Widerspruch gegen Bau von Mastställen

84 .000 Hähnchen vor der Nase

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Bettina Ernst zeigt es: Hinter diesem Feld sollen zwei Hähnchenmastställe entstehen – nur etwa 250 Meter von ihrem Haus entfernt. 

Natenstedt - Von Michael Walter. „Da hinten sollen sie hin.“ Bettina Ernst zeigt mit dem ausgestreckten Finger übers Feld, das hinter ihrem Grundstück beginnt. „Gleich auf der anderen Seite des Wirtschaftswegs am anderen Ende.“ Dort plant ein Landwirt den Bau von zwei Hähnchenmastställen für zusammen etwa 84 000 Tiere.

„Nur etwa 250 Meter von meiner Terrasse entfernt.“ Und genau in Windrichtung.

Bettina Ernst hat beim Landkreis Widerspruch dagegen eingelegt, ebenso wie zwei weitere Nachbarn. Der Landkreis ist noch dabei, den Bauantrag zu prüfen. Und das wird noch eine Weile dauern.

Seit über 20 Jahren lebt und arbeitet die 58-jährige gebürtige Bremerin in einem alten Häuslingshaus von 1680 in Natenstedt. Haus und Grundstück hat sie immer auch als einen Teil ihrer Altersvorsorge verstanden, nach dem Motto: Wenn ich mal alt bin, kann ich es vermieten oder verkaufen und davon meine Rente aufbessern. Genau das sieht sie durch die geplanten Mastställe aber in Gefahr. Auf der anderen Seite der Straße stehen mehrere Windräder.

„Die sind erst vor Kurzem gebaut worden“, sagt Ernst. „Laut Makler hat das den Wert schon um ein Viertel bis ein Drittel gemindert. Wenn jetzt noch die Mastställe dazu kommen, wäre die Immobilie praktisch unverkäuflich.“

Im November ist der Bauantrag gestellt worden. Eher zufällig hatte Bettina Ernst im Juli davon erfahren und auf den letzten Drücker noch Widerspruch eingelegt. Zwei Nachbarn schlossen sich dem an. Was folgte, war ein Erörterungstermin beim Landkreis, an dem Ernst und ihre Nachbarn die Gründe für ihren Widerspruch erläutern konnten. „14 Tage vorher kam der Landwirt zu mir, um mit mir zu reden“, erzählt Ernst. „Er sagte, er wolle mir meine Ängste nehmen.“ Und nach einer wohlgesetzen Pause fügt sie hinzu: „Wir haben uns nicht gestritten. Aber überzeugt hat er mich nicht.“

„Wir prüfen nur, was eingereicht wird“

Das gilt zum Beispiel für die Punkte Geruchsbelästigung und Verkehrsaufkommen. „Wenn das alles so vernachlässigenswert ist, wie er mich glauben machen wollte, dann kann er die Mastställe ebenso gut auch unter den Windrädern errichten. Das Gelände gehört ihm auch. Das will er aber nicht.“ Angeblich komme nur das Grundstück in der Nähe von Bettina Ernst für den Bau in Frage – weil an denkbaren Alternativstandorten die Geruchsbelastung für die Anlieger über den tolerierbaren Grenzwerten läge.

In absehbarer Zeit sei keine Entscheidung zu erwarten, heißt es beim Landkreis Diepholz. Die Prüfung des Bauantrags und die Abwägung der Widersprüche dauere noch.

Von sich aus kann der Landkreis übrigens keine Alternativstandorte ins Gespräch bringen. „Wir können immer nur prüfen, was bei uns eingereicht wird“, sagt Joachim Homburg. Der stellvertretende Leiter der Baubehörde umschreibt den eigentlichen Interessenkonflikt so: „Die Mastställe können nur im sogenannten Außenbereich gebaut werden. Da sind sie dann aber privilegiert. Frau Ernst hat in diesem Außenbereich eine bestandsgeschützte Wohnnutzung. Die ist irgendwann einmal ganz legal dort entstanden. Nach heutigem Recht wäre sie aber dort gar nicht mehr genehmigungsfähig.“

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