„Die Decke ist dünn“

Neustart der Twistringer Tafel gelingt nur mit Helfern aus dem St.-Anna-Kirchenteam

Die Twistringer Tafel ist wieder geöffnet: Koordinatorin Bianca Iacovozzi (l. vorne) und Caritas-Geschäftsführerin Karin Kröger (daneben) mit Ehrenamtlichen von St. Anna, die in der Corona-Krise mithelfen. Foto: Theo Wilke
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Die Twistringer Tafel ist wieder geöffnet: Koordinatorin Bianca Iacovozzi (l. vorne) und Caritas-Geschäftsführerin Karin Kröger (daneben) mit Ehrenamtlichen von St. Anna, die in der Corona-Krise mithelfen.

Twistringen - Viele fleißige Hände packen mit an, schleppen Kisten, prall gefüllt mit Lebensmitteln, die dann in gespendete große Tragetaschen für die Bedürftigen wandern. Seit Donnerstagnachmittag ist die Twistringer Tafel der Caritas am Osterkamp wieder geöffnet – nach der Schließung Mitte März wegen der Corona-Krise.

Die Lebensmittelspenden, darunter Müsli, Milchprodukte, Aufschnitt, Brot, Brötchen und Tiefkühlware liegen am ersten Ausgabetag auf langen Tischen bereit. Noch fehlen Obst und Gemüse. Für das Vorsortieren gibt es zurzeit nicht genug Personal.

Dass der Neustart so gut klappt, dafür sorgen auch mehrere Ehrenamtliche aus dem pastoralen Team der katholischen St.-Anna-Kirchengemeinde. „Ich bin sehr dankbar dafür“, betont Tafel-Koordinatorin Bianca Iacovozzi. „Anfangs war es schwierig, ausreichend Helfer zur Wiedereröffnung zu finden“, fügt Caritas-Geschäftsführerin Karin Kröger hinzu. Viele der Ehrenamtlichen, die bislang bei der Lebensmittelausgabe halfen, gehören selbst der Corona-Risikogruppe an und müssten vor einer Ansteckungsgefahr geschützt werden.

Tafel in Twistringen: Nach Aufruf melden sich Ehrenamtliche

Ein Aufruf in dieser Zeitung habe sehr geholfen, dass sich neue Ehrenamtliche gemeldet hätten, so Kröger und Iacovozzi. Die Flüchtlingsinitiative (FiT) habe mehrere Helfer beigesteuert. Ebenso wertvoll sei die Unterstützung durch Johannes Kaluza, Flüchtlingssozialarbeit, und Ina Eggemann von St. Anna, gewesen. Schließlich hätten sich auch Privatpersonen angeboten.

„Solange der Betrieb in unserer Kirchengemeinde wegen Corona runtergefahren ist, helfen wir hier gerne mit. Es ist eine nette Atmosphäre. Ich habe viel Spaß“, meint Kantor Johannes Schäfer. Und scherzt: „Unsere Chorarbeit ruht. Ich habe hier schon versucht, neue Mitglieder für unseren Kirchenchor zu finden.“ Es könne am Ende auch ein Corona-Chor daraus entstehen, heißt es aus dem Kreis des fröhlichen pastoralen Hilfsteams. Dazu gehören auch Pastor Rojy Thomas Muringayil, Jana Bartke, Johanna Ratte, Birgit Hosselmann, Judith Hamm sowie Petra Huntemann (Kita).

Auf der Liste der Tafel stehen jetzt 25 Freiwillige, die dienstags und donnerstags jeweils von 14.30 bis 16.30 Uhr bei der Lebensmittel-Ausgabe helfen.

Tafel informiert Kunden über Wiedereröffnung

„Wir haben im Vorfeld 184  Briefe an unsere insgesamt fast 300 Kunden verschickt und über die Wiedereröffnung informiert“, erklärt Karin Kröger. Festgelegt sei, dass die Bedürftigen, in Gruppen aufgeteilt, nur zu bestimmten Zeiten die Tafel aufsuchen dürfen. Und sie können in der Corona-Zeit aber nicht selbst die Waren aussuchen, sondern erhalten vorbereitete Taschen beziehungsweise Tüten – vor der Tür der Tafel.

Am Eingang zum Parkplatz werden die Kunden schon kontrolliert. Sie müssen Mund- und Nasenschutz tragen. Pro Haushalt darf schließlich nur ein Mitglied – mit entsprechendem Abstand – in den durch Absperrbänder gekennzeichneten Bereich bis zur Ausgabe. Nachdem die Person auch ihren Tafelausausweis vorgezeigt hat.

Am ersten Tag waren die Lebensmittel kostenlos. Fortan zahlen Erwachsene 1,50 Euro, für jedes Kind 50  Cent.

Ehrenamtliche tragen Schutzausrüstung bei der Ausgabe

Die Ehrenamtlichen hinter den Ausgabetischen tragen Handschuhe, Mund- und Nasenschutz sowie ein Gesichtsvisier. „Wir haben in den vergangenen Wochen im Krisenstab viel vorbereitet, unter anderem das Schutzmaterial angeschafft und versucht, mehr jüngere Ehrenamtliche zu finden, die nicht zur Risikogruppe gehören“, erläutert Koordinatorin Iacovozzi. Allein die behördlichen Auflagen zu erfüllen, sei schon recht schwierig und ein Spagat gewesen. Die Lebensmittelspenden werden mit zwei Fahrzeugen von Supermärkten, Bäckereien und anderen Händlern abgeholt. In Zeiten von Corona dürfe nur eine Person im Fahrzeug sitzen. „Wir lassen die Fahrzeuge hintereinanderfahren. Dann helfen sich die beiden Fahrer gegenseitig. Einer allein kann das nicht schaffen“, so Bianca Iacovozzi. „Die Personaldecke ist dünn“, betont sie. Wenn in anderen Bereichen, etwa in Kirche, Wohnheim und oder auch Kita der Betrieb wieder mehr laufe, würde der Tafel was wegbrechen.

Deshalb startet die Caritas erneut einen Aufruf. „Wir suchen freiwillige Helfer, da die Lebensmittel von den Supermärkten abgeholt werden müssen. Vor allem Fahrer sind sehr gefragt“, erklärt Caritas-Geschäftsführerin Kröger.

Mehr Infos zur Twistringer Tafel

Interessierte melden sich bei Koordinatorin Bianca Iacovozzi, montags bis freitags zwischen 8 und 13 Uhr, unter 0170/ 9373011 oder E-Mail: biacovozzi@caritas-os.de

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