Neue Ausstellung im Strohmuseum

Häuslinge im Landkreis Diepholz: Vom Bauern sehr abhängig – aber rechtlich frei

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Halten eine der insgesamt 67 Ausstellungstafeln im Strohmuseum in Händen (v.l.): Alfred Meyer, Heinz Brinkmann und Historiker Ralf Weber vom Syker Kreismuseum. 

Twistringen - Von Theo Wilke. Es fehlte 1938 schlichtweg das Geld, und der Traum vom eigenen Heim ging nicht gleich in Erfüllung: Was blieb Heinrich Knabe und seiner Frau Paula, die bald eine eigene Familie gründen wollten, anderes übrig als zu Häuslingen zu werden und sich bei Halbmeier Schmidt anzusiedeln.

Wie den Knabes, die zwischen 1941 und 1965 immerhin 13  Kindern das Leben schenkten, erging es vielen Familien. Einblicke in die Lebensumstände der Häuslinge vermittelt ab Sonntag eine neue Ausstellung im Twistringer Museum der Strohverarbeitung. Der Titel: „Häuslingswesen im heutigen Landkreis Diepholz“. Die Sonderausstellung des Syker Kreismuseums macht vom 4.  bis zum 25. November Station in Twistringen. Die Vernissage ist für Sonntag um 14  Uhr vorgesehen.

Neben dem Vereinsvorsitzenden Heinz Brinkmann werden auch der Historiker Ralf Weber und Klaus-Dieter Lösche, 1. Vorsitzender des Kreisheimatbundes, die Besucher begrüßen. Die umfangreiche Sammlung mit dem Schwerpunkt der Region rund um Twistringen und Bassum, die neben Fotos auch Texte, Forschungsergebnisse und Schlagthemen enthält, wird im Obergeschoss des Strohmuseums präsentiert.

Vom 17. Jahrhundert bis in die 1960er-Jahre hinein seien die Häuslinge ein wichtiger Bestandteil der ländlichen Gesellschaft im heutigen Landkreis Diepholz, von der Gemeinde Stuhr über Twistringen bis hin zur Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, gewesen, so Historiker Ralf Weber. „Sie besaßen weder Haus noch Ackerland, sondern bekamen dies von den Bauern gegen Abgaben und eine Arbeitsverpflichtung zur Verfügung gestellt“, heißt es. 

Häuslinge besaßen weder ein eigenes Haus noch Ackerland. Sie waren von den Bauern abhängig. 

Die Häuslinge befanden sich in einer großen Abhängigkeit zum Bauern, obwohl sie rechtlich frei waren. Oft reichten ihre landwirtschaftlichen Erträge nicht aus, um die Existenz ihrer Familien zu sichern. Daher brauchte es einen Nebenerwerb.

Beispielsweise waren viele Twistringer Häuslinge in der Strohverarbeitung tätig. Auch trieb es im 18. Jahrhundert Häuslinge aus Mörsen zur Saisonarbeit in die Provinz Süd–Holland. Weber: „In Holland wurden Landarbeiter benötigt, für Deicharbeiten, zum Grasmähen und Torfstechen. „Mit der Sense auf dem Rücken“ seien die Hollandgänger losgezogen, so Heinz Brinkmann.

Der Kreisheimatbund hat sich der Geschichte dieser besonderen Landarbeiterschicht angenommen. Heimatforscher, Archivare und interessierte Personen recherchierten Archivquellen, sichteten Häuslingsverträge, sammelten Fotos und führten Zeitzeugeninterviews. Weber führte alle Informationen und Erkenntnisse zusammen. Die Ausstellung gewährt einen tiefen Einblick in das Leben der Häuslingsfamilien.

An den Wochenenden sind im Strohmuseum auch die Fossilienausstellung und der Ausstellungsbereich des Strohmuseums geöffnet. Sonntags werden Kaffee und Kuchen auf der Diele angeboten. Zur Ausstellung gibt es ein reich bebildertes Buch von Ralf Weber für 26 Euro.

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