Passend zum 30-jährigen Bestehen

Am Strickhäuschen tut sich was

Anpacken, aber mit Abstand: Christian Behrensen (v.l.), Karl Heinz Knabe und „Lemmy“ Lehmkuhl restaurieren das Strickhäuschen.
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Anpacken, aber mit Abstand: Christian Behrensen (v.l.), Karl Heinz Knabe und „Lemmy“ Lehmkuhl restaurieren das Strickhäuschen.

Abbenhausen – Seit 30 Jahren steht das Strickhäuschen in Abbenhausen. Könnte die Holzhütte sprechen, hätte sie bestimmt einige Geschichten zu erzählen. Seitdem sie 1990 gebaut wurde, dient sie als gemütlicher Treffpunkt, als Rastplatz und als Unterstand. Damit das noch lange so bleibt, bekommt sie jetzt ein neues Dach.

Die Bezeichnung „Strickhäuschen“ kommt nicht von ungefähr. Die Frauen des Handarbeitsclubs „Zwei schlicht – zwei kraus“ trafen sich im Sommer häufig dort. Dank ihnen wurde die Hütte überhaupt erst gebaut.

Einige Jahre zurückgespult: Die Frauen des Handarbeitclubs machen gerade im Zuge einer Radtour ein Päuschen auf der Rabenwiese in Stelle, als ihnen auffällt, dass es in Abbenhausen keinen wirklichen Rastplatz gibt. „So eine Stelle haben wir vermisst. Dort, wo das Leben noch lebenswert ist“, notieren sie in das Buch, das Clubleiterin Anneliese Rieger immer dabei hat, um alle Geschehnisse festzuhalten.

Also fängt der Club an, zu sparen. Irgendwann wird aber klar: Ohne Hilfe wird’s schwierig. Daher stellen die Frauen einen Antrag bei der Stadt Twistringen. Darin heißt es wortwörtlich: „Tatkräftige Männer und Frauen sind bereit, mit anzupacken, um das Bauvorhaben zu erstellen. Aber unser Sparschwein ist leider für eine solche Ausgabe zu mager. Deswegen bitten wir Unterzeichnerinnen um die Gewährung eines Zuschusses für das Material in Höhe von 2000 DM für unseren Rastplatz.“ Die Damen machen der Verwaltung das Vorhaben schmackhaft: „Nach Fertigstellung können Sie mit einer Einladung zur zünftigen Einweihung (hoffentlich bald) mit lauter Handgearbeitetem (diesmal nicht in Textil) für’s leibliche Wohl gewiß sein.“

Der Handarbeitsclub bekommt die Zusage und schlachtet obendrein sein Sparschwein. Die Jäger helfen bei der Wahl des Standortes, und Heini Bellersen stellt Grund und Boden zur Verfügung. Der Zimmermann Karl Schütte übernimmt die Planungen und baut die Hütte mit tatkräftigen Helfern aus dem Dorf auf. Bernhard Bavendiek schnitzt auf einem Eichenbrett, gestiftet von Anna Knabe, das Logo des Handarbeitsclubs.

Heute, 30 Jahre später, hängt das Brett mit dem Logo noch immer in der Hütte, auch wenn sich der Handarbeitsclub im Jahr 2008 aufgelöst hat. Nach wie vor ist das Strickhäuschen nahe der Straße Zum Brande ein schöner Treffpunkt. Wenn man sich nicht mehr zum Handarbeiten trifft, dann eben zum Klönen. Doch das Dach war morsch, und es regnete rein.

Einige Abbenhauser restaurieren die Hütte derzeit. Was im Jahr 1990 der Zimmerer Karl Schütte war, ist jetzt Christian Behrensen. Zur Hand gehen ihm Karl Heinz Knabe und „Lemmy“ Lehmkuhl. Sie haben das alte Dach abgerissen, die Sparren ausgetauscht und alles mit Folie bedeckt. Obendrauf kommen demnächst Alu-Profilplatten. Außerdem soll das Häuschen von innen gepflastert werden. Einen Richtkranz gibt es auch, beigesteuert von Markus Schröder.

Wie schon damals, bei der Errichtung der Hütte, hilft die Stadt Twistringen wieder finanziell mit. Die Arbeit allerdings erledigen die Abbenhauser in Eigeninitiative. Die Platten fürs Dach sind das Geschenk einer Zimmerei.

Dass das Häuschen erneut wird, freut auch Erika Kalthoff, Anneliese Zalewski und Anna Knabe. Sie waren damals Mitglieder des 1982 gegründeten Handarbeitsclubs. „Was haben wir für Spaß gehabt“, schwärmt Kalthoff. Radtouren, Winterwanderungen oder andere Ausflüge, zum Beispiel zum Weihnachtsmarkt: Die Frauen haben nicht nur zusammen gestrickt und gehäkelt. Zu den monatlichen Treffen, immer am ersten Mittwoch, kamen lange Zeit 20 oder mehr Frauen. Für die Zusammenkünfte konnten sie den Pokalraum der Schützenhalle nutzen – und später natürlich ihr Strickhäuschen.

Die drei Frauen erinnern sich noch an die Einweihungsfeier am 13. Oktober 1990, einem Samstag. Es wurde ein herrlicher Abend, so steht es auch in der Festschrift „750 Jahre Dorfgemeinschaft Abbenhausen“. Und wie im Antrag für den Zuschuss versprochen, gab es ein großes Büfett.

Von Katharina Schmidt

Das Schild mit den Logo hängt noch. Auf den Bänken davor sitzen (v.l.) Erika Kalthoff, Lemmy, Christian Behrensen, Annelise Zalewski, Karl Heinz Knabe und Anna Knabe.

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