Abschied

Katrin Ratz gestaltet als Trauerrednerin den letzten Weg von Verstorbenen

Katrin Ratz beschäftigt sich mit der Entwicklung und Vergänglichkeit des Menschen.
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Katrin Ratz beschäftigt sich mit der Entwicklung und Vergänglichkeit des Menschen.

Twistringen – Das gelebte Leben wertschätzen und gleichzeitig Trauernde beim Prozess des Loslassens unterstützen – das fasst für Dr. Katrin Ratz zusammen, was ihre Arbeit ausmacht. Die 44-Jährige ist seit Ende vergangenen Jahres selbstständige Trauerrednerin. Sie gestaltet gemeinsam mit Angehörigen und Bestattern den letzten Weg eines Menschen.

„Was mir wirklich wichtig ist, sind wohltuende, verbindende, tröstende, rührende, humorvolle, hilfreiche – ja menschliche Worte.“ Dieser Satz begrüßt denjenigen, der die Homepage katrinratz.de aufruft. Und dass die Worte der Diplom-Gerontologin aus Lerchenhausen bei Twistringen genau das tun – verbinden, trösten, rühren, aber eben auch in dunkelsten Stunden zum Lächeln bringen, das weiß sie nicht nur aus ihrer kurzen Laufbahn als Trauerrednerin. Die zweifache Mutter beschäftigt sich schon lange mit der Entwicklung und Vergänglichkeit des Menschen, sowohl beruflich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen als auch privat.

„Mit dem Älterwerden und Sterben haben wir wenig Übung – dabei brauchen wir Begleitung“, stellt sie fest. Im familiären Kreis hat sie selber in den vergangenen Jahren viele Menschen verloren, alte und junge. Für die Beerdigung eines engen Freundes wurde sie dann gebeten, die Trauerrede zu halten. „Dabei habe ich gemerkt, was für eine wichtige Arbeit das ist: Die Trauerrede wertschätzt den Verstorbenen, schließt den Kreis und ist gleichzeitig Halt und Trost für die Hinterbliebenen.“

Als freie Trauerrednerin – die Ausbildung dazu lief ganz coronakonform digital – kommt Katrin Ratz zum Einsatz, wenn ein Mensch nicht in einer kirchlichen Zeremonie beigesetzt werden möchte. „Ich kann aber – genau wie die Kirche – keine Antwort geben auf die berühmte Frage, warum wir sterben, warum so früh oder warum nach einem langen Leidensweg. Darauf hat niemand eine Antwort. Aber ich glaube fest daran, dass das den Tod überlebt, was wir hinterlassen – Botschaften, Wissen und Gefühle beispielsweise.“ Engagiert werden kann sie sowohl über die Bestatter, als auch in direktem Kontakt.

Beisetzung an unterschiedlichen Orten möglich

Die Beisetzung des Verstorbenen sei dabei an unterschiedlichen Orten möglich, und auch die Trauerrede könne beispielsweise in der Friedhofskapelle, direkt am Grab oder auch im eigenen Garten gehalten werden. „Das ist eine ganz individuelle Entscheidung. Es gibt viele Möglichkeiten mittlerweile, und das ist sehr begrüßenswert.“

Genauso wichtig ist es Katrin Ratz, dass bekannter wird, dass Menschen selbstständig aussuchen können, wer bei ihrer Beerdigung die Rede an das Leben des Verstorbenen halten soll. Noch gebe es wenig Trauerredner in der Region.

In einem persönlichen Gespräch mit den Hinterbliebenen erfährt sie, wie der Mensch war, der verstorben ist. „Oft verspüre ich dabei eine Erleichterung darüber, sich über den Verstorbenen bewusst austauschen zu können.“ Dabei bespricht sie mit den Angehörigen aber nicht nur die Themen für die Trauerrede. Katrin Ratz koordiniert in enger Zusammenarbeit mit dem Bestatter die gesamte Trauerfeier. „Dabei sind die Kleinigkeiten besonders wichtig. Ziel ist, dass Angehörige an diesem Tag an nichts mehr denken müssen und voll beim Abschiedsritual sein können.“

Ein „Danke“ an das Leben

In ihrer Trauerrede versucht die 44-Jährige stets, den roten Lebensfaden des Verstorbenen aufzunehmen. „Der Aspekt der Biografien liegt mir sehr am Herzen – darüber bekomme ich enorm viel Verständnis für Menschen. Es ist spannend, in Lebensläufe einzusteigen. Wo und wie Menschen gelebt haben, in welcher Zeit und was hat sie bewegt – das ist extrem wichtig.“

Und sie merkt, wie gut es denjenigen, die Abschied nehmen müssen, tut, dass der Verstorbene gesehen und wertgeschätzt wird und ein „Danke“ ausgesprochen wird an das Leben.

Im Anschluss an die Trauerfeier bekommen die Angehörigen dieses „Danke“ in schriftlicher Form ausgehändigt. „Gerade in diesen Zeiten, in denen so wenige Menschen an der Trauerfeier teilnehmen können, können sie so ein Stück weit trotzdem teilhaben.“

Katrin Ratz ist in Krefeld geboren, hat lange in Oldenburg gelebt und zog vor sechs Jahren mit ihrer Familie nach Lerchenhausen. Als freie Rednerin kann sie nicht nur für Trauerfeiern, sondern auch für andere Zeremonien wie runde Geburtstage oder Hochzeitstage gebucht werden.

Kontakt

04246/3269946

www.katrinratz.de

Von Charlotte Wolframm

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