600.000 Euro Schaden

Mega-Einsatz in Mörsen: Strohballen-Brand hält 200 Feuerwehrkräfte auf Trab

Großbrand an der Padlandstraße in Mörsen. Die Feuerwehren sind rund um die Uhr im Einsatz. 
Fotos: Feuerwehr
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Großbrand an der Padlandstraße in Mörsen. Die Feuerwehren sind rund um die Uhr im Einsatz.

Mörsen – Sirenen schrecken am Freitagabend gegen 18.30  Uhr die Bevölkerung auf: An der Padlandstraße in Mörsen brennt eine mit bis zu 800 großen Quaderballen aus Stroh gefüllte Halle. Zu dem Zeitpunkt ahnt noch niemand das Ausmaß. Bis zum nächsten Abend werden mehr als 200 Feuerwehrkräfte und Aktive des Technischen Hilfswerks (THW) und des DRK im Einsatz sein.

Strohballen-Brand in Mörsen: Lagerhalle ist jetzt ein Fall für die Abrissbirne - 600.000 Euro Schaden

Die Polizei beziffert den Schaden am Sonntagabend mit rund 600.000 Euro. Die 40 mal 15  Meter große, voll verzinkte Stahlbauhalle ist jetzt ein Fall für die Abrissbirne. „Totalschaden“, heißt es von der Polizeiinspektion in Diepholz. Man werde in alle Richtungen ermitteln. Einen möglichen Tatverdacht gebe es gegen einen 41-Jährigen aus Stade. Gegen ihn wird ebenfalls wegen Brandstiftung in zwei Fällen in der vergangenen Woche in Bassum (wir berichteten) ermittelt.

Am Freitagabend nun Großalarm auf Twistringer Stadtgebiet. Und erstmalig nutzt die Twistringer Feuerwehr auch als erste im Landkreis die vor Tagen erst freigeschaltete Bundes-WarnApp Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App). Damit werden die Einwohner aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. „Riesige Rauchschwaden wabern wie eine Nebelwand über der Stadt“, wird Feuerwehrsprecher Jens Meyer später berichten.

Die Einsatzleitung hat Twistringens Ortsbrandmeister und Vize-Stadtbrandmeister Klaus Krebs. Die Leitstelle Diepholz löst Großalarm für alle Feuerwehren in Twistringen aus, weil sie auf Luftbildern das Ausmaß des Brandes gesehen hat. Daneben rücken das THW, der Rettungsdienst und die Polizei an.

Strohballen-Brand in Mörsen: 4.000 Liter Wasser pro Minute sind nötig, um Feuer in der Halle zu löschen

„Beim Eintreffen der ersten Kräfte war die Halle schon nicht mehr zu retten. Die Rauchsäule war weithin sichtbar“, so Meyer. Um ausreichend Löschwasser zu haben, zapft die Feuerwehr nicht nur zwei Hydranten und einen Brunnen an, sondern verlegt auch fast 2,7 Kilometer Schlauchmaterial. Sämtliche Pumpen aus den Einsatzfahrzeugen sind nötig, um genug Druck aufzubauen. Ein angrenzendes Stallgebäude muss geschützt werden. Einsatzleiter Krebs lässt bis zu 4.000 Liter Wasser pro Minute von oben in die Halle pumpen, mit Strahlrohren, Wasserwerfer und Wenderohr vom Korb der Drehleiter. In das Löschwasser kommt ein Schaummittelkonzentrat, um laut Feuerwehr ein sogenanntes „entspanntes Wasser“ zu erzeugen, das tief in die Strohballen eindringen kann.

Das THW setzt zwei Radlader ein und befördert das brennende Stroh aus der Stahlhalle auf ein angrenzendes Getreidefeld. Dort wird es abgelöscht. Zuvor wird die Hallenwand an mehreren Stellen eingerissen. Die DRK Bereitschaft Twistringen löst den Rettungsdienst aus Drentwede ab, übernimmt den Sanitätsdienst und versorgt die Einsatzkräfte bis in die Nacht hinein.

„Es war absehbar, dass der Einsatz bis mindestens in den späten Samstagnachmittag hinein andauern würde. Das Abtragen der Quaderballen mittels Radlader ist sehr zeitaufwendig“, erklärt später Jens Meyer. Die Halle sei äußerst stabil. Die Kräfte der Twistringer schwinden nach mehr als acht Stunden, das unter schwerem Atemschutz.

Strohballen-Brand in Mörsen: Sonntag entzündete sich das Stroh erneut - Nachlöscharbeiten waren nötig

Nach Rücksprache mit Kreisbrandmeister Michael Wessels rücken Feuerwehren aus der Samtgemeinde Schwaförden zur Ablösung an. Die Ortsfeuerwehren Stocksdorf, Wesenstedt, Schmalförden und Schweringhausen (30 Kräfte) werden gegen 1.45 Uhr alarmiert. Die FTZ Barrien und Wehr-bleck sorgen noch in der Nacht für Nachschubmaterial – Schläuche, Filter, Atemschutzmasken. Die DRK Bereitschaft Twistringen wird von den Kollegen aus Bassum abgelöst, und das THW Bassum durch Kräfte aus Bremen, da ausgebildete Radlader-Fahrer nötig sind. Später wird ein dritter Radlader von der Bundesschule in Hoya angefordert. Drei zusätzliche Kräfte werden aus Quakenbrück hinzugezogen.

Am Samstagmorgen riegelt der städtische Bauhof die Wege rund um die Brandstelle weiträumig ab. Gegen 11  Uhr übernehmen die Twistringer Ortsfeuerwehren wieder die Einsatzstelle. Das DRK aus Siedenburg hilft bei der Mittagsverpflegung. Am Nachmittag bauen Landwirte zwei Feld-Beregnungsanlagen auf, um ein Wiederaufflammen des Feuers auf dem Feld zu verhindern. Am Abend fährt die Einsatzleitung die Zahl der Kräfte deutlich zurück. Die Ortsfeuerwehr Natenstedt übernimmt die Brandwache bis zum Sonntagmorgen. Gegen 15 Uhr wird die Twistringer Feuerwehr erneut alarmiert. Für Nachlöscharbeiten. Da hat sich noch mal Stroh entzündet.

Wegen der starken Rauchentwicklung sind Axel Vetter (Leiter Rettungsdienst DRK) und Kreisfeuerwehrarzt Andreas Callies angefordert worden, so die Feuerwehr. Gemeinsam mit den Kräften des DRK untersuchen Vetter und Callies stündlich die Einsatzkräfte auf mögliche Rauchvergiftungen. Laut Jens Meyer werden keine bedenklichen Werte festgestellt. Es gibt zum Glück auch keine Verletzten. „Die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte aus den verschiedenen Organisationen und Ortsfeuerwehren war hervorragend“, lobt Pressesprecher Meyer. Auch in Rotenburg brannten am Wochenende Strohballen.

Von Theo Wilke

Schwieriges Löschen im „Nebel“ unter Atemschutz.
Das THW befördert Strohballen aufs Getreidefeld.

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