Coronakonformes Hobby

Eisenbahn-Welt auf acht Quadratmetern

Ein kleines Dorf steht inmitten der Eisenbahn-Landschaft.
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Ein kleines Dorf steht inmitten der Eisenbahn-Landschaft.

Während der Pandemie haben viele Menschen die Faszination für Modelleisenbahnen (wieder) entdeckt. Auch Heinz Bavendiek aus Scharrendorf werkelt derzeit gerne an seiner Miniaturwelt. Seine erste Lok bekam er zu Weihnachten. Über ein Hobby, das gut in die aktuelle Zeit passt.

Scharrendorf – Gleich mehrere Züge rattern über die Gleise. Sie schlängeln sich durch Tunnel und Täler, vorbei an einem kleinen Dorf und an felsigen Hängen. Auf dem See treiben ein paar Boote, und Rehe hüpfen übers Feld.

Wer vor der Modelleisenbahn-Landschaft von Heinz Bavendiek steht, kann immer wieder neue Details entdecken. Acht Quadratmeter ist seine Anlage groß. „Es ist nicht die größte private Anlage, und sicherlich auch nicht die Schönste“, meint Bavendiek. Aber die Modellbahn sei ein schönes Hobby, gerade jetzt, in Zeiten von Corona.

Angefangen hat alles bei einem Weihnachtsfest Anfang der 60er-Jahre. Seine Eltern schenkten Heinz – da war er fünf oder sechs Jahre alt – eine Modelleisenbahn. Es handelte sich um das Starterpaket der Marke Märklin mit einer schwarz-roten Lok und ein paar Anhängern. Dazu gab es Schienen, aus denen sich nicht viel mehr bauen ließ als ein Kreis. „Ich habe da sehr viel mit gespielt“, erinnert sich Bavendiek heute. Ihm zufolge stammte das gute Stück aus dem Twistringer Geschäft Leifeld.

Nach und nach bekam die schwarze Lok Gesellschaft. Bavendiek erweiterte seine Sammlung. Und wenn das Geld nicht reichte und es bis zum nächsten Weihnachtsfest oder Geburtstag noch dauerte, bastelte er sich eben selbst was. Das beweist ein kleiner Lokschuppen aus Streichhölzern, der noch in einem Schrank des Scharrendorfers steht.

Als er 1971 in die Lehre kam, räumte Heinz Bavendiek die Eisenbahn in den Keller. Schon damals sagte er sich: „Wenn ich einmal Rentner bin, dann baue ich sie wieder auf.“

So war es dann auch. Vor fünf Jahren, als er seinen Vorruhestand angetreten ist, kramte er die Bahn wieder hervor. Seitdem ist die Landschaft weiter gewachsen. Neue Häuser kamen hinzu, ein Berg, eine Hochstraße und vieles mehr.

Mittendrin: Bavendieks erste Lok, die er vor bald 60 Jahren zu Weihnachten bekommen hat. Sie funktioniert einwandfrei.

Mit seinem Hobby ist der Scharrendorfer nicht alleine. Laut Informationen der Deutschen Presseagentur haben 2020 viele Menschen Modelleisenbahnen als Hobby entdeckt. Das Hobby brauche Zeit – und davon hätten viele in der Corona-Krise mehr als genug.

„Man muss da ein bisschen Geduld für haben“, sagt Bavendiek Er beschäftige sich nicht jeden Tag mit seiner Eisenbahn. „Aber wenn man erst einmal angefangen hat, kann man damit einige Stunden verbringen.“

Ein großer Vorteil seines Hobbys ist zudem, dass das Infektionsrisiko dabei gegen null geht: Die meisten Bastler werkeln alleine vor sich hin. Sorgen um Kontaktbeschränkungen und Abstand spielen da keine Rolle. Es ist ein coronakonformes Hobby, ebenso wie eine andere Beschäftigung, der Bavendiek gerne nachgeht: Er erkundet bei Fahrradtouren mit seiner Frau gerne die Region.

„Es gibt viel zu entdecken“, sagt er. Das gilt auch für seine Modelleisenbahn. Die Grundlage seiner Landschaft bestehe zum Teil aus Gips, erzählt er. „Aber nicht nur. Einem Bekannten ist mal eine Tüte Fliesenkleber kaputtgegangen“, erzählt er und lacht. Farbe aus dem Baumarkt und spezielles Streumaterial, zum Beispiel, um Gras zu imitieren, tun ein Übriges.

Auf die Oberfläche der Landschaft hat Bavendiek unzählige Details aufgeklebt, darunter zum Beispiel kleine Leitplanken. Viele der aufgeklebten Sachen hat er wiederum aus etlichen Kleinteilen zusammengesetzt. Für eine nur wenige Zentimeter große Hopfenplantage hat er zum Beispiel 1200 Einzelteile zusammengefrickelt.

Und unter der Oberfläche? Da sind lauter dünne Kabel zu finden, die dafür sorgen, dass die Bahnen fahren können und die Straßenlaternen auch wirklich leuchten. Gesteuert wird all das mit vielen kleinen Knöpfen am Rand der Anlage.

Der Raum, in dem die Modelleisenbahn steht, ist nicht sehr viel größer als die Miniaturlandschaft an sich. Viel Platz scheint also eigentlich nicht mehr zu bleiben. Aber Bavendiek hat noch reichlich Ideen. Ihm schweben zum Beispiel ein Heißluftballon und eine Seilbahn vor. Er bezeichnet die Eisenbahn als „eine Baustelle, die niemals enden wird“.

Eins seiner nächsten Vorhaben ist es, weitere Bahnübergänge zu beschranken. Außerdem hat er noch ein Plätzchen gefunden, auf dem er eine kleine Kirmes aufbauen möchte, samt Hüpfburg, Süßigkeitenstand und einem Karussell, das sich wirklich drehen kann. „Wenn meine Enkelkinder das sehen, dann freuen sie sich genauso wie der Opa“, sagt Bavendiek.

Von Katharina Schmidt

Echte Oldies: Manche Loks sind bald 60 Jahre alt.
Mit Liebe zum Detail hat Heinz Bavendiek seine Modelleisenbahn nach für nach erweitert.

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