Geschafft - trotz Abbruch!

Christian Masurenko und Dennis Heitmann brechen Dauertennis-Rekord

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Erschöpft, aber glücklich hält Christian Masurenko nach dem Spiel eine kurze Ansprache.

Twistringen - Von Detlef Voges. Geschafft! – und doch nicht ganz. Kurz vor dem Ziel mussten die Tennishelden Christian Masurenko (49) und Dennis Heitmann (35) gestern ihr Marathon-Match bei 79,9 Stunden Dauerspiel abbrechen. Geplant waren 82 Stunden. Der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ist den Spielern wohl dennoch sicher, lag der bisherige Rekord doch bei 62 Stunden.

„Es ging einfach nicht mehr“, erklärte Peter Tegeler, Vorsitzender des SV Marhorst, den Abbruch des Spiels. Es sei eine gemeinsame Entscheidung der Spieler sowie der Physiotherapeutin und des Mentaltrainers gewesen, so Tegeler, der nicht von Enttäuschung sprechen wollte. „Im Gegenteil, wir sind total stolz auf unsere Jungs und darauf, was die geleistet haben“, betonte der Vereinsvorsitzende.

„Die sind eisern“

Masurenko und Heitmann hatten schon am Sonnabend um 24 Uhr den alten Rekord überboten. 63 Stunden hatten die beiden seit Donnerstag Tennis auf der Anlage in Marhorst gespielt. Feuerwerk und lautstarker Beifall von über 1000 Besuchern begleiteten die neuen Rekordinhaber um Mitternacht. Darunter Besucher, die das Match seit Tagen immer wieder voller Respekt vor der Leistung der Tennisspieler verfolgt hatten.

„Jungs, haltet durch“, feuerte Peter Tegeler gestern Mittag nach 75 Stunden Spielzeit die Spieler noch einmal an. „Die sind eisern“, machte sich Tegeler selbst Mut.

Weltrekord im Dauertennis in Marhorst gebrochen

Sie sei jede freie Minute auf der Anlage gewesen, erklärte Edith Schwarze. Die Marhorsterin zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Spieler, so lange durchgehalten zu haben. Ausdauer und Disziplin begeisterten auch das Ehepaar Mersmann aus Twistringen, das sich ein solches Ereignis nicht entgehen lassen wollte.

Volksfest auf dem Tennisplatz

Überhaupt glich die Tennisanlage in Marhorst von Anbeginn an einem kleinen Volksfest mit attraktivem Beiprogramm, Volksläufen, Hubschrauberflügen, Bogenschießen und ständiger Kurzweil. Das Dorf war auf den Beinen. Gäste kamen von weither, um das Spiel der beiden gestandenen Herren zu sehen, Masurenko, im normalen Leben Geologe, Heitmann Matheprofessor in Hamburg.

Der Coach kühlt den Nacken von Dennis Heitmann.

So lange Tennis am Stück. Geht das überhaupt? Die beiden Herren haben es bewiesen. Nach 55 Stunden beim Debüt vor fünf Jahren und 77 Stunden beim dritten Anlauf – nun 79. Was ist mit Essen, Trinken und Schlafen? Die Rekordverwalter erlauben den Spielern je Stunde eine fünfminütige Auszeit für entsprechende Bedürfnisse. Die Spieler können die Ruhephasen auch summieren und etwa nach drei Stunden 15 Minuten pausieren.

In diesen Phasen übernahmen der Mentaltrainer Hans-Jörg Pelikan und die Physiotherapeutin Barbara Beuke die Regie. „Die Spieler signalisieren mir, wenn etwas nicht rund läuft“, sagt Beuke. Am intensivsten belastet waren die Waden und Handgelenke. „Dann muss ich schauen, ob ich etwas tapen kann oder massieren muss“, so die Physiotherapeutin.

Dauertennis ist eine besondere Herausforderung für den Kopf

Marathon-Tennis, das ist auch und besonders eine Kopfsache und damit das Aufgabenfeld von Hans-Jörg Pelikan. Er musste die Spieler in tiefste Entspannung versetzen und deren Energielevel dann wieder hochfahren. Zeit hatte er dafür eigentlich keine. Wie geht das? „Dass ist wie autogenes Training“, so Pelikan, „ich versetze die Spieler in Tiefschlaf und lege dann zum Fitsein in ihren Köpfen einen Energieschalter um.“ Der Mentaltrainer hatte in Masurenko und Heitmann auch kongeniale Partner. „Die hatten beide ein festes Ziel und waren immer zuversichtlich, es zu schaffen“, sagte er. Als sie dann im Spiel ihren Rhythmus gefunden hätten, sei es gut gelaufen, meinte Pelikan, der sich selbst bei dem Match einiges abverlangte und rekordverdächtige Liegestütze absolvierte – über 6000.

Weltrekord-Versuch im Dauertennis: die ersten 25 Stunden

Eine besondere Stärkung erfuhren die Tennisspieler auch aus ihren Familien. So verfolgte Heitmanns Ehefrau Julia das Match die ganze Zeit über. „Ich rede ihm gut zu, suche den Blickkontakt und stärke ihn durch meine Anwesenheit“, erklärte sie, die zwischendurch auch für vitaminreiche Essensrationen und Getränke sorgte. Rund fünf Liter Wasser verbrauchte jeder Spieler pro Tag.

Dass die Helden irgendwann das Match in den Knochen spürten, müde wurden und über den Platz schlichen, war verständlich.

Und wenn die Akkus der Spieler mal auf Reserve liefen, dann war da ja auch noch die Dorfgemeinschaft, die aus vielen Kehlen enthusiastisch anfeuerte und ihre modernen Helden feierte mit Applaus, Feuerwerk, Raketen, Musik und Umarmungen. Übrigens: Das Geld aus diesem Tennismatch-Event fließt in den Bau des Marhorster Dorfgemeinschaftshauses.

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