„Niedersachsen Digital aufgeLaden“

10 Millionen Euro für den Einzelhandel

Annika Schmidt findet: Oft kommt Förderung nicht flächendeckend da an, wo sie gebraucht wird. Sie ist mit ihrer Agentur „einfallsreich“ selbstständig.
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Annika Schmidt findet: Oft kommt Förderung nicht flächendeckend da an, wo sie gebraucht wird. Sie ist mit ihrer Agentur „einfallsreich“ selbstständig.

Twistringen –  Onlineriesen wie Amazon treiben vielen Einzelhändlern schon länger Sorgenfalten auf die Stirn, und dann kam auch noch der Lockdown. Für viele kleine und mittelgroße Läden ist es in der aktuellen Situation wahrlich nicht leicht, Schritt zu halten. Das niedersächsische Förderprogramm „Digital aufgeLaden“ soll ihnen helfen. Es ermöglicht Einzelhändlern seit Ende Januar kostenlose Beratungen zum Thema Digitalisierung.

Nur: Dafür ist ein autorisierter Berater nötig, und solch einen gab es im Landkreis Diepholz bis vor wenigen Tagen nicht.

Annika Schmidt hat dazu beigetragen, das zu ändern. Sie ist eine der ersten zertifizierten Beraterinnen für das Programm im Landkreis. Die Twistringerin findet: Viel zu oft kommen vom Bund aufgelegte Förderungen nicht – oder zumindest nicht flächendeckend – dort an, wo sie benötigt werden. Den Eindruck hatte sie auch, als sie durch ihren Mann, der Einzelhändler ist, erstmals vom Förderprogramm „Digital aufgeLaden“ erfuhr. Sie schaute sich an, wo es Berater gibt und stellte fest: Die sind alle recht weit weg.

Also hat sie sich selbst zertifizieren lassen. Dass sie das konnte, kommt nicht von ungefähr: Sie ist mit ihrer Agentur „einfallsreich“ selbstständig und hat Erfahrung auf dem Gebiet der Digitalberatungen. Um die Autorisierung für das Programm zu bekommen, musste sie das in einem Fragebogen belegen. Anschließend hat es noch ein paar Wochen gedauert, bis alle nötigen Prozesse durchlaufen waren und sie das Zertifikat bekam.

In der Zwischenzeit hat sich im Landkreis noch die Agentur Westermann aus Bruchhausen-Vilsen zertifizieren lassen. Weitere autorisierte Agenturen gibt es laut der Internetseite des Programms in Vechta oder Nienburg.

Das Programm

Das Land Niedersachsen hat das Programm „Niedersachsen Digital aufgeLaden“ gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen sowie dem Handelsverband Niedersachsen-Bremen aufgelegt. Ziel ist, den Einzelhandel krisensicherer und wettbewerbsfähiger zu machen. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium fördert das Programm mit insgesamt zehn Millionen Euro. Zentraler Ansprechpartner ist die Digitalagentur Niedersachsen.

Die Förderung wird über die niedersächsische Investitions- und Förderbank (NBank) abgewickelt.

Das Programm beinhaltet folgende Maßnahmen:

- Digitalisierungsberatungen für kleine und mittlere Einzelhandelsunternehmen durch autorisierte Berater. Fördersumme pro Einzelhandelsunternehmen: bis zu 2500 Euro.

- Eine neue Internetplattform, die Informationen zur Digitalisierung im Einzelhandel bündelt. Im ersten Schritt gibt es hier Informationen zum Förderprogramm. Zudem sind die Berater aufgelistet. Der Link: www.digital-aufgeladen.de

- Workshops rund um Digitalisierung für niedersächsische Einzelhändler

Wer als Einzelhändler die mit bis zu 2500 Euro geförderte Digitalberatung in Anspruch nehmen will, kann sich bei einer der beteiligten Agenturen melden, also auch bei Annika Schmidt. Die 32-Jährige erklärt: „Dann schauen wir, wo Schmerzpunkte sind, was man machen kann und was man vielleicht schon ausprobiert hat.“

Der Antrag auf die Förderung muss über den Berater laufen. Sobald die NBank die Kostenübernahme bestätigt, gehts an die Entwicklung von Konzepten für den Einzelhändler – da kann es dann um die Überarbeitung der Homepage gehen, die Nutzung von sozialen Medien oder den Aufbau eines Online-Shops.

„Die Einzelhändler begeben sich in keine Abhängigkeit. Sie gehen kein Risiko ein“, verdeutlicht Schmidt. Am Ende der geförderten Beratungen im Rahmen des Förderprogramms gibt es bei ihr ein Empfehlungspapier. Was der Einzelhändler damit macht, ist ihm selbst überlassen. Er kann für die Umsetzung weiter mit Annika Schmidt zusammenarbeiten, er kann damit aber genauso gut zu einer anderen Agentur gehen oder es auf eigene Faust versuchen.

Das Interesse am Förderprogramm ist da

Schmidt darf seit letzter Woche Anträge für die Förderberatung stellen. Bisher hat sie das zweimal gemacht, mit weiteren Einzelhändlern steht sie in Kontakt. „Das Interesse ist da“, sagt sie.

Ob Online-Weinproben, WhatsApp-Verkäufe oder Click & Collect: Über Läden in der Coronakrise sagt sie: „Viele waren sehr findig und haben spontan einen Onlineshop aus dem Boden gestampft.“ Andere seien aber hintenrübergefallen. Sie bezeichnet Corona als „Brandbeschleuniger“. Oft würden Schwächen, die ein Unternehmen schon vorher hatte, durch Corona sichtbarer.

Digitales Schaufenster wird wichtiger

Ein Unternehmen könne nie frei sein von Auswirkungen solcher Ereignisse wie einer Pandemie, erzählt sie. Aber es könne versuchen, das Risiko zu streuen. Sie findet es schade, wenn Unternehmen das Internet nur verteufeln und gar nicht versuchen, das Spiel mitzuspielen. Ein Thema, das immer wichtiger werde, sei zum Beispiel das digitale Schaufenster. Es gebe viele Leute, die sich im Internet informieren und Produkte vergleichen, um sie dann im Laden zu kaufen. „Dass muss man mehr nutzen als Einzelhandel“, findet sie. Die 32-Jährige hofft, dass Unternehmen das Beste aus der Pandemie machen und Chancen erkennen – auch, wenn die Situation momentan nicht einfach ist.

Welche Förderangebote gibt es? Um das rauszufinden, empfiehlt Annika Schmidt den digitalen Fördernavigator.

Von Katharina Schmidt

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