Europäisches Forschungsprojekt zur Energieversorgung

Der türkisfarbene Rolls-Royce

Energieplattform Twistringen
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Der Startschuss ist gefallen

Der Startschuss für das Projekt „Energieplattform Twistringen“ ist gefallen. Es geht darum, die Energieversorgung der Zukunft zu erforschen.

Twistringen – „Dieses Projekt haben wir gemacht für Tage wie heute.“ Stephan Tenge vom Technikvorstand der Avacon blinzelt zufrieden in die Sonne. Der kräftige Wind weht ihm bei dem offiziellen Startschuss für die „Energieplattform Twistringen“ um die Nase. „Die Photovoltaikanlagen brummen und die Windräder drehen sich“, sagt er. Hinter ihm steht der türkisfarbene Container, den ein Kran vor Kurzem in Abbenhausen platziert hat.

Es ist ein Batterie-Energiespeicher – und damit das Herzstück des auf drei Jahre angelegten Feldtests, der seit Montag läuft.

Der Feldtest unter dem Namen „Energieplattform Twistringen“ ist Teil des europäischen Forschungsprojektes Platone. Dabei richten internationale Forscher ihre Augen auf drei verschiedene Projekte: in der Weltmetropole Rom, der griechischen Stadt Mesogeia und in Abbenhausen.

In der Twistringer Ortschaft geht es darum, vor Ort produzierte Energie effizienter zu nutzen und direkt vor Ort zu verbrauchen. Der Batterie-Energiespeicher soll dabei helfen, in dem er Stromangebot und -nachfrage ausgleicht. Die Abbenhauser brauchen schließlich nicht zwangsläufig die ganze Energie just in dem Moment, in dem die Sonne auf die Solaranlagen knallt und sich alle Windräder drehen.

Projektleiter Benjamin Petters gibt einen Einblick in den Traforaum.

Man könnte auch sagen: Bei dem Container handelt es sich um einen türkisfarbenen Rolls-Royce, mit dessen Energie man sich rein theoretisch 750 Stunden lang die Haare föhnen könnte. Denn der Speicher kommt aus dem Hause Rolls-Royce. Und: Die enthaltenen Batteriezellen können insgesamt rund 750 Kilowattstunden (kWh) speichern – rund zehnmal mehr wie ein Elektroauto der Marke Tesla. Oder eben genug, um sich 750 Stunden lang zu föhnen.

Der Großspeicher ist jetzt ins örtliche Stromnetz eingebunden. Er übernimmt stufenweise in immer größerem Umfang seine Aufgaben.

Im Inneren des Containers gibt es einen Traforaum und einen Batterieraum. In Letzterem sind lauter silberfarbene Kästen zu finden: die Batteriezellen. Damit nichts schief geht, gibt es Rauchmelder, eine Löschanlage sowie Sensoren für Feuchtigkeit, Temperatur, Wasserstoff und Kohlenmonoxid.

Von dem bunten Container geht ein leichtes Fiepen aus. „Das Geräusch kommt vom Wechselrichter“, erklärt Projektleiter Benjamin Petters. In dem Batteriespeicher wird Gleichstrom zu Wechselstrom umgewandelt und umgekehrt. Je nachdem, ob in der Energiegemeinschaft Abbenhausen gerade Energie eingespeichert oder benötigt wird.

Perspektivisch ist vorgesehen, mehrere Energiegemeinschaften miteinander zu verbinden.

Blick in den Batterieraum Energieplattform

Wieso eigentlich gerade Abbenhausen? Das 620-Seelen-Dorf wurde ausgewählt, weil sich dort bereits heute zahlreiche Haushalte mit einer Photovoltaikanlage, Wärmepumpe oder einem Batteriespeicher befinden. „Wir sind stolz wie Bolle, dass wir so ein Projekt hier haben“, sagt Abbenhausens Ortsbürgermeister Bernhard Kunst.

In der Twistringer Ortschaft gibt es 97 Haushalte, und 20 davon haben Interesse bekundet, an der „Energieplattform Twistringen“ mitzuwirken. In einem der nächsten Schritte werden die freiwilligen Teilnehmer mit der nötigen Technik ausgestattet. Weitere Informationen dazu bereitet die Avacon vor. Eigentlich ist auch eine Infoveranstaltung angedacht. Inwieweit das klappt, hängt von der Entwicklung der Coronasituation ab.

„Unser Ziel ist es, das Verteilnetz durch intelligente Steuerung und Speichertechnik noch effizienter zu gestalten“, sagt Stephan Tenge. Er betont: „Das machen wir nicht nur für Twistringen. Das machen wir für die gesamte Avacon. Das machen wir für Deutschland. Das machen wir für Europa.“

Bezüglich der Energieversorgung nehme der ländliche Raum eine gesellschaftliche Aufgabe wahr, betont Landrat Cord Bockhop. Er macht aber deutlich: „Man kann nicht einfach alles, was man in den Innenstädten nicht gebrauchen kann, bei uns auf dem Land abladen.“ Es sei ein Geben und Nehmen. Es sei daher nicht nur wichtig, Straßenbahnen zu bauen, sondern sich auch um Busse auf dem Land zu kümmern. Und man brauche nicht nur riesige Krankenhäuser in den Städten, sondern auch eine gute medizinische Versorgung auf dem Land. „So kommt es zu einem gesellschaftlichen Frieden, den es braucht, um die Energiewende zu schaffen.“

Der Batteriespeicher trifft ein. Ein Schwerlastkran mit 52 Meter Ausleger hebt sie auf ein vorbereitetes Fundament.

Auch Twistringens Bürgermeister Jens Bley freut sich, dass Abbenhausen Teil des Forschungsprojektes Platone ist. Strom vor Ort zu verbrauchen, sei der richtige Schritt. Er ging darauf ein, dass Windkraftanlagen immer wieder abgeregelt werden, weil die Aufnahme-Kapazität der Stromnetze begrenzt ist. Grüner Strom verpufft.

So etwas soll eine intelligente Steuerung, wie sie jetzt in Abbenhausen getestet wird, verhindern.

Von Katharina Schmidt

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