Nach Sportring-Gründung: Bedenken und Ängste / Internes Gespräch am 23. Juni

Die Kuh muss vom Eis

März 2020: Unterschriften und Vereinsstempel für den Stadtsportring. Im Bild (v.r.): Peter Tegeler, Horst Kramer, Andreas Siegmann, Torsten Schütte, Hans-Dieter Jürgens, Stefan Funke und Henning Werft.  
Foto: Archiv Theo Wilke
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März 2020: Unterschriften und Vereinsstempel für den Stadtsportring. Im Bild (v.r.): Peter Tegeler, Horst Kramer, Andreas Siegmann, Torsten Schütte, Hans-Dieter Jürgens, Stefan Funke und Henning Werft. Foto: Archiv Theo Wilke

Twistringen – Anfang März macht sich der Stadtsportring (SSR) Twistringen auf den Weg. Ein Dutzend Vereinsvertreter unterzeichnen die Gründungserklärung. Drei Monate später kann der SSR noch nicht starten. Für den 23. Juni lädt die Stadt erneut zu einem klärenden Gespräch ein, um „noch vorhandene Bedenken und mögliche Ängste auszuräumen“, kündigt Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe an.

Die sprichwörtliche Kuh ist noch nicht vom Eis, was die Kompetenzen angeht. Geplant ist ein internes Treffen im Rathaus mit Vertretern der großen Sportvereine sowie jeweils einem Vertreter jeder Stadtratsfraktion. Die Politik scheint sich nicht mehr so sicher nach der SSR-Gründung im März und die Vereinbarung ein wenig überholt.

Nun stehen die großen Twistringer Vereine im Fokus. Aber auch offene Fragen: Macht es Sinn, wenn die Schaffung eines Stadtsportrings mit der Anpassung der allgemeinen Förderrichtlinien verknüpft ist? Rudert die Politik zurück? Bleibt es wie bisher, dass sich Verwaltungsausschuss und Rat die Entscheidung bei Förderanträgen vorbehalten? Und wie geht man in Zukunft mit den Wünschen der Sportclubs, Schützen- und anderen Vereine um?

„Wir hoffen, dass wir Zweifel oder auch Misstrauen ausräumen können“, sagt der Erste Stadtrat am Freitag auf Nachfrage. Da gebe es noch Aufklärungsbedarf. Die Förderrichtlinien, gegebenenfalls angepasst, sollten am 2.  Juli im Bildungsausschuss beraten werden, erläutert Hüppe. Damit die im Haushalt veranschlagten Fördermittel genutzt werden können. Ein Ziel: mit den vorhandenen Mitteln Synergieeffekte schaffen und mit dem gleichen Geld mehr erreichen. Hüppe: „Wir wollen den Sport und das Ehrenamt tüchtig unterstützen.“

„Die Gespräche gehen in die richtige Richtung“, meint auch Andreas Siegmann, Vorsitzender des SV Mörsen-Scharrendorf. Da müsse man nur noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Wichtig sei ihm, die Politik mitzunehmen und deutlich zu machen, wie enorm wichtig es sei, Kinder- und Jugendangebote in den Vereinen zu fördern und gleichzeitig ausreichend ehrenamtliche Betreuer zu haben. Allein in Twistringen, Mörsen und Marhorst würden allein die Sportvereine mehr als 1100 junge Menschen fördern – im Alter von 3 bis 18 Jahren.

Ob ein Vergabeausschuss im Sportring allen gerecht wird, da hat Siegmann seine Zweifel. Dem SVMS-Vorsitzenden geht es nach eigener Aussage nicht darum, die Vereine auseinanderzudividieren, er stellt aber, wie schon im März, das große Engagement und den enormen finanziellen Aufwand der Sportvereine heraus. „Ich bin eher ein Verfechter dafür, heute schon für morgen zu investieren“, so Siegmann. Letztlich wünsche er den Sportvereinen mehr Planungssicherheit.

Ein Sportring sei sicher eine gute Sache, und die Vereine würden allesamt eine unglaublich engagierte Jugendarbeit leisten. Das sei gar nicht hoch genug zu bewerten, lobt Ulrich Helms, Ratsfraktionssprecher der Freien Wählergemeinschaft Twistringen und Ortschaften (FWG). Allerdings müsse auch derjenige über das Geld entscheiden, der es vergebe – nämlich die Politik.

2019 hatte nach jahrelangen Diskussionen quer durch alle Fraktionen der Twistringer Finanzausschuss auf mehrmalige Initiativen der FWG hin zugestimmt, in diesem Jahr 25  000 Euro für den investiven Bereich der Sportvereine bereitzustellen und zunächst mit einem Sperrvermerk zu versehen. Der FWG ging und geht es darum, dass insbesondere die vier großen Vereine ihren immensen Investitionsstau abbauen können. Außerdem sollten die seit 1993 unveränderten Sportförderrichtlinien angepasst werden.

Auf Unverständnis stößt die Verzögerung der Sportring-Arbeit dagegen bei der SPD. Fraktionssprecher Friedrich Nordmann meint, es sei doch im März alles klar gewesen. Alle hätten bei der Gründungsversammlung unterschrieben. Natürlich seien Einzelheiten noch zu besprechen.

Im März einigte man sich, dass 70  Prozent der Fördermittel an Sportvereine fließen, 30 Prozent für Schützen- und andere Vereine bleiben. Es würde keine wiederkehrende Unterhaltung bezuschusst, sondern Investitionen ab 1000 Euro.

Am 23.  Juni wird ein Konsens zwischen Vereinen, Politik und Verwaltung erwartet.

Von Theo Wilke

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