Bernd Ulrich Hucker präsentiert erste Zwischenergebnisse zum Forschungsprojekt Arkeburg / Viele Fragen sind noch ungeklärt

Gesucht: Mitstreiter beim Lösen historischer Rätsel

Professor Bernd Ulrich Hucker mit dem neuen regionalen Geschichtsbuch.
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Professor Bernd Ulrich Hucker mit dem neuen regionalen Geschichtsbuch.

Rüssen/Goldenstedt - Von Julia Kreykenbohm. Es muss ein gewaltiges Bild gewesen sein: Rund 4 000 Menschen laufen geschäftig hin und her, schleppen Erde, Lehm und Flechtwerk und errichten damit eine Burg. Viel Zeit dafür dürfen sie sich nicht lassen, denn es herrscht Krieg im 8. Jahrhundert. Die Franken drängen in das Land und wollen die aufständischen Sachsen, die unter ihrem Anführer Herzog Widukind immer wieder erbitterten Widerstand leisten, endlich zur Räson bringen. Auch in der Gemeinde Goldenstedt. Die Burg soll also nicht als Erholungsort für einen wohlhabenen Grafen dienen, sondern einzig und allein militärischen Zwecken. „Hertekenborch“ wird ihr Name sein. Übersetzt heißt das soviel wie „Burg (mit dem) Heerzeichen“. Im Laufe der Jahrhunderte wird der Name immer weiter abgeändert, bis das Bauwerk irgendwann nur noch Arkeburg genannt wird.

All diese Informationen haben der Professor Bernd Ulrich Hucker, der Arbeitskreis Arkeburg und ein Team der Universität Hamburg bereits zusammengetragen. Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich der Historiker bereits mit der „größten Ringwallanlage Norddeutschlands“. Die Ergebnisse können alle Interessierten nun in einem Buch nachlesen. Der Titel lautet „Eine Burg im Moor – die Arkeburg“. Es soll zum einen ein Zwischenbericht sein. Zum anderen hofft Hucker, mit dem Buch auch neue Mitstreiter zu gewinnen, die sich an dem Projekt beteiligen.

Bisher bilden er und Initiator Heinz von Döllen aus Diepholz die treibende Kraft (wir berichteten). Das kann schon manchmal hart sein, besonders wenn es gilt, bürokratische Hürden zu nehmen. „Es wäre toll, wenn sich mehr Menschen – gern auch von der politischen Ebene – für die Arkeburg begeistern könnten“, sagt Hucker.

Denn obwohl im vergangenen Jahr ein Team aus Archäologen auf der Ringwallanlage gegraben hat und bereits viele Quellen gesichtet wurden, ranken sich um die Burg nach wie vor zahllose Geheimnisse, die es zu lüften gilt. Eine der wichtigsten lautet: Wer ist der Bauherr? Ein Sachse oder ein Franke? „Die Burg hat fünf Ecken, das ist fränkischer Baustil, denn die Sachsen bauen rund“, weiß Hucker. Außerdem liegt es nahe, dass nur Karl der Große in der Lage war, derart viele Menschen dorthin zu bringen, zumal die Arbeiter auch mit Frauen und Kindern kamen.

Doch es gibt noch einen Mann, der mächtig genug gewesen wäre, ein solches Bauvorhaben umzusetzen und das ist Herzog Widukind, der 30 Jahre lang dem Frankenkönig die Stirn bot, bevor er schließlich doch kapitulierte. „In diesem Fall hätte Widukind die Burg errichten lassen und die Franken haben sie später erobert und umgebaut“, so Hucker.

Doch nicht nur die Burg, auch die „Goldene Brücke“, die rund fünf Kilometer weiter über die Hunte führt, hat der Historiker ins Visier genommen. „Wir wissen nicht, wann sie genau erbaut wurde, aber es ist denkbar, dass die Bewohner der Arkeburg sie in Schuss halten sollten.“ Der Brücke ist in dem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet.

Als einen Wunsch für das nächste Jahr hat Hucker, dass sich noch ein paar weitere Geschichtsfreunde finden, die das Projekt Arkeburg unterstützen und sich mit kreativen Ideen einbringen. Pläne, was man alles tun kann, um die Ringwallanlage in das Bewusstsein der Menschen zurückzubringen, hat er genug. „Denkbar wären Freilichtspiele oder ein Miniatur-Modell der Burg. Die Anlage soll begehbar werden und vielleicht könnte man auch einen fiktiven Dialog zwischen Widukind und Karl dem Großen entwerfen, um die Vergangenheit lebendig zu machen“, träumt Hucker.

Das Buch „Eine Burg im Moor – Die Arkeburg“ ist ab sofort im Handel erhältlich. ISBN 978-3-943025-25-5

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