25 Flächenfeuer seit Jahresbeginn

Brandgefährliche Ernte im Landkreis Diepholz  

+
Feuer auf dem Getreidefeld: Einsatzkräfte löschen die Flammen auf einem Acker in Stapelshorn (Bruchhausen-Vilsen). Laut Feuerwehr hatte ein technischer Defekt in einer Quaderballenpresse den Brand ausgelöst. 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Es sind extreme Bedingungen, unter denen Landwirte zurzeit ihre Gerste ernten müssen. Temperaturen bis zu 30 Grad im Schatten und die enorme Trockenheit bringen buchstäblich brandgefährliche Bedingungen mit sich.

Der Beweis: Erst am Sonntag haben zwei große Flächenbrände in Stapelshorn (Samtgemeinde Bruchhausen Vilsen) und Beppen (Samtgemeinde Thedinghausen) rund 180 Feuerwehrkräfte in Atem gehalten – und weit mehr als zehn Hektar Stoppel- und Getreidefläche vernichtet.

Allein 100 Feuerwehrkräfte – darunter auch aus dem Landkreis Diepholz – waren in Beppen direkt an der Grenze zu Schwarme im Einsatz. „Die Rauchwolke haben wir sogar hier in Sudwalde gesehen“, so Matthias Thom als Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Diepholz, die dort zurzeit das landesweit größte Jugendfeuerwehrzeltlager aufgeschlagen hat. Doch der Alarm, mit dem die Einsatzkräfte dort sofort gerechnet hatten, kam nicht.

Stellvertretender Kreisbrandmeister Hartmut Specht stellte fest, dass der Brandort im Landkreis Verden liegt – nicht ahnend, nur wenige Minuten später zu einem Flächenbrand bei Erntearbeiten im Landkreis Diepholz ausrücken zu müssen: ins knapp 15 Kilometer von Beppen entfernte Stapelshorn. Seine Erfahrung vor Ort: „Es ist erschreckend, wie schnell sich das Feuer auf dieser großen Fläche ausgebreitet hat.“ Wind spielte dabei eine Rolle.

Bruchhausen-Vilsens Feuerwehr-Pressesprecher Detlef Wessels beschreibt die Dynamik so: „Wegen der enormen Trockenheit griffen die Flammen schnell auf das gedroschene Stroh, das abgeerntete Stoppelfeld und die bereits gepressten Strohballen über.“ Rund 80 Einsatzkräfte aus Bruchhausen-Vilsen, Asendorf, Engeln, Uenzen, Martfeld und Schwarme sowie aus Bücken und Hoya (Landkreis Nienburg) waren im Löscheinsatz.

Es fehlt massiv an Wasser

20 Stunden später sitzt Kreislandwirt Wilken Hartje in Syke-Heiligenfelde auf dem Mähdrescher – und erntet Gerste. „Es fehlt massiv an Wasser“, sagt der Kreislandwirt – und berichtet von mageren Erträgen auf sandigen Böden. 

Zwischen 30 und 50 Prozent weniger Gerste als unter normalen Bedingungen würden an manchen Stellen geerntet. Dass laut Wetterprognose auch in den kommenden zwei Wochen kein Regen fallen soll, stimmt den Kreislandwirt nachdenklich. Denn Feldfrüchte wie Mais, Kartoffeln und auch Rüben brauchen dringend Wasser.

Auf den regional unterschiedlichen Böden löst die Trockenheit unterschiedliche Folgen aus. Die besten Böden liegen, so Hartje, im Bereich zwischen Syke und Asendorf, Weseloh, Affinghausen und Sudwalde oder Borwede, Mörsen und Marhorst. Südlich davon – also im Bereich Drentwede – gebe es schon Sandböden, wie sie im Südkreis ohnehin vorherrschend seien.

Feuerlöscher immer griffbereit 

„Die extreme Trockenheit brachte die Pflanzen vielerorts dazu, in die Notreife zu gehen“, so Stefan Meyer als Pressesprecher des Landvolks Diepholz. „Das bedeutet, dass die Pflanze ihre letzte Energie in die Ausbildung von Körnern legt und dann abstirbt. Dabei werden gewöhnlich deutlich weniger Körner ausgebildet als unter besseren Bedingungen.“

Der Roggen komme am besten mit der Trockenheit klar, so Wilken Hartje. Er hat sich mit der Wetter-Historie befasst: „1959 hat es von Ostern bis Oktober nicht geregnet.“ Auch 1992 sei ein extrem trockenes Jahr gewesen.

Zurück zur Ernte 2018. Eines ist zurzeit auf allen Gerstenfeldern geboten: extreme Vorsicht. Wilken Hartje hat neben dem Feuerlöscher immer bis zu 20 Liter Wasser auf dem Mähdrescher griffbereit. Denn unter extremen Bedingungen kann sich selbst Staub entzünden: „Es kann immer mal ein Lager heißlaufen.“ Die Erntemaschinen müssten nach ihrem Einsatz sorgfältig gereinigt werden, nennt der Kreislandwirt eine wichtige Vorsichtsmaßnahme.

Flächenbrände gehören zum Tagesgeschäft

„Dann können sich Erntereste und Hydrauliköl auch nicht entzünden“, formuliert es Matthias Thom als Pressesprecher der Kreisfeuerwehr. Deren Einsatzkräfte müssen immer wieder zu Flächenbränden ausrücken. „Das ist Tagesgeschäft“, sagt Thom – und berichtet genauso über die Unterstützung der Landwirte, die mit Wasser gefüllten Güllefässern schnell vor Ort seien und mit Grubbern Schneisen in den Boden ziehen würden, damit sich das Feuer nicht weiter verbreiten kann. In jedem Fall sollten die Landwirte aber zunächst den Löschkräften das Feld überlassen, wenn es brennt: „Sie sollten so schnell wie möglich die Feuerwehr alarmieren.“

Seit Jahresbeginn hat die Einsatz- und Rettungsleitstelle in Diepholz 25 solcher Flächenbrände in unterschiedlichem Ausmaß registriert, so Klaus Speckmann als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Bevölkerungsschutz, „die meisten davon im zweiten Quartal“.

Und wer zahlt, wenn es aller Vorsicht zum Trotz doch zu einem Flächenbrand auf dem Getreidefeld kommen sollte? „Das ist über die Feuerschutzversicherung mit abgedeckt“, so Hartje.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Regierung macht Autobahnbetreiber für Unglück verantwortlich

Regierung macht Autobahnbetreiber für Unglück verantwortlich

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Essen für Kinder selbst gemacht

Essen für Kinder selbst gemacht

Meistgelesene Artikel

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

57-Jähriger stirbt bei Frontal-Crash auf Dreyer Südumgehung

57-Jähriger stirbt bei Frontal-Crash auf Dreyer Südumgehung

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

Kommentare