Funde bei Schorlingkamp liefern reichhaltige Erkenntnisse über alte Germanen

Trotz 2000 Jahren Ackerbaus ein unversehrtes Gräberfeld

Ausgrabung mit Pinsel und Stuckateurspachtel: Grabungshelferin Marta Friedrich arbeitet an den Überresten einer Feuer bestattung vorsichtig Knochen- und Bronzereste heraus.

Syke - Mit archäologischen Glanzlichtern von Weltruhm wie Troja oder dem Tal der  Könige in Ägypten wird Syke wohl kaum gleichziehen. Doch dieser Name dürfte in Zukunft durchaus eine Rolle spielen, wenn es um die Erforschung der Besiedlung des heutigen Norddeutschlands geht.

Grund dafür liefern die Funde, die im Zusammenhang mit dem Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) bei Ausgrabungen auf Syker Gebiet gemacht worden sind.

Neben einigen interessanten Einzelfunden wie einem römischen Silberdenar aus dem Jahr 161 oder einer Goldmünze mit dem Konterfei des Rudolph von Diep holz aus der Zeit zwischen 1431 und 1455 sind dies vor allem zwei germanische Gräberfelder aus der Römischen Kaiserzeit, die sich grob zwischen die Jahre 0 bis 375 datieren lässt.

Das kleinere dieser beiden Gräberfelder liegt bei Gessel direkt an der Bahntrasse. Dort wurden bislang etwa zehn Gräber gefunden. Das weitaus größere liegt westlich davon im  Bereich der Gemarkung Schorlingkamp. Dort sind bis jetzt 64 Gräber untersucht worden. Und das Gräberfeld ist noch weitaus größer.

„Unsere Grabung orientiert sich an der Trasse der Erdgas-Pipeline und erstreckt sich damit auf eine Breite von 36  Metern“, erklärt der örtliche Grabungsleiter Gerald Bredemann. „Das ist nur ein kleiner Streifen im Gelände“, führt er vor Augen.

Die germanischen Gräberfelder dieser Epoche weisen üblicherweise eine ovale bis runde Form auf. Es ist also anzunehmen, dass der wissenschaftlich interessante Bereich deutlich über die  Pipeline-Trasse hinaus reicht. Wie weit und wie viele Grabstätten das Feld umfassen mag, mag Bredemann nicht spekulieren.  Jedoch geht er davon aus, dass in Sichtweite des Gräberfelds die dazu gehörende Siedlung gelegen hat.

Was dieses Gräberfeld so bedeutend macht, ist: Bisher sind alle gefundenen Gräber vollständig erhalten. Das ist ungewöhnlich, weil man das in diesem seit Jahrtausenden landwirtschaftlich stark genutzten Gebiet bisher für unmöglich gehalten hatte. Doch unterhalb der so genannten Pflug Zone haben diese Relikte der Vergangenheit die Zeit unbeschadet überdauert.

„Das Tolle daran ist: Wir können dadurch das Individuum greifen“, sagt Gerald Bredemann. „Wer wurde da bestattet? Mann oder Frau? Alt oder jung? Reich oder arm? Und woran ist er  gestorben?“ Auf all diese Fragen lasse sich durch die unversehrten Grabstellen eine Antwort finden, Selbst angesichts der Tatsache, dass es sich in bisher allen Fällen um Feuerbestattungen handelt und somit nur noch die Asche der Toten – der Leichenbrand – erhalten ist. Teils in Urnen, teils offen mit den Resten des Scheiterhaufens begraben.

Noch etwa acht Wochen haben die Archäologen Zeit, bis die Pipeline das Gräberfeld zerstört. · mwa

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