Kino-Sondervorstellung am 1. November

„Die Unbeugsamen“ in Twistringen

Hoffen auf viele Besucher: Vertreterinnen der Frauengruppen, welche die Sondervorführung im Twistringer Kino auf die Beine gestellt haben.
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Hoffen auf viele Besucher: Vertreterinnen der Frauengruppen, welche die Sondervorführung im Twistringer Kino auf die Beine gestellt haben.

Für Politikerinnen in der Bonner Republik war es ein zähes Unterfangen, Gehör zu finden. Der Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“ zeigt ihren Kampf gegen Sexismus und Vorurteile. Am Montag, 1. November, läuft er ab 19 Uhr im Twistringer Kino. Ein Frauennetzwerk hat die Sondervorstellung organisiert.

Twistringen - „Mit dir will doch eh niemand pennen.“ Sätze wie diesen musste sich die Abgeordnete Waltraud Schoppe anhören, als sie in den 80er-Jahren im Bundestag die Bestrafung von Vergewaltigungen in der Ehe forderte. Selber Schauplatz, andere Sitzung: Ein Abgeordneter fuhr im Sommer 1976 der Politikerin Helga Schuchardt nach einer Rede mit dem Daumen über den Rücken. Anschließend streckte er seinen Daumen hoch, um einem Parteikollegen zu zeigen, dass er die Wette gewonnen hatte. Es ging darum, ob Schuchardt einen BH trägt.

Für die Politikerinnen in der Bonner Republik war es ein zähes Unterfangen, Gehör zu finden. Der Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“ zeigt ihren Kampf gegen Sexismus, Vorurteile und Hohn. Am Montag, 1. November, läuft er ab 19 Uhr im Twistringer Kino, Bahnhofstraße 56.

Mehrere Veranstalterinnen haben die Sondervorstellung gemeinsam auf die Beine gestellt: die Gruppen der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) aus Bassum, Harpstedt, Marhorst und Twistringen, Maria 2.0 sowie Twistringens Gleichstellungsbeauftragte Heike Harms.

Die Zeiten der Bonner Republik sind Geschichte – die Benachteiligung von Frauen und Sexismus sind es laut Heike Harms jedoch nicht. „Wir sind mit dem Thema noch nicht durch, auch wenn man meint, vieles sei schon erledigt.“ Sie nennt Beispiele: Bundestagsabgeordnete Bela Bach habe erst im August dieses Jahres gesagt, sie habe sich noch nie so benachteiligt gefühlt wie im Bundestag. „Und selbst Annalena Baerbock ist im Bundestagswahlkampf gefragt worden, wie sie Beruf und Familie vereinbaren wolle. Ein Herr Scholz oder ein Herr Laschet werden nicht gefragt, ob sie überhaupt in der Lage sind, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.“

Weiter schildert die Gleichstellungsbeauftragte: „Über viele Dinge, die im Film ,Die Unbeugsamen‘ gezeigt werden, werden wir schmunzeln und sagen: Das ist heute ganz anders. Aber wir müssen dafür sorgen, dass das so bleibt.“ Gerade Jüngere würden oft denken, Gleichberechtigung sei selbstverständlich.

Birgit Hosselmann ist Pastoralreferentin der Pfarrei St. Anna und in mehreren der veranstaltenden Frauengruppen aktiv. Sie führt aus: „Wenn es dann darum geht, die ersten Schritte Richtung Beruf zu machen, wird vielen erst klar, dass Gleichberechtigung an vielen Stellen noch nicht gegeben ist.“ Harms bestätigt: „Beim Studium sind noch alle gleich, bei Arbeitgebern kommt dann aber ab einem bestimmten Alter der Gedanke: Die könnte ausfallen. Karriere wird dann einfach schwieriger umzusetzen für Frauen.“

Hosselmann berichtet in dem Zusammenhang von einem Praktikum, das sie früher mal in einer Fabrik absolviert hat. „Der deutsche Arbeiter stand an Platz eins, danach kamen türkische Mitarbeiter und andere Nationalitäten. Und dann gab es da die Frau aus dem Osten. Sie sagte mir, sie könne jeden Moment rausgeschmissen werden - ständig auf dem Abschussgleis.“ Dabei sei gerade diese Frau sehr motiviert gewesen.

Sowohl Hosselmann als auch Harms ist Solidarität unter Frauen ein Anliegen. „Männer schieben sich die Stühle hin, Frauen ziehen sie sich weg“, bedauert Harms. „Wenn wir Frauen etwas verändern wollen, müssen wir auch Frauen wählen.“ Ein wichtiges Instrument ist in ihren Augen auch die Sprache. Bezogen aufs Gendern sagt sie: „Ich finde die Diskussion um Sternchen und Punkte wichtig. Einfach, um ein Bewusstsein zu schaffen.“

Bewusstsein schaffen - darauf zielt auch die Doku „Die Unbeugsamen“ ab. Frauen berichten darin von ihren Erfahrungen. Der Film von Torsten Körner erschien Ende August dieses Jahres. Aufgrund von Verträgen mit der Verleihfirma musste das Twistringer Kino laut Heike Harms aber zunächst James Bond zeigen.

Wer „Die Unbeugsamen“ am 1. November in Twistringen sehen will, muss sich anmelden bei Gunda Siemers, 04243/2949. Sie war es auch, die die Idee hatte, den Film zu zeigen. Die Zahl der Plätze ist auf 55 begrenzt. Der Eintritt beträgt sechs Euro.

Von Katharina Schmidt

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