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Die letzte Instanz vor dem Gericht

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Von: Marten Vorwerk

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Der neue Schiedsmann der Stadt Twistringen, Andreas Woisch (Mitte): vorgestellt von Janina Eickhoff und Bürgermeister Jens Bley.
Der neue Schiedsmann der Stadt Twistringen, Andreas Woisch (Mitte): vorgestellt von Janina Eickhoff und Bürgermeister Jens Bley. © Marten Vorwerk

Andreas Woisch ist neuer Schiedsmann in Twistringen und wird bei Nachbarschaftsstreitereien schlichtend einwirken.

Twistringen – „Deeskalieren, bevor es vors Gericht geht. Das ist die Aufgabe eines Schiedsmannes“, weiß Andreas Woisch. Er ist der neue Schiedsmann in Twistringen und Nachfolger des verstorbenen Albert Rasche. Welche Aufgaben Woisch nun erwartet, wie er die Erfolgschancen einschätzt, schlichtend einwirken zu können, und welche Eigenschaften ein Schiedsmann mitbringen muss, erklärt er bei einem Pressegespräch im Twistringer Rathaus. Mit dabei sind Bürgermeister Jens Bley und Janina Eickhoff, bei der Stadt verantwortlich im Fachbereich Bau und Ordnung.

„Wir haben das Glück, dass sich Andreas Woisch bereit erklärt hat, der neue Schiedsmann zu sein. Wir mussten damit also nicht in die Öffentlichkeit und lange suchen. Er wurde vom Rat bestimmt“, sagt Jens Bley. Woisch ist langjähriges Mitglied im Rat der Stadt Twistringen und wird sich nun ehrenamtlich um Nachbarschaftsstreitereien kümmern.

Der Schiedsmann muss versuchen, beide Seiten zu verstehen

„Wenn es zum Beispiel dazu kommt, dass sich ein Bürger darüber beschwert, dass ein Baum eines Nachbarn zu weit über den Zaun rüber ragt, dann bin ich da und kann vermitteln“, erklärt Woisch. Er ist die letzte Instanz, bevor ein Konflikt vor Gericht landet. Eine Schlichtung über den Schiedsmann würde Zeit, Nerven und vor allem Geld sparen.

„Ich muss sachlich und unemotional sein und versuchen, beide Seiten zu verstehen. Ein gesunder Menschenverstand schadet auch nicht. Ich darf mich auf keine Seite schlagen“, weiß Andreas Woisch. Manche Konflikte seien über Jahre entstanden und sehr festgefahren. Seinen ersten Fall habe er schon behandelt und gemerkt, dass es „einfach wichtig ist, wenn die Leute überhaupt mal mit einem Unbeteiligten darüber sprechen können“.

60 Prozent der Konflikte werden deutschlandweit über Schiedsleute gelöst

Die Stadtverwaltung bekomme von den Fällen – und ob sie positiv oder negativ ausgehen – nichts mit, informiert Bürgermeister Bley. Der Schiedsmann habe eine Verschwiegenheitspflicht.

Etwa 60 Prozent der Konflikte würden deutschlandweit über Schiedsmänner oder Schiedsfrauen gelöst – so steht es auf der Internetseite des Bundes deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. „Wie viele ich hier lösen kann, kann ich nicht sagen. Auch die Anzahl der Fälle schwankt von Gemeinde zu Gemeinde. Die einen haben einen Konflikt pro Woche, die anderen einen pro Monat“, sagt Ratsmitglied Andreas Woisch.

In den nächsten Wochen stehe ein Lehrgang für Schiedsmänner an, an dem er teilnimmt. Ansonsten seien keine Vorerfahrungen oder Ausbildungen für das Amt erforderlich. „Es gibt immer mal Seminare. Da ist vor allem interessant, mit den Kollegen landesweit zu kommunizieren, um Erfahrungen auszutauschen“, betont Woisch, der für fünf Jahre gewählt wurde.

Stellvertreterin ist Anke von der Lage-Borchers

Seine Stellvertreterin ist Anke von der Lage-Borchers, die auf der Webseite Bund deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (www.schiedsamt.de) derzeit als einzige Schiedsperson für Twistringen gelistet ist. „Mein Name wird dort demnächst auch auftauchen“, sagt Andreas Woisch. Auf der Internetseite ist eine Telefonnummer hinterlegt, über die die Twistringer Schiedspersonen erreichbar sind.

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