Stadt kann nicht als Käufer auftreten

Konzertstätte in Twistringen: Alte Ziegelei soll verkauft werden

Die Alte Ziegelei am Rande von Twistringen.
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Die alten Fabrikhallen sind laut F-Plan kulturlandschaftsprägende Gebäude.

Der beliebte Twistringer Veranstaltungsort Alte Ziegelei soll verkauft werden. Der Stadt fehlen die Mittel, um als Eigentumer einzuspringen.

Twistringen – Am Rande von Twistringen, aus allen vier Himmelsrichtungen sichtbar, ragt majestätisch ein alter Ziegelschornstein in die Höhe. Das Wahrzeichen der im 19. Jahrhundert erbauten Alten Ziegelei, die idyllisch am Rande der Tonkuhlen und Wälder liegt. Gleich daneben steht das ehemalige Herrenhaus, das seit 1999, wie die Alte Ziegelei, mit seinem fünf Hektar großen Areal im Besitz der Familie Grohe ist.

Konzertstätte mit Kultstatus

Als Konzertstätte ist sie weit über die Stadtgrenzen vor allem durch Konzerte und Open Airs bekannt und hat bereits, Dank der Freunde der Alten Ziegelei, Kultstatus erreicht. Doch wird es dies alles auch noch in Zukunft geben? Es gibt Gerüchte, dass die Eigentümerin verkaufen möchte.

Ziegelei Open Airs, Auftritte diverser Bands aus dem In- und Ausland sowie die Brenndorf Classics und das Rudelsingen füllen seit zehn Jahren die Alte Ziegelei mit Leben. Kaum ein Event, das nicht ausverkauft ist. Dahinter stehen unzählige Ehrenamtliche, die sich 2010 zu dem gemeinnützigen Verein Freunde der Alten Ziegelei zusammengeschlossen haben.

Verkaufs-Gerüchte stimmen, Verein tagt am 9. April

Für den 9. April hat der Vorstand eine Jahreshauptversammlung einberufen. An diesem Abend sollen auch die Gerüchte, die inzwischen überall in den Ortschaften kursieren, mit den Anwesenden besprochen werden. Denn ein ernstes Thema treibt den 1. Vorsitzenden René Beckmann und seine Vorstandskollegen Maik Theißen und Meike Borchers seit einigen Monaten um. „Ja, es stimmt, die Familie Grohe wird das Areal nebst allen Gebäuden demnächst über einen Makler anbieten“, so Beckmann. Die Entscheidung sei der Familie nicht leichtgefallen. „Wir verstehen das und hoffen dennoch, dass ein möglicher Käufer uns nicht vor die Tür setzt“, so Beckmann weiter.

„Leider hat der Verein selber nicht die finanziellen Mittel, um die Ziegelei zu kaufen.“ Dennoch könne man sich gut vorstellen, als Teil einer Eigentümer- oder Betreibergemeinschaft zu agieren. Dann würde die Alte Ziegelei auch weiterhin ein Kultur-Treffpunkt der besonderen Art bleiben.

Location hat Fans in der gesamten Region

Mit viel Herzblut und Arbeitskraft haben die Ehrenamtlichen die alten Fabrikhallen in unzähligen Stunden zu einem angesagten Veranstaltungsort ausgebaut. Die Fans dieser einzigartigen Location kommen inzwischen nicht nur aus Twistringen, sondern aus der gesamten Region. Künstler, die dort auftraten, loben immer wieder diese Kultstätte als etwas Besonderes, etwas das unter die Haut gehe und ein besonderes Feeling vermittle. „Dies alles muss erhalten bleiben“, so Theißens Appell.

Bürgermeister Bley will Kult-Ort erhalten

Das sieht auch Twistringens Bürgermeister Jens Bley so. „Als ich das erste Mal etwas über Twistringen gehört habe, sind relativ schnell die Worte Alte Ziegelei gefallen.“ Diese sei seines Erachtens ein Stück Identität der Stadt. Vor diesem Hintergrund wäre dem Verwaltungschef „sehr daran gelegen, wenn der entstandene Kult um die Ziegelei bei einem Besitzerwechsel erhalten bleibt.“

Stadt zu verschuldet, um Alte Ziegelei zu kaufen

Bereits vor einiger Zeit habe er mit Vertretern der Freunde der Alten Ziegelei und mit den Eigentümern gesprochen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, welche Möglichkeiten es geben könnte. Als sehr hoch verschuldete Stadt wird es schwierig sein, als Erwerber aufzutreten. Hierzu bedarf es eines schlüssigen Betreiberkonzeptes, was jegliche Kosten abdeckt und damit für die Stadt kostenneutral ist“, so Bley. Unter diesen Voraussetzungen könne man im politischen Raum überhaupt erst diskutieren, ob die Stadt als Eigentümer auftreten könne.

Persönlich hofft Bley auf eine Lösung, da die Freunde der Alten Ziegelei ein etablierter Verein seien und zu Twistringen einfach dazugehören. „Es wird jedoch eine Frage der Machbarkeit bleiben, wozu die finanziellen Forderungen und finanzielle Risiken gehören, die gegeneinander abzuwägen sind“, so Bley abschließend.

Flächennutzungsplan und Denkmalschutz verbieten Abriss

Laut Flächennutzungsplan darf das Gelände nur für das genutzt werden, wofür es aktuell genutzt wird. „Auf keinen Fall darf ein möglicher Investor alles einfach abreißen und neue Fabrik- oder Kühlhallen dorthin bauen“, erklärt Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe auf Nachfrage. „Wir als Stadt werden selbstverständlich ein Auge darauf haben, was mit dem Areal in Zukunft passiert.“

Einen wichtigen Grundstein zum Erhalt der Gebäude hat bereits Interimsbürgermeister Horst Wiesch vor einiger Zeit mit dem Verein gelegt. Die alten Fabrikhallen wurden zu einem kulturlandschaftsprägenden Gebäude ernannt. Das Herrenhaus steht laut Beckmann bereits seit Jahren unter Denkmalschutz.

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