Weniger Geschäfte, mehr Wohnungen

Die schleichende Entwicklung an der Langenstraße

An dieser Kreuzung trifft die Langenstraße auf die B51.
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An dieser Kreuzung trifft die Langenstraße auf die B51.

Wo früher einmal Läden waren, sind heute Wohnungen: Die Langenstraße in der Twistringer Innenstadt entwickelt sich von einer Geschäftsstraße zu einer Wohnstraße. Sollte man diesen schleichenden Prozess einfach laufen lassen oder aktiv eingreifen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Twistringer Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaft am Mittwochabend.

Dabei wurde deutlich: Dass die Langenstraße wieder eine belebte Geschäftsstraße wird, daran scheint keiner mehr so recht zu glauben. Wenn von planungsrechtlichen Änderungen die Rede war, dann in erster Linie, um eventuelle Hindernisse für Wohnbebauung aus dem Weg zu räumen.

Die bestehenden Geschäfte sollen dabei auf keinen Fall benachteiligt werden. Und: Potenziellen Nachfolgern oder gar neuen Betrieben soll die Tür weiterhin offen stehen. Darauf legt auch der Ortsrat wert. Bei dem stand das Thema schon am Montag auf der Tagesordnung.

CDU zieht Antrag zur Langenstraße in Twistringen zurück

Grundlage der Diskussion ist ein Antrag der CDU. Der zielte darauf ab, in der gesamten Langenstraße Wohnräume in den Erdgeschossen zu ermöglichen. Die Fraktion zog ihn am Mittwoch jedoch wieder zurück. Wohnungen im Erdgeschoss sind nämlich bereits möglich. Bis vor ein paar Jahren hat die Satzung zur Innenstadtsanierung das zugunsten von Geschäftsräumen verhindert, doch diese Satzung ist mittlerweile aufgehoben.

Konkret ging es der CDU um den Abschnitt der Langenstraße von der B51 bis zur Kurve bei Buschmann. Aktuell ist dort ein Mischgebiet. „Beide Nutzungen sind dort zulässig, sowohl Gewerbe als auch Wohnen. Es muss nur in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, erklärte Stadtplaner Christian Gelhaus. Kippe das Verhältnis, könnten irgendwann Genehmigungsschwierigkeiten auftauchen.

Urbanes Gebiet statt Mischgebiet?

Es gibt die Option, das Mischgebiet in ein sogenanntes urbanes Gebiet umzuwandeln. Diese Kategorie wurde 2017 bundesweit eingeführt, um in städtischen Gebieten eine höhere bauliche Dichte zu ermöglichen. „Im Prinzip handelt es sich dabei um ein erweitertes Mischgebiet. Dabei ist kein Schlüssel festgesetzt, in welchem Verhältnis Gewerbe und Wohnen zueinanderstehen müssen“, sagt Gelhaus. In einem urbanen Gebiet dürfte es tagsüber zudem drei Dezibel lauter sein als in einem Mischgebiet.

Unterm Strich bietet diese neue Kategorie laut Gelhaus „mehr Möglichkeiten für die innerstädtische Entwicklung“. Nur: Umzuplanen kostet Geld. Da handele es sich um „deutlich fünfstellige Beträge“, meinte Gelhaus. Und finanziell steht Twistringen mit einem Schuldenberg von 22 Millionen Euro bekanntlich nicht gerade gut da.

Bürgermeister Jens Bley kam zu dem Schluss: „Der Status quo ist gar nicht so verkehrt.“ Manfred Rickers (CDU) ergänzte, dass die Zeit nicht dränge und sich die Fraktionen noch einmal in Ruhe über die Langenstraße Gedanken machen könnten. Fritz Schütte (CDU) sah das anders. „Zeit haben wir nicht mehr“, sagte er. Es gebe einen Investor. In den Sitzungsunterlagen war davon nichts zu lesen, und anderen Ausschussmitgliedern – auch aus den Reihen der CDU – schien diese Info neu zu sein.

Neues Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten in Twistringen

Der Antrag ist erstmal vom Tisch. Das Thema urbanes Gebiet beschäftigt die Stadt aber noch an anderer Stelle. An der Ecke Bahnhofstraße / Kolpingstraße möchte ein Investor ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten bauen. Das Gebäude soll im rückwärtigen Bereich der Grundstücke Bahnhofstraße 24 und 26 entstehen und über die Kolpingstraße erreichbar sein. „In diesem Bereich haben wir unser erstes urbanes Gebiet. Es ist ein gutes Instrument, wenn wir in Zukunft Gebiete überplanen müssen“, schilderte Gelhaus. Auch hier kosten die Planungen Geld. Doch in diesem Fall zahlt der Investor. Der Ausschuss empfahl, den entsprechenden Planentwurf für einen Monat öffentlich auszulegen. Der Ortsrat hatte ebenfalls zugestimmt – und die Anregung gegeben, über eine Tempo-30-Zone nachzudenken. Der Verkehr sei dort schon jetzt problematisch.

Ein weiteres Vorhaben: Am Buschweg möchte ein Einwohner im rückwärtigen Bereich seines Grundstücks ein Wohnhaus errichten. Planungsrechtlich ist das derzeit nicht zulässig. Deswegen wünscht sich der Einwohner eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans. Weder Ortsrat noch Ausschuss haben was dagegen.

Von Katharina Schmidt

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