Nachrücker im Twistringer Stadtrat

Conrad Schütte kehrt seiner Partei den Rücken: „Ich fühle mich in der CDU nicht mehr wohl“

Conrad Schütte ist der neue Ortsbürgermeister in Stelle.
+
Conrad Schütte ist der neue Ortsbürgermeister in Stelle.

Stelle – Seit Anfang der Woche ist Conrad Schütte der neue Ortsvorsitzende von Stelle und wird in Kürze nach fünf Jahren Pause in den Twistringer Stadtrat nachrücken. Dabei wird der Landwirt für Furore sorgen. „Ich werde nicht der CDU-Fraktion im Rat angehören“, lautet die überraschende Aussage des 67-Jährigen in einem Interview. Schütte stellte sich den Fragen von Sabine Nölker.

Herr Schütte, seit wann engagieren Sie sich politisch für Stelle und Twistringen und warum?

Zunächst einmal vorweg: Ich wäre gerne eher in die Politik eingestiegen und nicht erst mit 41 Jahren. Aber ich kam und komme nicht überall mit meiner Art an. Ich sage, was ich denke und stehe dann auch dazu. Von 1996 bis 2016 war ich nicht nur Ortsbürgermeister von Stelle, sondern auch im Rat der Stadt Twistringen. Hier hauptsächlich im Feuerwehrausschuss. Immer für die CDU. Nun ist jedoch ein Zeitpunkt gekommen, wo ich nicht mehr für die CDU in den Rat einziehen werde. Es gibt unüberbrückbare Differenzen, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, mich einer der anderen Partei anzuschließen. Sowohl der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Kunst, als auch die CDU-Ortsvorsitzende Anja Thiede wurden dahingehend von mir inzwischen unterrichtet. Für welche Partei ich nun im Rat sitze, dieses Geheimnis werde ich aber erst auf der nächsten Stadtratssitzung lüften.

Können Sie diese Differenzen näher beschreiben? Was hat dazu geführt, dass Sie der CDU den Rücken kehren?

Ich fühle mich in der CDU nicht mehr wohl und zuhause. Mehr möchte ich dazu derzeit nicht sagen.

Herr Schütte, was zeichnet Stelle aus und was macht es liebenswert?

Die Steller sind bodenständige Menschen, wie ich auch. Hier bringt sich jeder ein, vor allem im Schießsport- und Heimatverein. Stelle ist ein ruhiger Ort, umgeben von einer schönen Natur. Zahlreiche Wanderwege, auf denen man auch hier und dort auf unseren großen Wildbestand trifft, verleihen unserer Ortschaft so etwas wie einen Erholungscharakter.

Was wünschen Sie sich als Ortsvorsitzender beziehungsweise was wünscht sich der Ortsrat von der Stadtverwaltung?

Wir wünschen uns, dass Stelle gegenüber den anderen Ortschaften nicht abgehängt wird. Dabei denke ich insbesondere an die Straßensanierung durch die Flurbereinigung. Stelle ist bei der Flurbereinigung zwar nie dabei gewesen, dennoch müssen unsere Straßen dringend saniert werden. Vor allem die Kapellenstraße, die seit mehr als 20 Jahren abgängig ist, aber auch der Buchenweg und die Straße „Zur Rabenwiese“ sind stark sanierungsbedürftig. In der Vergangenheit – und das ist meines Wissens ein Alleinstellungsmerkmal in den Twistringer Ortschaften – hat sich die Jagdgenossenschaft am Straßenbau durch Anliegerbeiträge beteiligt.

Was muss Ihrer Meinung nach dieses Jahr endlich angepackt werden?

Die meisten Weichen wurden bereits durch den verstorbenen Ortsvorsitzenden Albert Rasche gestellt. Diese gilt es nun abzuarbeiten.

Aktuell gibt es deutschlandweit einen regelrechten Bauboom. Gilt das auch für Stelle?

So eine Bautätigkeit wie aktuell gab es seit den Nachkriegsjahren nicht mehr. Die Baugrundstücke laufen voll. Nachdem über 40 Jahre lang kein frei stehendes Haus mehr gebaut wurde, sondern nur Anbauten genehmigt wurden, müssen wir bereits jetzt an neue Baugrundstücke denken. Dabei sollten die Baugebiete nicht nur vernünftig mit den Anliegern gestaltet werden, sondern vor allem Rücksicht auf die Natur genommen werden. Was mich besonders freut, ist, dass viele Auswärtige in Stelle bauen und noch bauen wollen. Wir freuen uns über jeden Neubürger.

Danke für das Gespräch.

Mögliche Auswirkungen auf die Sitzverteilung

Bei der Kommunalwahl im September 2021 stand Conrad Schütte auf der Liste der CDU. Er wurde direkt für den Ortsrat Stelle gewählt. Nun rückt er, nach dem Tod von Albert Rasche, auch in den Stadtrat nach. Dürfen Politiker so kurz nach der Wahl einfach die Partei wechseln? „Ja, dürfen sie. Es gibt keine Fristen, die einzuhalten sind“, sagt Twistringens Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe auf Anfrage. Es sei einzig eine Gewissensentscheidung.
Je nachdem, wem sich Schütte nun zuwendet, kann er für Änderungen und Stühlerücken sorgen. Sollte er als Einzelkandidat im Twistringer Rat wirken, wird dies keine Auswirkungen auf die Sitzverteilung in den Ausschüssen haben. Sollte er sich jedoch einer der kleineren Parteien zuwenden, könne dies sehr wohl für eine Umverteilung in den Ausschüssen sorgen.
Schütte will sich nach eigener Aussage erst in der Ratssitzung äußern. Die ist am 17. Februar. al

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt

Drei Schließungen in der Diepholzer Innenstadt
Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand

Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand

Schleifstaub gerät frühmorgens in Brand
Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben

Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben

Teile von Syke ohne Strom: Störung behoben
Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Kommentare