Emotionale Debatte ohne Ergebnis

B 51: Rat vertagt Entscheidung

Twistringen - Von Michael Walter. Drei Stunden debattiert, kein einziges neues Argument und am Ende auch keine Entscheidung: Der Rat der Stadt Twistringen hat am Donnerstag Abend den Beschluss zur Sanierung der B 51-Ortsdurchfahrt vertagt. Es gebe immer noch offene Fragen, die erst beantwortet werden müssten.

Entgegen der Befürchtung von Bürgermeister Martin Schlake lässt sich das für die Sanierung zuständige Straßenbauamt in Nienburg auf eine weitere Beratungsrunde und die damit verbundene zeitliche Verzögerung ein. Gestern teilte Schlake auf Nachfrage mit: Der stellvertretende Leiter der Landesbehörde Dietmar Thomsik stehe Anfang Mai nochmals für ein Gespräch mit dem Rat bereit. „Der Termin muss noch abgestimmt werden. Und danach gibt es, ebenfalls im Mai, eine Sondersitzung des Rats mit diesem einzigen Tagesordnungspunkt.“

Klärungsbedarf hat der Rat vor allem in zwei Punkten: Warum die Nienburger Behörde einen Zweirichtungs-Radweg im Bereich zwischen Harpstedter Straße und Westerstraße ablehnt – Ansgar Wilkens (FDP) hatte diese Variante noch einmal ins Gespräch gebracht – und ob an den engsten Stellen der Ortsdurchfahrt der Platz überhaupt reicht. Das bezweifelt nämlich Wilkens Fraktionskollege Fritz Wüppenhorst.

Als diese Fragen aufs Tapet kamen, hatte der Rat bereits eine sehr emotional geführte Debatte hinter sich. Was nicht zuletzt an den mehr als 80 Zuhörern im Saal lag. Überwiegend Gegner des Ausbaus, hatten sie sich im Rahmen der üblichen Fragestunde ebenso laut- wie wortstark für die Null-Lösung ausgesprochen, also die reine Sanierung der Fahrbahn ohne Ausbau der Nebenanlagen. Die einen, weil sie nach wie vor nicht glauben, dass ein Fahrradstreifen auf Fahrbahnniveau sicherer sei als ein konventioneller Radweg auf dem Hochbord, die andren, weil keine Bäume am Straßenrand gefällt werden sollen und die dritten, weil sie sämtliche Parkplätze erhalten wollen.

Sylvia Holste-Hagen (Grüne) überreichte der Verwaltung eine Liste mit knapp 1400 Unterschriften gegen den Ausbau der Ortsdurchfahrt – und handelte sich dafür Kritik von Martin Schlake und aus der CDU-Fraktion ein, die die Aussagekraft dieser Unterschriften in Frage stellten. Die einleitenden Forderungen vor der eigentlichen Liste seien so vage und allgemein formuliert, dass sie Befürworter aller drei ursprünglich diskutierten Ausbauvarianten für sich in Anspruch nehmen könnten.

Daraufhin musste sich die Verwaltung wieder Vorwürfe von den Besucherrängen anhören: Warum die Meinung der Bürger nicht gehört werde und warum Anwohner und Geschäftsleute nicht früher und umfangreicher informiert worden seien. Antwort Bürgermeister Schlake: „Bei noch keiner Straßenbaumaßnahme in Twistringen ist so viel und so früh informiert worden wie bei dieser.“ Er verwies auf die einleitende öffentliche Info-Veranstaltung vom Dezember und die seitdem folgenden öffentlichen Ausschuss- und Ratssitzungen. Und mit Blick auf die vollen Zuhörerreihen: „Ich hätte mir so eine Beteiligung schon früher gewünscht.“

Irgendwann platzte dann CDU-Fraktions-Chef Bernhard Kunst der Kragen: „Ich habe jetzt so viel gehört, was alles nicht gewollt wird. Ich würde gern mal hören, was gewollt ist. Wollen wir die B 51 sanieren oder nicht? Und wenn ja: wollen wir das auf eigene Kosten?“ Eine Antwort darauf erhielt er nicht. Selbst gab er aber auch keine: Er stimmte ebenfalls für eine Vertagung.

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Rubriklistenbild: © dpa

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