Nach zehn Jahren: Brigitte Gjertrsen möchte künftig keine Ausstellungen mehr organisieren

Ein Stückchen weniger Adventszauber

Brigitte Gjertrsen fertigt Kränze und Gestecke aus Naturmaterialien.
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Brigitte Gjertrsen fertigt Kränze und Gestecke aus Naturmaterialien.

Twistringen – Der Schuppen von Brigitte Gjertrsens Haus an der Georgstraße, ganz in der Nähe des Bahnhofs, wirkt ein bisschen, als sei er einem Märchen entsprungen. Neun mal hat Gjertrsen dort bereits eine herbstlich-adventliche Ausstellung veranstaltet. In diesem Jahr sollte die zehnte folgen, und damit die letzte. Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Vorgaben wird es diese abschließende Ausstellung allerdings nicht geben.

„Zehn ist eine runde Zahl“, sagt Gjertrsen zu ihrer Entscheidung, aufzuhören. Außerdem werde sie im Januar 72 Jahre alt. „Nochmal werde ich es nicht schaffen“, so die Twistringerin. Gerne hätte sie ein letztes Mal ihre Kränze und andere Handarbeiten aus Naturmaterialien bei warmen Getränken und Keksen präsentiert – so, wie sie es sonst immer im November gemacht hat. Aber Corona lässt es nicht zu.

Rückblick: Gjertrsen erinnert sich noch, wie ihre Zwillingsschwester den Satz gesagt hat, mit dem alles ins Rollen kam: „Hier machen wir mal eine Ausstellung.“ Die beiden standen damals in dem Schuppen. Der hat durch sein rustikales Dachgebälk und einen Steinboden seinen ganz eigenen Charme, selbst ohne Kränze und flackenden Kerzenschein.

Aus der Idee wurde Wirklichkeit, und zuletzt hatte Brigitte Gjertrsen einige Stammgäste, die jedes Jahr vorbeigeschaut haben. „Die Ausstellung ist immer gut angekommen“, befindet die Twistringerin, die lange in Norwegen gelebt hat. „Die Atmosphäre hat die Leute angezogen.“

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Brigitte Gjertrsen ist gelernte Dekorateurin und Floristin. Sie glaubt aber, dass sie auch angefangen hätte, Kränze zu fertigen, wenn ihre berufliche Laufbahn eine andere gewesen wäre. „Ich komme aus einer sehr kreativen Familie“, erzählt sie. Während sie an ihren Kränzen gearbeitet habe, habe sie nie darüber nachgedacht, ob und wie sie diese später verkaufen könnte. „Es macht mir einfach Spaß.“

Bis auf ein paar Hilfsmittel wie Draht bestehen ihre Arbeiten aus allerlei Sachen, die in der Natur zu finden sind. Daher hat die 71-Jährige immer schon im Juni angefangen, Material zu sammeln. Zapfen, Eicheln, Kiefernadeln oder auch Unkraut – wenn sie beim Spazierengehen mit ihrer Labrador-Hündin Jemma etwas Hübsches gefunden hat, nahm sie es mit. Zu Hause trocknete, polierte und verarbeitete sie es. Geld investierte Gjertrsen kaum, dafür aber jede Menge Zeit. All ihre Arbeiten sind Einzelstücke.

Auch wenn sie künftig keine Ausstellungen mehr machen will: Einfach an jedem Fundstück vorbeizugehen, kann sich Gjertrsen nicht vorstellen. „Sammeln werde ich immer“, sagt sie. „Aber wohl nicht mehr in der Menge wie bisher.“

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„Ich gebe allen Plätzen, an denen ich was finde, Namen. Der Name muss nur für mich etwas bedeuten“, erzählt Gjertrsen. Und ergänzt: „Ganz schöne Zapfen und Moose finde ich zum Beispiel im Rotkäppchenwald. Das ist ein Wald irgendwo hinter Bassum.“ Dieser Wald ist in ihren Augen märchenhaft, daher die Assoziation mit Rotkäppchen. Dekorative Mini-Hagebutten findet sie auf einem Platz in der Nähe von Twistringen, der sie an eine Insel erinnert. „Den nenne ich Roseninsel.“

Manchmal verarbeitet sie ziemlich ungewöhnliche Materialien, wie zum Beispiel getrocknete und in Streifen geschnittene Rhabarbarstiele. Sie muss schmunzeln, als sie von einer zufälligen Begegnung mit einer Frau erzählt, die ihr erstaunt berichtet hat, dass ganz in der Nähe des Bahnhofs ein Haus sei, wo draußen überall Rhabarber zum Trocknen hing ...

Die Ausstellung in dem „Rhabarberhaus“ wird es künftig nicht mehr geben, aber viele von Gjertrsens Arbeiten haben Bestand. Sorgfältig aufbewahrt, können sich Arbeiten aus getrockneten Naturmaterialien über Jahre hinweg halten.

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