals ein Fernsehbericht gewesen. Deshalb steht die gelernte Krankenschwester nicht gern in der Öffentlichkeit, lässt sich auf Anfrage aber bei der Versorgung ihrer stacheligen Schützlinge über die sprichwörtliche Schulter schauen.

Wie bei „Felix scharf“, den sie – bei einem Gewicht von 400 Gramm – genauso mit der Flasche füttert wie ein 110 Gramm schweres, stacheliges Findelkind. „Felix“ will sich einfach nicht von der Flasche trennen.

Mit der linken Pfote hält der kleine Igel die Flasche fest, aus der ihm seine „Pflegemutter“ überlebenswichtige Nahrung verabreicht.

Aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern kommen Finder mit ihren Igeln zu Elke Ahlers. Mit erfahrenem Blick begutachtet die Twistringerin die stacheligen Ankömmlinge – und weiß genau, wer Trockenfutter schon verwerten kann und wer noch die Flasche braucht.

Zwei Jungtier-Würfe gingen diesen Herbst bereits verloren

Den Stall auf ihrem Grundstück hat sie zur Igel-Station ausgebaut. Die Trägerschaft hat der Tierschutzverein Sulingen und Umgebung übernommen, dessen zweite Vorsitzende Elke Ahlers ist.

Wohlige Wärme herrscht in dem Raum, in dem Wanne an Wanne auf einer Heizdecke steht. In jeder hat ein Igel sein Höhlennest, vor dem Futter und Wasser stehen. Haben sich die stacheligen Findelkinder das nötige Winterpolster angefressen, kann der Winterschlaf beginnen: Elke Ahlers stellt Heizdecken und Ofen ab. „Bei einer konstanten Temperatur zwischen vier Grad Plus und vier Grad Minus beginnt die Winterstarre“, erklärt sie. Nicht alle schaffen es bis zu diesem rettenden Zeitpunkt. So hat die 62-Jährige in diesem Herbst bereits zwei Jungtier-Würfe verloren. „Die Igel-Mütter sind tot aufgefunden worden – unverletzt“, berichtet die Twistringerin. Sie vermutet eine Vergiftung: „Vielleicht ein Pflanzengift mit Langzeitwirkung?“, fragt sich die Igel-Mutter. Doch die Beweisführung ist schwer. Sie hat Kot der toten Igel beim Tierarzt untersuchen lassen, doch die Todesursache nicht ergründen können.

Manchmal sind alle Rettungsversuche vergebens. Im Schnitt schafft es bis zu einem Drittel der Pflege-Igel nicht, weil sie bei ihrem Fund zu wenig Lebenskraft hatten.

Gartenbesitzer können einen Beitrag zum Schutz der Tiere leisten

So unterschiedlich wie die jährliche Witterung ist die Zahl der Igel in Not. „In diesem Jahr sind es relativ wenige“, blickt Elke Ahlers auf die ersten Wochen in der Igel-Saison. Ob das so bleibt, wird sich zeigen. Fest steht allerdings: „Igel-Mütter bekommen immer eine ungerade Zahl von Jungtieren“, schmunzelt die Twistringerin über ein Phänomen. In der Regel seien es drei oder fünf.

Versteckt in der Höhle, in der er in wenigen Wochen seinen Winterschlaf beginnt: ein kleiner Igel in der Pflegewanne.

Gartenbesitzer, die stachelige Gäste haben, können übrigens selbst für Schutz sorgen: Ein alter Zehn-Liter-Eimer kann als „Futter-Höhle“ dienen, wenn man ein halbrundes Loch in den Rand schneidet. Über dem Futternapf (gefüllt mit speziellem Igel-Futter oder Trockenfutter für Katzen) wird der Eimer umgestülpt und mit einem Stein beschwert. „Als Schutz gegen Katzen“, erklärt Elke Ahlers – und betont: „Daneben unbedingt frisches Wasser stellen!“ Wer Igel im Garten überwintern lassen möchte, sollte in einer windgeschützten, schattigen Ecke viel trockenes Laub aufschichten.

Ob sich im Garten ein stacheliger Bewohner befindet, erkennen Besitzer übrigens an dem schwarzen, glänzenden Kot der Tiere. Er beweist auch, so berichtet die Igel-Kennerin, dass Ratten dieses Areal meiden: „Sie ziehen durch, aber bleiben da nicht. Denn Igel plündern Rattennester.“

Elke Ahlers verweist außerdem auf die Internet-Seite des Hamburger Komitees für Igelschutz, das eine Fülle von Informationen zusammengetragen hat.

Der Tierschutzverein Sulingen und Umgebung freut sich übrigens über Spenden für die Igel-Hilfe.

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