Kritik an Maßnahmen der Politik

Ärger nach Ansteckung bei der Arbeit: Erzieherinnen kämpfen mit Corona-Folgen

Erzieherin Karen Barjenbruch aus Twistringen kritisiert die aktuelle Situation in Kindertagesstätten. Im November hat sie sich selbst am Corona-Virus infiziert - während der Arbeit in der Kita. Damit ist sie nicht allein: Viele ihrer Kolleginnen kämpfen noch heute mit den Folgen.

  • Erzieherin Karen Barjenbruch aus Twistringen kritisiert die aktuelle Situation in Kindertagesstätten.
  • Sie hatte sich selbst während der Arbeit in der Kita mit dem Corona-Virus infiziert.
  • Nun hat sie ein Schreiben an die Politik gerichtet.

Twistringen – „Es ist Januar 2021, das Wetter ist schlecht und die Laune ebenfalls.“ Mit diesen Worten beginnt ein Schreiben, in dem Karen Barjenbruch aus Twistringen auf die aktuelle Situation während der Corona-Pandemie in Kindertagesstätten aufmerksam macht. Ihren Kommentar zur Lage hat sie dem niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne, dem Landtagsabgeordneten Volker Meyer und Bürgermeister Jens Bley geschickt.

Eindrücklich schildert die Twistringerin darin, wie der Druck und das Unwohlsein in Kitas steigen: „Ich sprach mit Kollegen, die Angst haben, um ihre eigene Gesundheit, um die ihrer Familien. Kollegen, die unter Schlaflosigkeit leiden, eine absolute Hilflosigkeit verspüren.“

Kita in Twistringen: Angestellte infizieren sich am Corona-Virus

Dass das Infektionsrisiko in Kitas hoch ist, hat Karen Barjenbruch am eigenen Leib erfahren: „Im November hatte ich mich mit dem Corona-Virus infiziert, auf der Arbeit. Mehrere meiner Gruppenkolleginnen haben ihn ebenfalls gehabt, auch Kinder. Viele von uns kämpfen bis heute mit den Folgen. Die Aussage vom Gesundheitsamt, dass man es jederzeit wieder bekommen kann, macht Angst.“

Als Schutz im Arbeitsalltag dienen lediglich vom Träger gestellte Schnelltests, die von den Angestellten selbst durchgeführt werden müssen.

Nach einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK gab es in Berufen rund um die Kinderbetreuung und -erziehung von März bis Oktober 2020 die meisten Krankschreibungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Abstand und Maske im pädagogischen Alltag mit Kindern seien eine Utopie. „Ich stelle mir manchmal vor, wie ich dem traurigen Kind zurufe, es solle sich bitte selbst in den Arm nehmen und das Aua wegpusten.“ Trösten, Umziehen, Wickeln: Das sei mit Mindestabstand nicht möglich.

Nach einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK gab es in der Berufsgruppe Kinderbetreuung und -erziehung von März bis Oktober 2020 die meisten Krankschreibungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Die Stiefel bleiben im Regal: Die Kindertagesstätten bieten nur noch eine Notbetreuung an.

Auch für die Kinder sei die Situation nicht leicht: „Wir dürfen nicht in den Bewegungsraum, da dort in der Bewegung zu viele Aerosole ausgeschüttet werden. Wir dürfen nicht in den Frühstücksraum, zumindest nicht mit mehr als fünf Kindern. Im Gruppenraum dürfen keine Sitzkreise stattfinden, keine Singangebote, keine Bewegungsspiele“, schildert die Heilerziehungspflegerin. Alles, was den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder entspreche, sei verboten.

„Die von der Politik beschlossenen Maßnahmen sind für uns keine Erleichterung. Unsere Arbeit wird uns unter diesen ganzen Bedingungen nur noch schwerer gemacht.“

Nähe, Zuneigung, Trost: Für die Angestellten von Kindertagesstätten gibt es keinen wirksamen Schutz vor dem Corona-Virus.

Es herrsche eine allgemeine Frustration beim pädagogischen Personal. Die sich ständig ändernden Regelungen würden Unsicherheiten schaffen. Ebenso fehle gefühlt bei jedem Beschluss der Zuspruch für das Berufsfeld. Aber mangelnde Anerkennung sei nicht erst seit der Pandemie ein Problem.

Karen Barjenbruch aus Twistringen kritisiert die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in den Kindestagesstätten.

Karen Barjenbruch fragt sich: „Wie kann es sein, dass alles auf Null gefahren wird, nur unser Bereich nicht? Wieso gibt es nicht strengere Richtlinien, wie beim ersten Lockdown, bei denen beide Elternteile eine Systemrelevanz vorweisen mussten? Nicht nur zu unserem Schutz, sondern auch zum Schutz der Kinder und Familien.“

Notbetreuung in Kitas in Twistringen: Mitarbeiter fühlen sich alleingelassen

Doch im Zuge der Notbetreuung müssen die Kita-Erzieherinnen für die Kinder da sein. Karen Barjenbruch könne Eltern verstehen. „Für Einzelkinder, für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen oder mit erhöhtem Förderbedarf sind diese Zeiten schwer, für die Eltern ebenfalls.“ Ein geordneter Tagesablauf gebe Sicherheit in diesen unruhigen Zeiten.

Allerdings werde bei diesem Plan die Wertschätzung und Achtung des pädagogischen Personals völlig vergessen. „Es scheint sich dabei keiner Gedanken über unsere Gesundheit und Sicherheit zu machen .“

Strengere Lockdown-Regeln zu ungenau: Verdener Kitas unzufrieden mit Maßnahmen

Rubriklistenbild: © Wolfgang Defort

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