Diamantene Hochzeit im Hause Rasche

Otto hat nur Augen für Grete

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Feiern am Pfingstsonntag ihre diamantene Hochzeit: Margarethe und Otto Rasche aus Marhorst.

Marhorst - Von Theo Wilke. „Ich habe nur auf dich ein Auge gehabt“, sagt Otto Rasche aus Marhorst zu seiner Grete. Sie sitzen auf dem Sofa und halten sich zärtlich die Hände. Ganz genau erinnern sie sich an die erste Begegnung 1949 in der Schule am Markt. Die Twistringer Kolpingsfamilie suchte damals noch Schauspieler für ihr Bühnenstück.

Morgen blicken Otto und Margarethe Rasche von der Marienstraße auf 60 Ehejahre zurück – sichtlich zufrieden mit sich und dem gemeinsamen Leben.

„Wir haben einen riesigen Garten. Wir können alles noch allein machen“, erzählt die 84-jährige. Und Otto: „Sie hat viele Ideen eingebracht.“ Heute pflegen sie sogar 180 Rosenbüsche und an die 1000 Tulpen. Seit vielen Jahren, ergänzt der 85-Jährige, sorge seine Frau für den Blumenschmuck in der Marhorster Kirche. Seine soziale Ader hat das Paar auch mit einer privaten Hilfsaktion für Polen bewiesen, etwa in Kattowitz. Seit 1981 hat es an die 4000 Pakete geschnürt – und dabei auch Freunde fürs Leben gefunden.

Der Diamant-Bräutigam fährt noch mit dem Auto jeden Tag zum Twistringer Friedhof und pflegt rund 60 Grabstätten. „Das hält ihn jung“, freut sich seine Frau, die ebenfalls ihre Besorgungen mit dem eigenen Auto erledigt. Vier Kinder, neun Enkel und eine Urenkelin sind deren ganzer Stolz.

1930 in Neuenmarhorst geboren, hat Otto Rasche nach der Schule für einen Landschaftsarchitekten gearbeitet. Eigentlich sollte er 1944 eine Gärtnerlehre beginnen, aber damals wollte keiner ausbilden. Nach dem Einmarsch der Engländer half er drei Jahre in der Landwirtschaft und im Gartenbau des Gasthauses Lehmkuhl. „Bis zur Währungsreform habe ich dort alles gemacht, was anlag.“

Im Juni 1948 wechselte er zur Ziegelei. „Ich musste doch, sonst gab es keine Lebensmittelkarten.“ Er war in allen Bereichen beschäftigt, vom Ziegelofen bis zu den Maschinen, und „das war Knochenarbeit und sehr heiß“.

1956 begann Otto Rasche in Bremen eine Umschulung zum Maschinenschlosser, legte 1964 seine Facharbeiterprüfung ab. Anschließend arbeitete er 30 Jahre als Dreher in der Maschinenfabrik Kramer und Buschmann an der Bahnhofstraße. Als Rasche 1993 in Rente ging, machte er sich selbstständig als Garten und Grundstückspfleger.

„Wir haben sehr viel Glück im Leben gehabt“

Als eines von sieben Kindern einer Landwirtsfamilie in Stöttinghausen endete für Grete die Volksschule, als die Alliierten kamen. „Ich wollte Verkäuferin werden.“ Der Lehrherr wollte sie aber in die Küche stecken, was Gretes Mutter ablehnte. Daraufhin arbeitete die Tochter für 15 Mark im Monat bei einer Holzschuhmacherfamilie, danach zwei Jahre in einem Schuhgeschäftshaus in Scharrendorf

1949 zurück auf dem elterlichen Hof, lernte sie Otto Rasche kennen, das Paar verlobte sich 1952 und baute vor der Hochzeit 1955 das eigene Heim. Grete versorgte die Kinder, den Haushalt, den Garten, daneben half sie in der Landwirtschaft – und später verdiente sie sich ein „Zubrot“ bei Stöver in Aldrup und danach auf einer Pilzfarm in der Nähe. Die 84-Jährige: „Wir haben sehr viel Glück im Leben gehabt.“

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