Kommunalwahl am 12. September

Die erste und einzige Linke: Marion Urbanski kandidiert erneut für den Twistringer Rat

Seit 2016 im Stadtrat: Marion Urbanski.
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Seit 2016 im Stadtrat: Marion Urbanski.

Marion Urbanski ist erstes und einziges Mitglied der Linken im Twistringer Stadtrat. Bei der Kommunalwahl am 12. September tritt sie erneut an. Ihr liegen Umweltthemen und Gleichberechtigung am Herzen, außerdem wünscht sie sich Solidarität anstatt einer Ellenbogengesellschaft.

Twistringen – 13. Januar 2009. Dieses Datum wird Marion Urbanski wohl nie vergessen. Nachdem sie zehn Jahre in Malaysia gelebt hatte, kam sie nach Deutschland zurück – mitten im Winter und mit fünf Katzen an ihrer Seite. Sie schlug damit ein neues Kapitel in ihrem Leben auf. Davon gibt es so manche: Mit ihren 70 Jahren hat Marion Urbanski viel von der Welt gesehen und in unzähligen Jobs gearbeitet. In Twistringen ist sie vor allem als erstes und einziges Mitglied der Linken im Stadtrat bekannt.

Bei der Kommunalwahl am 12. September tritt sie erneut an. Wieso die Linke? „Es ist die einzige Partei, die sich konsequent für Frieden eingesetzt hat“, lautet Urbanskis Antwort. So hätten die Linken von Beginn an gegen den Militäreinsatz in Afghanistan gestimmt. Außerdem findet Urbanski es gut, dass die Partei keine Spenden von Konzernen und Lobbyisten annehme. „Das Gemeinwohl muss über Privatinteressen stehen“, ist sie überzeugt.

Wichtiges Anliegen: Gleichberechtigung

Marion Urbanski ist in Verden geboren und aufgewachsen. Ihr Vater war gelernter Schlosser und baute Strommasten, ihre Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Nach der Realschule machte das „Deern aus Verden“ eine Ausbildung in der Hauswirtschaftslehre. „Ich hab die traditionelle Mädchenausbildung gemacht, mit all dem Muff, der damals dazugehörte“, berichtet Urbanski. Mit Muff meint sie zum Beispiel, dass Mädchen weniger durften als Jungs. Gleichberechtigung liegt ihr bis heute am Herzen. Sie fordert: gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.

Nach ihrer Ausbildung arbeitete Urbanski ein paar Jahre als Hauswirtschaftsleiterin. Irgendwann wurde ihr das zu langweilig. Über den zweiten Bildungsweg schaffte sie die Voraussetzungen, um Lehramt an der Uni Göttingen zu studieren. Deutsch und Geschichte. „Während meines Studiums war ich im Fachschaftsrat Geschichte. Der war kommunistisch“, erinnert sie sich. „Wobei ich nie kommunistisch war. Das waren halt meine Kommilitonen, und ich habe mitgemischt.“ Es habe viele Demos gegeben, unter anderem gegen die Buspreise, und alle hätten mitgemacht.

„Es ist wichtig, ein Umweltbewusstsein zu schaffen“

Beim öffentlichen Nahverkehr in Twistringen sieht Urbanski Luft nach oben. „Es ist wichtig, ein Umweltbewusstsein zu schaffen“, findet sie. In dem Zusammenhang spricht sie auch von Blühstreifen und kritisiert Steingärten. Urbanski wünscht sich bessere Radwege, eine Baumschutzsatzung und weniger Zigarettenstummel auf den Wegen. „Eine Kippe verunreinigt 40 Liter Wasser“, betont sie. Ein weiteres Thema, für das sie sich stark machen möchte, ist sozialer Wohnungsbau.

Ihr Referendariat machte Urbanski an einem Gymnasium in der Nähe von Gießen. „Als ich fertig war, gab es die große Lehrerschwemme“, erzählt sie. 85 000 arbeitslose Lehrer habe es gegeben. Eine davon war sie. „Ich habe viel herumgejobbt, unter anderem bei vielen Bildungsträgern.“ Von prekären Arbeitsverhältnissen und Zeitverträgen könnte sie ein Lied singen.

Große Reise - und später zehn Jahre in Malaysia

Eine Zeit lang lebte sie in Kassel. Dort war sie in der Frauenbewegung aktiv und ging unter anderem gegen das Verbot von Abtreibungen auf die Straße.

Anfang der 90er brach Marion Urbanski mit ihrem damaligen Mann dann zu einer großen Reise auf. „Wir haben alles verkauft, was wir hatten, haben unsere Wohnung aufgegeben und sind mit dem Rucksack losgezogen“, erzählt sie. Von Samoa aus ging es nach Neuseeland, Australien, Indonesien, Malaysia, Indien, Nepal. „Das waren zwei tolle Jahre“, schwärmt sie. „Weil wir nicht viel Geld hatten, sind wir in den billigsten Pensionen und Herbergen abgestiegen.“ Sie lacht. „Dadurch haben wir so viele Menschen kennengelernt.“ In dieser Zeit habe sie auch gesehen, wie erbärmlich es vielen auf der Welt geht – und wie gut es im Vergleich Menschen in Deutschland haben.

Später zog es Urbanski wieder nach Malaysia, diesmal alleine. „Ein halbes Jahr wollte ich dort bleiben. Daraus sind dann ungefähr zehn Jahre geworden, von 1999 bis 2009. Das war eine völlig andere Kultur“, berichtet sie. „Da war ich die Ausländerin, das war auch nicht immer witzig. Ausländerfeindlichkeit gibt es überall.“

2009 zurück nach Twistringen

Urbanski arbeitete in Malaysia für eine Organisation, die Kulturarbeit macht und Deutschkurse anbietet. „Ich fand es toll da“, sagt sie. 2009 kam sie dennoch zurück nach Deutschland. Nach Twistringen. Sie löste damit ihr Versprechen ein, sich um ihre Eltern zu kümmern.

Um sich über Wasser zu halten, arbeitet sie auch im Rentenalter. „Jobs habe ich eigentlich immer gefunden“, sagt sie. Mal half ihr Studium ihr dabei, mal ihrer Qualifikation als Hauswirtschaftsleiterin. Besonders gut gefallen haben ihr vier Jahre an der Berufsschule in Wildeshausen als Deutsch-, Englisch- und Sozialkundelehrerin.

„Außerhalb des Referendariats habe ich nicht eine Stunde Geschichte unterrichtet. Vielleicht bin ich deswegen Gästeführerin geworden“, überlegt sie. Bei der Twistringer AG Gästeführung gibt sie mitunter Einblicke in das Leben von Menschen in früheren Zeiten. Zudem ist sie Sterbe- und Trauerbegleiterin.

Ein großer Wunsch von ihr ist ein Frauentreff in Twistringen. Nun steht aber erst einmal die Wahl an. Im Rat ist Urbanski seit 2016. Sie wünscht sich Solidarität statt Ellenbogengesellschaft und will das soziale Engagement stärken. „Das heißt für mich: Selbst aktiv sein. Rumsitzen und schimpfen kann jeder.“ Das fange im Kleinen an, etwa beim Aufheben von Müll.

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