20. Auslandseinsatz für Gerhard Kanne

Twistringer Entwicklungshelfer erstmals in Myanmar aktiv

In Myanmar hat Gerhard Kanne vielen hundert Kindern das Zähneputzen erklärt.

Twistringen - Von Theo Wilke. Ein Urlaubsressort mit traumhaftem Strand in Ngapali Beach, Westküste Myanmar, 300 Kilometer Luftlinie nordwestlich von der Hauptstadt Yangon. Direkt daneben rütteln erschreckende Alltagsbilder auf und Kinder, die in Bergen von Plastik und anderem Zivilisationsmüll spielen. In der Nähe liegt eine Zahnklinik. Drei Wochen lang leistet der Twistringer Zahnarzt Dr. Gerhard Kanne Ende 2018 seinen inzwischen 20.  Auslandseinsatz für die Entwicklungshilfe und wieder im Urlaub.

„Auch nach einer Weile bin ich noch nicht wieder zurück im Alltag. In Indien heißt es: Die Seele kann nicht so schnell reisen“, sagt der 56-Jährige in seiner Praxis in Twistringen. Er wirkt nachdenklicher als sonst in den vergangenen Jahren nach seiner Rückkehr, etwa aus Indien, Brasilien oder auch Kenia.

Gerhard Kanne ist tief beeindruckt von den Menschen Myanmars, von deren Freundlichkeit und Lebensart, von einem sicheren, zumeist vom Buddhismus geprägten Urlaubsland ohne nennenswerte Kriminalität. „Ich versuche, nach diesem Aufenthalt meine Lebenseinstellung zu ändern - besser spät als nie.“

Für die Deutsch-Myanmarische Arbeitsgruppe für Soziale Zahnmedizin und Gesundheitsförderung hat sich Gerhard Kanne aus Oldenburg erstmalig im früheren Burma um Mundhygiene und Zahnprophylaxe bei Jungen und Mädchen, aber auch Erwachsenen gekümmert. Sein Fazit: „Es bleibt nicht dabei. Wahrscheinlich werde ich dieses Jahr wieder dort sein.“

In der Klinik Solar mit zwei Behandlungsstühlen musste der Twistringer Mediziner auch viele Zähne ziehen. Patienten kommen erst, wenn sie Schmerzen haben.

Zahlen sind eine Sache: Rund 1000 Kinder hat Gerhard Kanne in der Zahnpflege unterrichtet, in der Theorie, mit Beamer und intensiv durch praktische Anleitung. „Wenn ich nur 20 Prozent erreicht habe, die das Zähneputzen im nächsten Jahr nicht vergessen haben, dann hat sich der Einsatz gelohnt.“

Und dann sind da die gewaltigen Eindrücke und aufwühlenden Bilder, die sich bei Kanne eingebrannt haben: „Ich wusste vorher nicht viel über Myanmar“, erzählt der 56-Jährige. „Von globalen Umweltproblemen und Zerstörungen im Fernsehen zu erfahren, ist eben anders. Aber wenn Sie mittendrin stehen und auch riechen - nur ein paar 100 Meter vom schönsten Sandstrand Myanmars entfernt, wenn Sie mit den Unmengen von Plastikmüll konfrontiert werden, auch im Dorf dahinter, dann beschäftigt das sehr.“ Erschreckend für ihn: Die Einheimischen störe der Müll überhaupt nicht.

Entwicklungshilfe in Myanmar mit Gerhard Kanne

Entwicklungshilfe in Myanmar mit Gerhard Kanne

Auf das Hilfsprojekt in Ngapali stieß Kanne im Frühjahr 2018 durch Dr.   Roland Ernst (72) aus dem oldenburgischen Friedrichsfehn. Den Kollegen hatte Kanne 2004 in Kenia kennengelernt. Dr. Ernst, der sich schon mehrfach in Myanmar engagiert hatte, fragte den Twistringer Zahnarzt, ob er in Myanmar mithelfen würde. Gerhard Kanne sagte vor allem zu, weil „es von Vorteil ist, nicht allein dort zu sein, wo man noch nie war, sondern dass man jemanden hat, der sich auskennt“.

Mit dem Kollegen Ernst habe er sich sofort gut verstanden und ihn am Ende auch überzeugt, dass „ein Zahnentwicklungsprojekt ohne Prävention sinnlos“ sei. Nur akute Zahnschmerzen zu behandeln, bringe das Projekt nicht voran, auch nicht die reine Theorie zum Zähneputzen.

Gar nicht so einfach sei die Verständigung gewesen, schildert Kanne. „Die Menschen sprechen vorrangig burmesisch. Ich verstehe kein Wort von dem - außer Mund aufmachen, Ja und Nein.“ Mit Englisch und Unterstützung der örtlichen Mitarbeiterin WeiWei klappt es ganz gut.

Twistringer Zahnarzt im 20. Auslandseinsatz für die Entwicklungshilfe

 © Dr. Gerhard Kanne
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Auffällig ist für den Zahnmediziner aus Twistringen, dass die Mädchen schneller begreifen. Wenn er frage, wer seine Zahnbürste von Zuhause mitgebracht habe, dann meldeten sich immer nur die Mädchen. Und meint: „Die Macht im Land liegt bei den Männern, die Intelligenz bei den Frauen.“

Vormittags ist Kanne in der Klinik beschäftigt, nachmittags in mehreren Schulen, etwa in der English School in Yoma Cherry Lodge von Mamie Sue, einer betagten englischen Lady.

Kanne macht die Erfahrung, dass es um die Mundhygiene und -gesundheit noch schlimmer bestellt ist als in Brasilien. In Indien gebe es extrem fluoridhaltiges Wasser, das sich in Knien, Gelenken und Zähnen ablagere. In Myanmar genau das Gegenteil: Die Zähne würden weich und anfällig. Kannes Erfahrung: „In Asien putzt man sich morgens nach dem Schlaf die Zähne, sonst nicht.“ Er bringt den Kindern gebetsmühlenartig bei, die Zähne nach jedem Essen zu putzen. Alle hätten zwar eine Zahnbürste, benutzten sie aber nicht.

„Ich habe auch viele Zähne gezogen. Die waren so kaputt. Kein Wunder angesichts zu viel Zucker, aber zu wenig Fluorid und Mundhygiene“, so der Mediziner. Um zu erfahren, ob sein Einsatz nachhaltig wirkt, möchte er bald wieder nach Myanmar fliegen.

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