Querschnittgelähmter am Bahnhof ausgebremst

Kaputter Fahrstuhl: „Die Bahn interessiert das einen Dreck“

Dieses Schild klebte für Julius Dauskardt schon viel zu lange am Fahrstuhl zum Twistringer Mittelbahnsteig. - Fotos: Michael Walter

Twistringen - Von Michael Walter. „Ich beschwere mich schon gar nicht mehr“, sagt Julius Dauskardt frustriert. „Das geht ohnehin nur zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.“ Ärgern tut er sich trotzdem. Konkret: über einen seit Wochen defekten Fahrstuhl am Twistringer Bahnhof, der ihm das Leben schwer macht.

Julius Dauskardt ist querschnittgelähmt. Seit einem Arbeitsunfall vor sechs Jahren ist der 60-Jährige an den Rollstuhl gefesselt. Unterwegs ist er trotzdem häufig. Um die 10.000 Kilometer legt er pro Jahr mit seinem Hand-Bike zurück, und für weitere Strecken nimmt er die Bahn. Wenn die ihn denn lässt.

„Ich wohne in Colnrade und muss zwei-, dreimal die Woche in Richtung Bremen und Cuxhaven“, erzählt er. „Twistringen ist für mich mein Heimatbahnhof.“ Die Probleme gehen für ihn nicht erst bei der Rückkehr los: Auch in Richtung Bremen halten viele Züge grundsätzlich am mittleren Bahnsteig. Dauskardt muss also vom Hauptbahnsteig mit dem Fahrstuhl in den Tunnel fahren, dort die Gleise unterqueren und mit dem zweiten Lift wieder nach oben auf den Mittelbahnsteig fahren. Doch der ist außer Betrieb.

Bis hierhin kommt Julius Dauskardt noch ohne Probleme, aber nicht viel weiter: Das Gegenstück zu diesem Fahrstuhl auf dem mittleren Bahnsteig war monatelang defekt.

„Die Bahn interessiert das einen Dreck“, schimpft Dauskardt. Baugleiche Fahrstühle gebe es in Barnstorf, Syke und Weyhe. „Wenn da einer kaputt geht, dauert es maximal drei Stunden, bis ein Servicetechniker vor Ort ist und ihn repariert. Aber nicht in Twistringen. Ich bin jetzt schon dreimal von anderen Fahrgästen die Treppen rauf- und runter getragen worden“, erzählt er. „Bei 160 Kilo samt Rollstuhl war das auch für die bestimmt kein Vergnügen.“

Unrühmlicher Höhepunkt vor einer Woche

Den unrühmlichen Höhepunkt erlebte Julius Dauskardt vorige Woche: „Da hatte ich extra noch beim Mobilitätsservice der Deutschen Bahn angerufen und gefragt, ob er Fahrstuhl inzwischen repariert worden ist.“ Die Antwort kommt ihm geradezu zynisch vor: „Extra für Sie haben wir ihn wieder repariert. Es ist alles in Ordnung“, zitiert Dauskardt. „Und als ich dann davor stand, war er immer noch defekt.“

Was passiert, wenn er einmal als einziger aus dem letzten Zug des Tages in Twistringen aussteigen würde, mag sich der 60-Jährige kaum ausmalen. „Dann müsste ich vermutlich die Feuerwehr anrufen und um Hilfe bitten.“

Die für den Bahnhof zuständige Deutsche Bahn wusste bereits von dem kaputten Fahrstuhl. Doch erst der Anruf der Kreiszeitung brachte schließlich Bewegung in die Posse. „Wir müssen uns bei dem Kunden furchtbar entschuldigen“, erklärte Bahn-Pressesprecherin Sabine Brunkhorst gestern Nachmittag. Die falsche Auskunft an Julius Dauskardt habe auf einer Fehlinformation aufgrund „interner Missverständnisse“ beruht. „Wir hatten den Aufzug hier auch als ,in Ordnung’ auf der Uhr“, so Brunkhorst.

Das Problem lag nach ihrer Aussage in dem Umstand, dass kein technisches Bauteil defekt war, sondern der Notruf nicht funktionierte. Da sei eine andere Abteilung zuständig. Immerhin kam die ganze Geschichte auf diesem Weg zu einem guten Ende: Seit gestern, so vermeldete die Bahn, funktioniert der Aufzug wieder. „Wirklich.“

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