Am Wochenende geht‘s los

Sternsingen: Ist die Schminke noch zeitgemäß oder rassistisch?

2020 konnten die Sternsinger in Twistringen zum letzten Mal losziehen. Am Wochenende ist es endlich wieder so weit – dann allerdings ohne Schminke. Archivbild: Nölker
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2020 konnten die Sternsinger in Twistringen zum letzten Mal losziehen. Am Wochenende ist es endlich wieder so weit – dann allerdings ohne Schminke.

Am Wochenende sind die Sternsinger in Twistringen unterwegs. Dieses Mal ohne Schminke. Das hängt mit Corona zusammen. Angesichts der Debatte um schwarz bemalte Gesichter ist es aber wahrscheinlich, dass die Schminke auch nach der Pandemie wegbleibt.

Twistringen – Ist es in Ordnung, Sternsinger schwarz zu schminken oder handelt es sich dabei um sogenanntes Blackfacing, das rassistische Vorurteile schürt? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Manche finden es nicht mehr zeitgemäß und sprechen von Rassismus. Andere wiederum sind der Meinung, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit den Sternsingern völlig fehl am Platz ist und sehen die Verkleidung als Ausdruck kultureller Vielfalt.

Ein Thema, viele Meinungen. Fest steht: Die Sternsinger in Twistringen sollen am Wochenende ungeschminkt losziehen, um den Segen zu den Häusern zu bringen und Spenden zu sammeln. Laut Anke Lührsen vom Organisationsteam hat das zunächst einmal mit Corona zu tun – die Kinder würden eh eine Maske tragen, hinzu komme der fehlende Abstand beim Schminken. „Wir werden vermutlich aber auch nach Corona auf das Schminken verzichten“, führt Lührsen aus. Damit würden sie einer Empfehlung des Kindermissionswerkes folgen.

Gleichung von Hauptfarbe und Herkunft geht laut Kindermissionswerk nicht auf

Das schreibt auf seiner Internetseite: „Seit dem frühen Mittelalter war es üblich, dass Caspar, Melchior und Balthasar die drei Lebensalter und die damals bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien repräsentieren. Dem lag der Gedanke zugrunde, dass Gott für alle Menschen Mensch geworden ist.“ Mittlerweile wisse man: Die Gleichung von Hautfarbe und Herkunft gehe nicht auf. „Wenn ein Mensch schwarz ist, bedeutet das eben nicht automatisch, dass er aus Afrika kommt.“

Zudem würden schwarz geschminkte Gesichter an diskriminierende Unterhaltungsshows erinnern, die insbesondere in den Vereinigten Staaten zwischen 1840 und 1870 populär waren: Weiße Menschen haben sich damals dunkel angemalt, um schwarze Menschen auf erniedrigende Art und Weise zu karikieren.

Jeder soll so zum Sternsingen kommen, wie er ist

Weiter erklärt das Kindermissionswerk: „Schwarze Menschen haben uns davon berichtet, wie sie es erleben, wenn weiße Menschen sich schwarz schminken – zum Beispiel beim Sternsingen. Im Nachdenken, Zuhören und Diskutieren sind wir zu einem klaren Ergebnis gekommen: Wir sprechen uns dafür aus, die Kinder und Jugendlichen, die beim Sternsingen mitmachen, nicht zu schminken.“ Jeder solle so kommen, wie er ist.

„Dem werden wir uns wahrscheinlich anschließen“, sagt Lührsen. Letztlich komme es bei der Aktion auch nicht darauf an, ob man geschminkt ist. Viele Kinder hätten zuletzt ohnehin keine Schminke mehr gewollt.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Dieses Jahr haben sich 27 Gruppen angemeldet, sonst waren es mehr als 40. Ob dieser Einbruch an Corona liegt, werden die kommenden Jahren zeigen.

Im vergangenen Jahr waren die Sternsinger angesichts der Pandemie nicht unterwegs.

Mit Abstand und Vorsicht

Die Sternsinger gehen am Samstag ab 14.30 Uhr im Twistringer Stadtkern umher und machen am Sonntag ab 14.30 Uhr in den Ortschaften weiter. Coronabedingt läuft in diesem Jahr einiges anders. Die Kinder bleiben vor den Türen stehen und gehen nicht in die Häuser. Sie singen nicht, sondern sagen nur den Text auf. Außerdem tragen sie eine Maske – Wunsch der Organisatoren ist, dass die Besuchten das auch tun. Die Kinder halten die Spendendose nicht selber. Das übernehmen die Gruppenleiter, um eine möglichst kontaktfreie Übergabe zu ermöglichen. Wem es lieber ist, den Segen komplett ohne persönlichen Kontakt zu erhalten, der kann einen Hinweiszettel schreiben und an die Tür kleben. Bei den Gottesdiensten wird jeweils nur eine Sternsinger-Gruppe dabei sein.

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