Mittwoch Info-Abend im Rathaus

Akuter Ärztenotstand in Twistringen

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Symbolbild

Twistringen - Von Michael Walter. Viele Twistringer haben ab Montag keinen Hausarzt mehr: Die Internistin Dr. Beatrice Totten hat ihre Anstellung in der Praxis des Rheumatologen Dr. Sven Dubbert zu 30. April gekündigt. Die übrigen Hausärzte in Twistringen sind überlastet und nehmen keine neuen Patienten mehr an. Wie soll es weiterhehen? Darüber möchten Stadtverwaltung und SoVD nächsten Mittwoch um 19 Uhr im Ratssaal mit den verblieben Hausärzten sowie Vetretern der Kassenärztlichen Vereinigung und den Bürgern diskutieren.

Erst im Herbst standen die Twistringer vor einer ähnlichen Situation: Damals wurde aus Altersgründen die Gemeinschaftspraxis Schumacher / Eckert mit mehr als 2000 Patienten geschlossen. Durch die Einstellung von Beatrice Totten hatte sich die Lage dann spürbar entspannt. Sie hatte einen großen Teil des Patientenbestands von Peter Schumacher und Walter Ecker übernommen. Doch jetzt geht sie als Ärztin ans Sulinger Krankenhaus zurück, und die übrigen Ärzte haben nicht genügend Luft, um diese Patienten auf Dauer zu übernehmen.

„Somit werden Twistringer Patienten gezwungen sein, sich ab Mai in anderen Orten behandeln zu lassen“, folgert der SoVD-Vorsitzende Bernhard Landwehr. Ein Problem sieht er darin vor allem für Senioren, die nicht oder nicht mehr Auto fahren. Ihnen bleiben im Grunde nur Bahn und Taxi.

Auch für Bürgermeister Martin Schlake eine untragbare Situation. Daher hatte Landwehr bei ihm offene Türen eingelaufen, als der im Rathaus fragte, ob man dieses Thema nicht kurzfristig öffentlich diskutieren könne.

Viel mehr als das kann die Stadt selbst allerdings auch kaum machen. „Wir haben keine stadteigenen Gebäude, die wir jungen Ärzten kostengünstig vermieten könnten. Wir haben auch kein Geld für Ansiedlungszuschüsse oder dergleichen“, so Schlake.

Doch selbst wenn: Das würde das Problem nicht lösen, ist Schlake überzeugt. „Die Entscheidung, Arzt in einer Kleinstadt zu werden, können weder die Kassenärztlichze Vereinigung noch der Bürgermeister den Ärzten abnehmen“, sagt er. „Entweder will ein Arzt das oder er will es nicht. Ich glaube auch nicht, dass diese Entscheidung über irgendwelche Bezahlsysteme zu beeinflussen ist.“

Dennoch sieht Schlake die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht, denn die macht seiner Ansicht nach einen entscheidenden Denkfehler: „Sie betrachtet den Raum Syke-Bassum-Twistringen als einen zusammenhängenden Bereich, und in dem gibt es keine Unterversorgung mit Hausärzten. Aber das funktioniert eben nicht. Es geht nicht, dass ältere Menschen nach Bassum oder Syke zum Hausarzt müssen. Dieses System passt nicht, um dem Ärztemangel im ländlichen Bereich zu begegnen.“

Von der Informationsveranstaltung am Mittwoch verspricht sich der Bürgermeister keine spontane Lösung des Problems. „Aber ich halte es für wichtig, dass alle Beteiligten offen miteinander reden und jeder dem anderen das Problem aus seiner Perspektive schildern kann.“

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