Brüder Abed und Aamer Chatto neue Schülervertreter im Sozialausschuss

Ein bisschen nervös, ein bisschen stolz

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Abed und Aamer Chatto haben syrische Wurzeln. Sie interessieren sich besonders für das Thema Flüchtlinge.

Twistringen - Von Maik Hanke. Fußball, Fitnessstudio, Freunde – die Hobbys von Abed (18 Jahre) und Aamer Chatto (15) klingen wie die jedes anderen Teenagers. Aber die Brüder haben noch ein anderes großes Interesse, das sie von anderen in ihrem Alter abhebt: Politik. Ab sofort sitzen sie als Schülervertreter im Ausschuss für Bildung, Erziehung und Soziales. Am Donnerstag ist ihre erste Sitzung.

In der Sitzung wird Bürgermeister Martin Schlake sie offiziell über ihre Pflichten aufklären. „Ein bisschen nervös sind wir schon“, sagt Abed. Aber „auch ein bisschen stolz“.

Abed wird stimmberechtigter Vertreter des Stadtschülerrates. Sein Bruder Aamer hat als Jugendvertreter kein Stimmrecht.

Die Brüder übernehmen gerne Verantwortung. Beide sitzen im neuen Stadtschülerrat, beide sind bereits Schülersprecher an ihren Schulen: Abed am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, Aamer an der Haupt- und Realschule in Twistringen. Doch jetzt tauchen sie ein Stück weit in die richtige Welt der Politik ein.

„Ein großer Schritt“, sagt Stadtjugendpflegerin Claudia Möllenkamp. An den Schulen seien die beiden kurze und direkte Wege gewöhnt, an die „völlig andere Arbeitsweise“ der Kommunalpolitik werden sie sich erst gewöhnen müssen.

Möllenkamp ermutigt die beiden – die sie als „sehr zuverlässig“ kennengelernt hat – sich einzubringen und zukünftig auch eigene Themen, die sie beschäftigen, vorzuschlagen.

„Wir waren schon immer an Politik interessiert“, sagt Abed. Der Elftklässler hat in der Schule Politik als Leistungskurs gewählt und könnte sich auch beruflich vorstellen, in diese Richtung zu gehen.

Abeds Posten als Vertreter des Stadtschülerrats war zuletzt zwei Jahre lang unbesetzt – weil es keinen aktiven Stadtschülerrat gab. Jetzt, nach der Neugründung, wird die Lücke geschlossen. Als Einzige haben die Chattos Interesse an den Posten im Ausschuss angemeldet, also wurden sie gewählt.

Die Aufgabe bedeutet Arbeit, das wissen die beiden. Abed nennt es Hausaufgaben. „Die Zeit dafür nehmen wir uns.“ Sie freuen sich sogar, ihre Freizeit sinnvoll nutzen zu können. „Wenn wir nicht solche Ämter übernehmen würden, würden wir wohl zu Hause sitzen und Konsole spielen, oder so.“

Ein Thema auf der Tagesordnung ihrer ersten Sitzung stößt bei den beiden Teenagern auf besonderes Interesse: Flüchtlinge. Und zwar aus ganz persönlichen Gründen.

Die Chatto-Brüder sind beide in Deutschland geboren, ihre Eltern kommen aber aus Syrien. Dort, wo heute Bürgerkrieg ist, haben sie immer noch Verwandte.

„Man lebt mit der Angst“, sagt Aamer. Er hat es schon erlebt, dass seine Familie bei Nachrichtensendungen weinend und zitternd vor dem Fernseher saß.

Abed und Aamer wollen sich zu diesem Thema stark machen, und sie wollen versuchen, Vorurteile abzubauen. „Man ist aber nicht nur mit den Syrern, sondern mit allen Flüchtlingen verbunden“, sagt Abed. Das Thema, „da interessieren wir uns wirklich für“.

Am Donnerstag wolle sich Aamer erst mal zurückhalten und alles auf sich zukommen lassen. Abed hingegen hätte kein Problem damit, direkt einzusteigen und sich zu Wort zu melden, wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt. Er weiß: „Dafür sind wir ja da.“

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