Ehrenamtliche Trauerbegleiterin Brigitte Klußmann vom Verein Agus berichtet im Pfarrzentrum in Twistringen über Suizid

Alle 53 Minuten nimmt sich ein Mensch in Deutschland das Leben

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Brigitte Klußmann stellte erschreckende Zahlen vor.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben, alle vier Minuten versucht es jemand. Erschreckende Zahlen, die Brigitte Klußmann vom Verein Angehörige um Suizid (Agus) im Pfarrzentrum vorstellte. Die ehrenamtliche Trauerbegleiterin war auf Einladung der Malteser Hospizgruppe in Twistringen.

„Jeder Mensch denkt mindestens einmal im Leben daran, sich das Leben zu nehmen“, meint Klußmann. Sie selbst fand als 17-Jährige ihre Mutter tot auf. Sie hatte sich das Leben genommen.

Die Gründe können vielfältig sein. Klußmann nannte psychologische Erkrankungen, Pubertät, Einsamkeit, Schulstress, Liebeskummer, schwere Erkrankungen oder Arbeitslosigkeit. „Es betrifft jede Schicht und jedes Alter, sogar Kinder.“

Für die Angehörigen sei plötzlich alles anders, das Leben nie mehr so, wie es vorher war. Es blieben jede Menge Fragen, die niemand beantworten könne. Vor allem, wenn kein Abschiedsbrief hinterlassen werde.

Suizid sei eine ganz bewusste Entscheidung, sei so gut wie nie eine Kurzschlusshandlung, ist Klußmann überzeugt. Die meisten Freitode würden von der Generation 60plus begangen, wobei der Anteil der Männer bei 75 Prozent liege. Aber auch immer mehr Kinder und Jugendliche wählen den Freitod. Für die meisten sei es ein langer Weg. Eine Schuld könne es nicht geben, betonte Klußmann. „Man muss einfach versuchen, zu verstehen, dass dies der freie Wille des Verstorbenen war.“

Wohl aber gebe es Warnsignale, wenn jemand beispielsweise sage, er habe keine Lust mehr zu leben oder sich plötzlich intensiv mit dem Thema Selbstmord befasse.

„Etwa eine Woche vor dem Suizid ist dann plötzlich alles anders. Das Denken ist bei diesen Menschen ausgeschaltet, sie reagieren nur noch emotional. Sie wollen es nur noch durchziehen.“ Sogar für Ärzte sei dies schwer zu erkennen. Klußmann: „Die Betroffenen wiegen ihre Angehörigen und Freunde in Sicherheit. Die Ruhe vor dem Sturm, sie sind auf einmal gut drauf, denn sie sind erleichtert, eine Entscheidung getroffen zu haben.“

Der stellvertretende Stadtbrandmeister Klaus Krebs berichtete, wie die Feuerwehrleute mit dem Thema umgehen, wenn sie zu solchen Einsätzen gerufen werden. „Es ist eine traumatische Erfahrung“, so Krebs. Man setze sich danach sofort zusammen und bespreche das Gesehene. Jüngere an diese Einsätze heranzuführen sei schwer. Gleichzeitig achte das Stadtkommando darauf, dass jemand, der an seine Grenzen stößt, beim nächsten Mal zu Hause bleibt.

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