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Alte Meister und provokante Nonnen: Künstlerporträt von Michael Link

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Von: Katharina Schmidt

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Der freischaffende Künstler Michael Link vor seiner Staffelei.
Der freischaffende Künstler Michael Link vor seiner Staffelei. © Schmidt

Egal ob er Beethoven malt, provokante Nonnen, James Dean oder Totenköpfe: Bei seinen Ölgemälden bringt Michael Link immer seine persönliche Note mit ein. Auf die Frage nach seinem Stil zuckt der freischaffende Künstler mit den Schultern. „Sollen die Leute doch versuchen, mich in eine Schublade zu stecken. Ich mach einfach mein Ding.“

Twistringen - Bei ihm in Köbbinghausen sieht es so aus, wie man sich die Wohnung eines Künstlers vorstellt. Da steht eine große Staffelei, umgeben von Pinseln und Farben. Bemalte Leinwände hängen an den Wänden oder lehnen aneinander. Bei manchen ist die Farbe noch feucht. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis Ölfarbe durchgetrocknet ist.

Seit 2021 ist Michael Link hauptberuflich freischaffender Künstler. Im gleichen Jahr stellte ihm das Museums „Pinakothek Luxemburg“ nach seiner Teilnahme am „Luxembourg Art Prize“ eine offizielle Urkunde als Anerkennung seiner künstlerischen Leistung aus.

Schon als Kind Interesse an der Kunst

Der 48-Jährige kommt gebürtig aus Oldenburg und landete über Umwege in Köbbinghausen. „Als Kind habe ich schon gemalt. Auch viel, auch gut“, erzählt er. „Aber wie das als Jugendlicher so ist, dann hatte ich andere Interessen, Sport, Party, ...“

Im Berufsleben beschäftigten ihn ebenfalls zunächst ganz andere Dinge. Erst hatte er drei Firmen, dann einen Burn-out. In einer Klinik begann er wieder mit dem Malen. Etwa sechs Jahre ist das nun her. Schrittweise näherte er sich der Ölmalerei an. „Die Kunst der alten Meister hat mich immer schon interessiert. Die Tiefe, die man in Öl hat, hat man sonst nirgendwo.“

Sein erstes Ölbild war Anfang 2020 ein Porträt des Rammstein-Frontsängers Till Lindemann. „Seit ich den Dreh mit Öl gekriegt habe, mache ich nichts anderes mehr“, sagt Link.

Ein Gemälde, das Beethoven zeigt. Die Farben verwischen auf einer Seite, wie auch in anderen Werken von Michael Link.
Ein Gemälde, das Beethoven zeigt. Die Farben verwischen auf einer Seite, wie auch in anderen Werken von Michael Link. © Link

Er brachte sich das Malen mit allem drum und dran, etwa dem Bespannen von Leinwänden oder dem Anreiben von Farbpigmenten, autodidaktisch bei.

Altes Buch gibt Eimblicke in die Ölmalerei

Ein Buch spielte dabei eine besondere Rolle. Der Umschlag ist rissig, die Seiten leicht vergilbt. Es handelt sich um Max Doerners Standardwerk „Malmaterial und seine Verwendung im Bilde“, erstmals erschienen im Jahr 1921. Ein ganz schöner Schinken, eng beschrieben, kaum Bilder. Michael Link gerät ins Schwärmen, wenn er über den Inhalt des Buches spricht. „Leinöl ist nicht gleich Leinöl, Terpentin nicht gleich Terpentin.“

Mithilfe von Literatur brachte sich Link die Malerei autodidaktisch bei.
Mithilfe von Literatur brachte sich Link die Malerei autodidaktisch bei. © Schmidt

Einfach ein bisschen herum klecksen? Kommt für ihn nicht infrage. „Ich versuche auch, mir Gedanken über die Person zu machen, die ich male.“ Momentan arbeitet er an einem Porträt der Fußball-Legende Diego Maradona. Er sei schon immer großer Fußballfan gewesen, sagt Link über sich selbst.

Nicht nur seine Wohnung ist voller Kunst, auch sein Körper ist damit übersät. Zwei Schwalben am Hals stehen für Freiheit, ein Tiger für seinen Sohn. „Der nautische Stern zeigt mir den Weg, Totenköpfe finde ich einfach geil, und die Schwerter sollen Fairness symbolisieren.“

Auch einen Mozart hat er sich stechen lassen. Schon früh hatte er ein Faible für klassische Musik, was sich in zahlreichen seiner Ölgemälde widerspiegelt. So ist Mozart nicht nur auf der Haut des Köbbinghauser Künstlers zu sehen, sondern auch auf einem seiner Werke.

Manche Bilder vertragen auch Rammstein

Er hat das Gesicht des Komponisten nicht nur eins zu eins abgemalt: An einer Seite zerfließen die Umrisse, und die Farben scheinen zu zerlaufen. „Das Verwischte steht für die Vergänglichkeit“, erklärt Link. Beim solchen Motiven hört er gerne Klassik, aber es darf auch mal andere Musik sein. „Als ich meinen James Dean gemalt habe, habe ich viel 50er-Jahre-Musik gehört.“ Er deutet auf ein Bild einer anzüglich bekleideten Nonne. „Provozieren kann ich auch. So ein Bild verträgt auch mal Rammstein oder Lindemann.“

Provokant kann er auch: Diese Nonne hängt mittlerweile bei einem Käufer in Kiel. Ein weiteres Bild mit einem provokanten Nonnen-Motiv ist in Arbeit.
Provokant kann er auch: Diese Nonne hängt mittlerweile bei einem Käufer in Kiel. Ein weiteres Bild mit einem provokanten Nonnen-Motiv ist in Arbeit. © Link

Jazz höre er ebenfalls gerne. „Ich verschwinde richtig in der Malerei, sodass ich gar nicht mehr merke, wenn die Musik dann aus geht, oder der Tee auf einmal eiskalt ist.“ Link, wie er selbst sagt ein Freund der buddhistischen Lehre, fügt hinzu: „Es ist fast schon meditativ.“

Trotzdem wünscht er sich, manchmal von der Malerei abschalten zu können. Deswegen ist er aktuell auf der Suche nach einem Atelier in Twistringen oder den umliegenden Dörfern, wo er außerhalb der eigenen vier Wände sein Ding machen kann.

Weitere Infos gibt es auf der Facebook-Künstlerseite von Michael Link.

James Dean. Viele wussten nicht, dass er Brillenträger war.
James Dean. Viele wussten nicht, dass er Brillenträger war. © Link

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