31 Tage im Koma: Fritz Wüppenhorst meistert Corona  

Ein Kampf ums nackte Überleben

Fritz Wüppenhorst (68) hat die gefährliche Infektion überstanden.
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Fritz Wüppenhorst (68) hat die gefährliche Infektion überstanden.

Er ist zurück im Leben. Doch immer noch geprägt vom harten Kampf ums Überleben, den er gewonnen hat. Der 68-jährige Fritz Wüppenhorst aus Twistringen war an Corona erkrankt, sein Leben hing an einem seidenen Faden.

  • Infektionsquelle ist unklar
  • Extrem belastende Situation
  • Twistringer muss wieder Atmen lernen

Twistringen-Bassum - „Das kann man kein zweites Mal überleben“, sagt der Kfz-Innungsobermeister und Unternehmer Fritz Wüppenhorst aus Twistringen. Er will sich unbedingt gegen Covid 19 impfen lassen. Denn hat erleben müssen, dass Corona keine einfache Grippe ist. Seine Infektion ist so schwer verlaufen, dass er selbst das Atmen wieder lernen musste. 31 Tage lag er im Koma und insgesamt mehr als drei Monate im Krankenhaus.

Mehr als gut betreut fühlt er sich von den Ärzten und Pflegekräften in der Klinik Bassum: „Die haben alles gegeben! Die haben alles Lob verdient, das man sich nur vorstellen kann!“ Fritz Wüppenhorst hat großen Respekt vor ihrer Leistung und sogar freundschaftliche Kontakte geknüpft. Da ist zum Beispiel der Arzt, der ihn auf das künstliche Koma vorbereitet hat: „Er hat mir alles ganz genau erklärt, er hat sich wirklich sehr gut um mich gekümmert.“ Jetzt freut sich der Kfz-Meister darauf, mit ihm mal ein Bier trinken zu können. Dann, wenn der Unternehmer wieder ganz gesund ist. Und wieder seinem selbst gewählten Hobby nachgehen kann: „Ich brauche die Arbeit. Mir macht das Spaß.“

Von meiner Familie ist sonst keiner erkrankt.

Fritz Wüppenhorst

Seit gut einer Woche ist der Twistringer wieder Zuhause – und freut sich darauf, gemeinsam mit seiner Frau Gertrud wieder im Betrieb zu wirken. Seit 47 Jahren ist das Paar verheiratet. Für beide Ehepartner war die lebensbedrohende Corona-Infektion von Fritz Wüppenhorst eine existenzielle Herausforderung. Der 68-Jährige wundert sich noch heute: „Von meiner Familie ist sonst keiner erkrankt.“ Er weiß nicht, wo er sich mit dem Virus infiziert haben könnte.

Nur soviel steht fest: Ende Oktober fühlt sich der Unternehmer aus Twistringen plötzlich schlapp und müde. „Es war so ein Grippegefühl“, erinnert er sich. „An Corona habe ich gar nicht gedacht.“ Als sich seine „Erkältung“ nicht bessert, lässt er sich testen. Das Ergebnis ist positiv. Dem 68-Jährigen geht es von Tag zu Tag schlechter: „Ich bekam schwer Luft.“

Deshalb entscheidet er sich für das Krankenhaus. Dort zeigen die Röntgenbilder: Die Lunge ist stark angegriffen. Als der Arzt ihm das künstliche Koma vorschlägt, empfindet der Twistringer das als schicksalhaft und lehnt zunächst ab. Er hat eine Patientenverfügung und weiß um den Luftröhrenschnitt, den die Ärzte vornehmen müssten.

Zu keiner Zeit den Humor verloren

Als sich sein Zustand in der Nacht verschlechtert, stimmt der Twistringer am nächsten Tag dem künstlichen Koma zu. „Dann war ich erstmal weg“, sagt der 68-Jährige, der zu keiner Zeit seinen Humor verloren hat – für ihn überlebenswichtig: Aus einem Lächeln und aus einem Witz kann er Kraft ziehen. Deshalb kann er eine Woche nach seinem Krankenhausaufenthalt schon wieder scherzen: „Ich habe wohl zu laut ,Hier’ geschrien, die Viren haben sich so richtig ausgetobt.“

Sie haben ihn so außer Gefecht gesetzt, dass er besagte 31 Tage im Koma liegt. „Meinen Geburtstag und meinen Hochzeitstag habe ich verschlafen“, stellt Fritz Wüppenhorst fest. Er weiß, wie sehr seine Frau Gertrud um sein Leben gefürchtet und gelitten hat. Für sie ist die schreckliche Situation extrem schwer, weil sie ihren Mann nicht einmal besuchen darf. „Zweimal am Tag haben sich die Ärzte bei ihr gemeldet. Besser hätte das nicht laufen können“, sagt der Twistringer voller Dankbarkeit.

Als die Ärzte ihn zurück ins Leben holen, ist alles anders. Er kann nicht allein atmen, aber das Leben wenigstens wieder wahrnehmen. An schlimme Albträume erinnert sich der 68-Jährige, die er für die grausame Wirklichkeit gehalten hat. „Aber das war ja zum Glück alles nicht wahr“, stellt er schließlich fest – und freut sich über ein ganz besonderes Lob seines Arztes: „Der sagte mir, ich sei ein Held. Ich habe noch im Koma gekämpft.“

Allein atmen kann er noch nicht. Und muss zweimal hilflos ertragen, dass der Schlauch seines Beatmungsgeräts abspringt – möglicherweise ausgelöst durch eine unglückliche Bewegung. Es dauert nur Augenblicke, bis die wachsamen Fachkräfte der Intensivstation das Problem gelöst haben. Aber für Fritz Wüppenhorst ist es eine gefühlte Ewigkeit: „Man glaubt, man muss ersticken.“

Er kämpft und schafft es

Wieder selbst atmen lernen, das ist für den Twistringer ein unvorstellbarer Kraftakt. Er kämpft – und schafft es. Wieder die Hand zu heben, ist wie einen Fels zu bewegen. Auch das gelingt. Schritt für Schritt kämpft sich der 69-Jährige ins Leben zurück: „Ich hab nichts vergessen. Wusste gleich von allem Bescheid.“ Schnell kann er wieder mit dem Smartphone umgehen, schreibt seiner Frau und seiner Familie nur ein Wort: „Kuckuck.“ Es ist ein Wort, das unvorstellbare Erleichterung auslöst. Denn es bedeutet – Leben!

Drei Wochen verbringt er noch auf der Intensivstation. Und hat nur einen Herzenswunsch: Besuch von seiner Frau. Als die Ärzte ihm das unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ermöglichen, ist er überglücklich: „Ich hatte Tränen in den Augen.“

Weil das Virus auch Nieren und Herz angegriffen hat, muss Fritz Wüppenhorst nach seiner Behandlung in der Klinik Bassum noch stationär in der Kardiologie der Klinik Diepholz behandelt werden. Zur absoluten Sicherheit, denn vor 20 Jahren hatte er schon einmal eine Herz-Operation erleben müssen.

Auch in Diepholz ist er mit den Ärzten und medizinischen Mitarbeitern sehr zufrieden: „Da lief es auch sehr gut!“ Jetzt freut er sich, wieder Zuhause zu sein – auch wenn er noch mit Belastungen zu kämpfen hat: „In den Händen habe ich immer noch ein Kribbeln. Das sind die Nerven.“ Außerdem haben die Medikamente seine Haare ausfallen lassen.

Glücklich macht ihn jedoch die Erfahrung, dass seine Familie und seine Mitarbeiter in der Tankstelle und im Kfz-Betrieb felsenfest zur Stange gehalten haben, während er um sein Leben kämpfte: „Die haben alles gegeben, 110 Prozent und mehr.“ Genauso froh war er über die vielen Briefe und Mails von Bekannten und – selbst ehemaligen – Kunden, die ihn in der Klinik erreichten und mit denen er gar nicht gerechnet hatte: „Ich wusste gar nicht, wie viele Freunde ich habe.“

Von Anke Seidel

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