Unterschriftensammlung

Borweder gegen Borwede: Anwohner kritisieren geplanten Standort für Zentralklinik

Sind richtig sauer: Thomas Tegge (vorne) und Uwe Müller in Borwede zeigen auf die vorgeschlagene Fläche für die neue Zentralklinik. Foto: Theo Wilke
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Sind richtig sauer: Thomas Tegge (vorne) und Uwe Müller in Borwede zeigen auf die vorgeschlagene Fläche für die neue Zentralklinik.
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Borwede – „Ich kann nicht verstehen, dass man in Borwede einfach so ein Zentralkrankenhaus mitten in die Natur, auf die grüne Wiese, bauen darf – wo sich auch Rehe, Hasen und Kiebitze aufhalten?“, schimpft Thomas Tegge. Der 60-Jährige ist richtig sauer, seit das Ergebnis der Standortsuche für die Zentralklinik des Landkreises Diepholz vorliegt. Am kommenden Montag soll der Kreistag eine Entscheidung treffen – höchstwahrscheinlich für Borwede mit 11,5 Hektar, direkt an der B 51. Borwede liegt im Ranking knapp vor Mörsen und Sulingen.

Landrat Cord Bockhop, das Kreisbauamt, die Kreistagsfraktionen und weitere beteiligte Behörden bekommen die Tage Post aus Borwede, einen Brief mit den Argumenten der Gegner. Im direkten Umfeld der vorgeschlagenen Fläche hat Thomas Tegge bereits gut ein Dutzend Unterschriften von Anwohnern gesammelt. „Eine Ärztin aus Bassum hat mir gesagt, sie würde auch sofort unterschreiben“, berichtet der Zahntechnikermeister. Von Landwirten erfährt Tegge, dass sie Angst hätten und gar nicht glücklich wären über eine Zentralklinik in der Nähe.

Für die Gegner stellt sich die Frage, wie sich ein solches Großbauprojekt auf die Existenz, die Zukunft und die Weiterentwicklung der Landwirtschaft – besonders unter Tierwohl-Bedingungen – auswirken würde. Da werden erhebliche Beschränkungen befürchtet. Aber Geruchsbelästigungen seien bei offenen Viehställen nicht zu verhindern. Daneben werde im Frühjahr und Herbst Gülle ausgebracht, heißt es weiter.

Tegge: Zentralklinik ja, aber an einem anderen Ort

Die rund 270 Meter entfernte Bahnstrecke sorge besonders bei Ostwind für Lärm-Emissionen. Bekannt ist, dass täglich rund 100 Züge auf der Strecke Bremen-Osnabrück verkehren. Hinzu kommen im Bereich der B 51 laut Kreisbehörde durchschnittlich fast 660 Schwerlaster innerhalb von 24 Stunden.

„Ich habe nichts gegen die Zentralklinik, auch nicht an anderer Stelle in Twistringen“, betont Thomas Tegge, dessen Hof mit kleineren, verpachteten Flächen nur einen Steinwurf entfernt vom möglichen Klinikstandort liegt. So sieht das auch sein Mieter Uwe Müller, der sich ebenfalls für Natur und Umwelt, quasi vor der Haustür, einsetzt.

Was nach Meinung Tegges besonders gegen Borwede spricht: „Zwei Millionen Euro Erschließungskosten mehr gegenüber Sulingen – acht Millionen Euro Zusatzkosten in einem Jahr, wenn nicht gleich gebaut werden kann.“ Außerdem: Es sei kein öffentlicher Nahverkehr vorhanden, aber „guter Ackerboden mit besten Bodenwerten wird vermarktet“. Der 60-Jährige, der die Verkehrsanbindung von Sulingen nach Borwede als schlecht bewerte, hat sich beim Landvolk erkundigt. Und die Gegner fürchten nach dem Bau der Zentralklinik auch eine weitere Bebauung im Umfeld.

Heiligenlohs Ortsbürgermeisterin Anke Borchers hat solche Bedenken nicht, wie sie am Donnerstag am Rande äußerte. Der gesamte Twistringer Stadtrat habe sich für die Bewerbung und die Standortangebote für die Zentralklinik ausgesprochen. Das neue Klinikum müsse unbedingt nach Borwede.

Erstaunen über Reaktion der Grünen zu Zentralklinikum

Erstaunt hat Thomas Tegge ein bisschen, dass sogar die Bündnisgrünen im Rat ihm auf Anfrage geäußert hätten, sie würden zu der Entscheidung stehen. Das sei gut für Twistringen. Obwohl, so der Anwohner, es in Borwede um die mögliche Zerstörung von Natur und Umwelt gehe. Wenn Twistringen am Ende den Zuschlag für Borwede bekommen sollte, rechnet er bereits mit einigen Klagen: „Ich sehe, was kommt.“

Sulingen kämpft ebenfalls um die Zentralklinik, obwohl oder gerade weil sich für die Kreistagssitzung am Montag offenbar eine breite Zustimmung für Twistringen abzeichnet.

Grundstücksgröße und Zuschnitt sind für Borwede und Sulingen gleich hoch bewertet. Bei Einzugsgebiet, Patientenwanderung und Landkreis-Abdeckung liegt Borwede deutlich vorn, dagegen Sulingen bei den Beschaffungskosten für ihr Grundstück im Gewerbegebiet.

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