Hoffnungsträger Zentralklinik / Nachnutzung für ehemalige Praxis Dr. Winter

Ärztemangel: Nah an der Unterversorgung

Ärztehaus in Twistringen
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Lange waren die Räume der ehemaligen Praxis von Dr. Winter im Ärztehaus an der Bahnhofstraße verweist. Bald soll dort eine logopädische Praxis entstehen.

Die ehemaligen Hausarztpraxis des verstorbenen Dr. Martin Winter an der Bahnhofstraße 31 in Twistringen steht seit etwa einem Dreivierteljahr leer. Daran soll sich bald etwas ändern, wenn auch nicht durch einen neuen Hausarzt.

Twistringen - „Trotz vieler Bemühungen, welche auch gemeinsam mit dem Eigentümer vorgenommen wurden, ist eine Neubesetzung mit einem Arzt nicht erfolgreich gewesen“, berichtet Twistringens Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe auf Anfrage der Kreiszeitung. „Allerdings wird in der ehemaligen Arztpraxis kurzfristig eine logopädische Praxis entstehen.“

Rückblick: In den Räumen an der Bahnhofstraße war die Praxis von Hausarzt Dr. Martin Winter. Im Frühjahr 2020 starb er überraschend. Daraufhin sprang der Bassumer Hausarzt Dr. Sönke Neubauer in die Bresche. Er führte die Twistringer Praxis bis zum Ende des vergangenen Jahres weiter – als Zweigstelle. Dr. Winter hatte vor seinem Tod rund 1500 Patienten. „Mittlerweile werden sie überwiegend in Bassum weiter versorgt. Die Zweigpraxis wurde geschlossen“, berichtet Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Er erklärt: „Letztlich ist es am Personal gescheitert.“

Ob als Zweigstelle oder eigenständig: Um die Praxis dauerhaft zu betreiben, hätte es eines zusätzlichen Arzts bedurft. Genau daran mangelt es.

Auch wenn die Räume an der Bahnhofstraße mit der logopädischen Praxis einen neuen Nutzer finden – zusätzliche Hausärzte sind nach wie vor willkommen. „Wir sind weiterhin an Neu-Niederlassungen auch in Twistringen interessiert, da die Belastungen in den Praxen vor Ort sehr hoch sind“, betont Schmitz. „Prioritär würden wir dabei Kooperationen mit vorhandenen Praxen anstreben. Aber auch Einzelniederlassungen sind möglich. Bei fehlenden Räumen würden wir mit der Kommune beziehungsweise mit Investoren vor Ort reden.“

Twistringen fällt bei der Kassenärztlichen Vereinigung in den Planungsbereich Syke, ebenso wie Bassum und Bruchhausen-Vilsen. Laut Schmitz gilt dieser Bereich in der hausärztlichen Bedarfsplanung noch nicht als unterversorgt. Er beschreibt es jedoch als „große Herausforderung“, sicherzustellen, dass dies so bleibt.

Was unterversorgt ist und was nicht, beschreibt der sogenannte Versorgungsgrad. Dieser Wert errechnet sich aus der Einwohnerzahl und der Summe der Hausärzte. Er vergleicht das tatsächliche Einwohner-Arzt-Verhältnisses mit dem Soll-Niveau. Vorgesehen sind etwa 1600 Einwohner je Arzt. 110 Prozent heißt überversorgt, unter 75 Prozent wird’s kritisch. Der Planungsbereich Syke kommt auf einen Versorgungsgrad von etwa 79 Prozent. Im Vergleich mit Sulingen, Diepholz, Nienburg, Delmenhorst und Verden schneidet er damit am schlechtesten ab. Und: Rechnet man alle Ärzte heraus, die 63 oder älter sind, bleibt im Planungsbereich Syke nur noch ein Versorgungsgrad von rund 57 Prozent.

Schmitz verdeutlicht: „Deshalb sind wir präventiv tätig und warten nicht, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Um Ärzte zu unterstützen, die sich in der Region ansiedeln wollen, hat die Kassenärztliche Vereinigung ein umfangreiches „Niederlassungspaket“ gepackt. Darin enthalten ist unter anderem eine Investitionsförderung. Die Förderung wird laut Schmitz durchaus in Anspruch genommen, „sodass Neu-Niederlassungen oder auch die Anstellungen von Ärztinnen und Ärzten erfolgen.“ Es kommen also durchaus neue Ärzte in die Region. Die Mediziner sind nicht zuletzt wichtig, um die Dienstbelastung im Notdienstbereich stabil zu halten.

In Twistringen sind viele Hoffnungen an die geplante Zentralklinik geknüpft. „Ein zukunftsfähiger Klinikstandort ist wichtig für die ärztliche Weiterbildung und somit auch für den Nachwuchs in der ambulanten Versorgung“, sagt auch Schmitz. Er zieht den Vergleich zur Uniklinik Göttingen: „Rund um Göttingen in den ländlichen Bereichen besteht bei der hausärztlichen Versorgung eine Überversorgung, die liegen bei 110 Prozent.“ Eine starke Klinik wirke sich auf die Region aus.

Wie berichtet, soll die geplante Zentralklinik in Borwede als Lehrkrankenhaus eine besondere Bedeutung für den ärztlichen Nachwuchs bekommen. Das strebt zumindest der Klinikverbund des Landkreises Diepholz an. Akademische Partner wären voraussichtlich die Universitäten in Oldenburg und Hannover.

Von Katharina Schmidt

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