Anwohner Willi Freyer ist stinksauer auf Erweiterungspläne der Spedition Uhlhorn

Es dröhnt in der Stube

Willi Freyer ist stinksauer. Er zeigt auf das Erweiterungsgelände. Dort stehen schon länger Lkw-Auflieger. Foto: Theo Wilke

Scharrendorf - Von Theo Wilke. Morgens um 7  Uhr geht der Lärm los, Lastzüge fahren an und ab, Kühlgeräte brummen unaufhörlich. Um 17  Uhr kehrt Ruhe ein auf dem Gelände der Spedition Uhlhorn. Alltag in Scharrendorf hinter der Bahnstrecke. „Wenn der Wind aus Nord-West kommt, dröhnt es so stark im Wohnzimmer, dann habe ich das Gefühl, die Kühlaggregate stehen bei mir in der Stube“, schildert Willi Freyer vom Alten Kirchweg 8. Als Mieter in einem Vier-Familienhaus zeigt er von der Haustür aus auf das geplante Erweiterungsgelände. Dort werde die Spedition ihren Standort ausbauen, erzählt er.

„Im Jahr 2004 bin ich nach Scharrendorf gezogen. Mir hat keiner gesagt, dass man der Firma Uhlhorn dankbar sein und diese Dauerbeschallung der Kühlgeräte ertragen muss. Ich wohne etwa 80  Meter vom Betriebshof entfernt. Meine Terrasse kann ich am Tage nicht benutzen“, schimpft Freyer (80), der seit 60 Jahren in Twistringen lebt. Bei seinem runden Geburtstag 2019 habe er allein auf der Terrasse gegrillt. Seine Gäste hätten im Wohnzimmer gesessen. Bei dem Lärm draußen hätte man sich nicht unterhalten können.

Überall wolle man die Dieselmotoren loswerden, betont der frühere Lkw-Fahrer. Auch von Kühllastern „verstehe ich einiges“. Aber Scharrendorfs Ortsbürgermeister und Ortsrat befürworteten, „dass wir in Zukunft reichlich von dem Diesel bekommen. Wir sind als Anlieger nicht angesprochen worden. Und da bin ich stinksauer“. Die Politik habe der Betriebserweiterung zugestimmt, um Uhlhorn den Standort zu sichern.

Der seit Februar rechtskräftige Bebauungsplan „Scharrendorf-Ost II“ ermöglicht zwei neue Lagerhallen von jeweils rund 1800  Quadratmeter mit Dispositions- und Verladebereich – zwischen der Sulinger Straße im Westen und der Bebauung an der Straße „Am Schützenplatz“ im Süden. Im Osten wird der Geltungsbereich durch landwirtschaftliche Flächen begrenzt. Im Norden verläuft die Bahntrasse Osnabrück-Bremen. Nach einem Lärmgutachten sind die Lkw-Kühlaggregate maßgeblich die Verursacher der Geräuschimmissionen. Gleichzeitig heißt es, eine Reduzierung ließe sich durch spezielle Kühlgeräte – mit der „Whisper Option“ entweder diesel- oder elektrisch betrieben – erreichen.

Willi Freyer glaubt das nicht. Auch bei der weiteren Vorgabe aus dem Gutachten bleibt der Anwohner skeptisch: „Bei den neuen Laderampen sind Innenrampen mit Torrandabdichtung zur Minimierung der Verladegeräusche vorzusehen. Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben ist die Verträglichkeit der Erweiterung des Speditionsbetriebes zulässig“, ist im B-Plan nachzulesen.

Problematisch sieht Freyer auch eine künftige Zu- und Abfahrt zwischen dem Speditionsgelände und der Steller Straße. Die Anlieger des Alten Kirchweges befürchten, dass der Verkehr eines Tages vor deren Haustür zum sogenannten Mittelweg und umgekehrt laufen könnte. Freyer fordert eine Lärmschutzwand. „Dahinter kann Uhlhorn dann machen, was er will.“ Im Bebauungsplan ist allerdings ein Grünstreifen vorgesehen. Und dazu sagt auf Nachfrage Twistringens Stadtplaner Christian Gelhaus: „Eine grüne Hecke ist kein Lärmschutz.“

Der Landkreis hat Willi Freyer vor Kurzem über das Vorhaben bei Uhlhorn informiert und Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Die Behörde hat zugesagt, sich wieder zu melden. Der Landkreis ist für die Baugenehmigung zuständig. Das Verfahren läuft noch.

Der Widerstand aus der Nachbarschaft hat sich offenbar ein bisschen gelegt. So ganz allerdings nicht. Im vergangenen Jahr hatte sich ein Anwohner von der Königsberger Straße, jenseits der Bahnstrecke, beklagt. „Ich werde langsam irre. Es geht um die tiefen Töne. Acht Stunden lang brummen die Lkw-Kühlaggregate“, kritisierte er Ende 2019 im Twistringer Stadtrat.

Es geht dem Anlieger von der Twistringer Seite der Bahn nach eigener Darstellung nicht nur um die Lautstärke aus dem Schalltrichter, der ihn frontal aus Richtung Uhlhorn trifft, sondern mehr um seiner Ansicht nach nicht mehr zu ertragende Frequenzhöhen. Er und auch Willi Freyer warten gespannt auf die Entscheidung aus der Kreisbehörde.

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