Bewegender Abschied für Gymnasiumleiter Martin Lütjen nach 40 Jahren im Schuldienst / „Wie ein Vater“

„Applaus, Applaus für deine Taten“

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Sitzprobe auf der Bank, Geschenk des Kollegiums für Martin und Ingrid Lütjen sowie Michael Schläger (v.r.).

Twistringen - Von Theo Wilke. Einige Tränen kullern, Martin Lütjen ist tief bewegt. Mehr als 180 Gästen ruft er mit stockender Stimme zu: „Hallo Freunde. Es wird Zeit für mich zu gehn.“ Der Oberstudiendirektor am Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasium erlebt am Freitag ein Wechselbad der Gefühle bei seinem Abschied – nach 40 Jahren im Schuldienst, nach zehn Jahren als viel gelobter Schulleiter und Mitbegründer.

Altbürgermeister Karl Meyer aus Marhorst bringt mit seiner Pferdekutsche Ingrid und Martin Lütjen zum Gymnasium, wo die beiden frenetisch empfangen werden.

Vize-Schulleiter Michael Schläger begrüßt Vertreter und Weggefährten aus Politik, Verwaltung, Schule, Wirtschaft und Kirche. Dr.Winfried Verburg, Leiter des Schulbereichs im Bistum Osnabrück, unterstreicht, der Naturwissenschaftler, Biologie- und Chemielehrer Lütjen sei Vorbild für viele junge Menschen gewesen. Grundmaxime seines Handelns sei stets der Satz von Ernst Häckel gewesen: „Das Staunen über die Schönheit und Vielfalt der Natur ist eine Tür zu vielen Wundern und Menschen“. Verburg: „Sie waren ein Segen für das Gymnasium.“

Landrat Cord Bockhop stellt Martin Lütjen ebenfalls als Vorbild heraus, der im Team alle mit- und die Verantwortung übernommen habe. Für Bürgermeister Martin Schlake ist Lütjen ein wichtiger Baustein zur Entwicklung des Gymnasiums.

Ein nachdenklicher, aber auch gut gelaunter und geschätzter Kollege sei der Twistringer gewesen, sagt Karl Große Kracht für die AG der Leiter an katholischen Gymnasien in Niedersachsen. Darauf, dass Lütjen ein Alleinstellungsmerkmal als Gründungsdirektor habe, sei man auch schon mal neidisch. Für Stefan Stuckmann vom Lehrer-Studienseminar Oldenburg hat Motivator Lütjen „diese Schule mit viel Leidenschaft geführt“.

Nach dem Oberstufenchor („When I'm 64“ von den Beatles) betont Michael Schläger unter anderem, dass Martin Lütjen als evangelischer Christ der katholischen Welt mit großer Offenheit begegnet sei. Kollege Axel Meyer erinnert sich, bei Lütjen in der Fledermaus-AG gewesen zu sein.

Schülersprecherin Sandra Mbyeya fällt der Abschied sichtlich schwer: „Herr Lütjen war wie ein Vater, der sich um seine Kinder kümmerte“, der Schülern eigene AGs anvertraut habe. „Wir hatten das Recht, den Schulalltag mitzugestalten.“ Danach grüßen ehemalige Schüler von der Leinwand. Ein umgetextetes Lied „Applaus, Applaus für deine Taten...“ (frei nach Sportfreunde Stiller) tönt aus den Lautsprechern, aus 500 Schülerkehlen, die am Vortag im Forum gesungen haben.

Fast drei Stunden dauert der Festakt mit noch mehr Rednern, Musik und vielen Geschenken. Schließlich überreicht Dr. Christian Stock von der Landesschulbehörde die Entlassungsurkunde an Martin Lütjen, verbunden mit besten Wünschen für den Pensionär.

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