St.-Anna-Kirche und Hospizgruppe bieten ab März Treffpunkt für Trauernde an

Trost und Stütze in der schweren Zeit

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Die Hospizhelfer mit Koordinatorin Erika Thoben (l.) und Caritaspfarrer Rainer von Carnap (2.v.l.). ·

Twistringen - Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändert sich das Leben der Hinterbliebenen auf gravierende Weise und es ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Gerade wenn Ruhe eingekehrt ist, verstehen viele Trauernde erst, was wirklich geschehen ist und fühlen sich einsam und verlassen, sind oftmals verzweifelt. Viele möchten dann unter Menschen sein, die ähnliches durchgemacht haben. Deshalb bietet die katholische St.-Anna Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der Malteser-Hospizgruppe ab dem 11. März mit dem „Café in spe“ - „Café in der Hoffnung“, so die genaue Übersetzung aus dem Lateinischen, einen Treffpunkt für Trauernde in der Tagespflege St. Josef an.

„Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust“, erläutert Caritaspfarrer Rainer von Carnap. Viele haben die Bitte an ihn herangetragen, einen Begegnungsort mit Betroffenen zu schaffen. Auf der Suche nach einem Kooperationspartner sprach er die Malteser-Hospizgruppe an. Die Koordinatorin Erika Thoben war sofort von der Idee überzeugt. Die Vorbereitungsgruppe, zu der neben von Carnap und Thoben auch Petra Roeß, Martin Lammers und Georg Beuke gehören, fand schließlich in der Tagespflege St. Josef den passenden Rahmen für ihr Café, in dem ab März an jedem zweiten Sonntag im Monat das „Café in spe“ geöffnet ist – ganz zwanglos, mit Kaffee und Kuchen, von 16 bis 18 Uhr.

Hier möchten sie Angehörigen in der schweren Zeit Trost und Stütze sein und ihnen einen „Schutzraum“ geben, in dem sie ihre Trauer leben können. „Dieser Raum hat für uns oberste Priorität und wird als höchstes Gut behandelt werden“, erklärt Roeß, die gemeinsam mit Lammers an einer einjährigen Ausbildung zur Trauerbegleiterin teilnimmt. „Ich bin aus persönlichen Gründen in die Hospizarbeit eingestiegen und möchte mich nun auch bei der Trauerarbeit einbringen“, nennt sie ihre Beweggründe.

Lammers, der bereits 14 Jahre lang Taufgespräche für die katholische St.-Anna-Kirche durchgeführt hat, wollte sich auch mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzen und schloss sich der Hospizgruppe an. „Was ich hier zurückbekomme, ist mehr, als ich geben kann“, umschreibt er die Arbeit.

Gemeinsam mit vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern laden die beiden Trauerbegleiter alle Trauernden, unabhängig von Konfession und Nationalität ein, ins „Café in spe“ zu kommen. „Sie werden erfahren, wie gut es tut, verstanden und angenommen zu werden, wie auch immer es einem geht oder zumute ist“, sind die Organisatoren überzeugt. „Wer möchte, kann von seinem oft schweren Schicksal erzählen, kann aber auch einfach nur zuhören.“

Thoben, die weiß, dass manchen der Weg ins Café nicht leicht fallen wird, erläutert, dass es vier Trauerphasen gibt, die jeder durchlebt. Die erste Phase sei die Zeit der Verdrängung, das Fernhalten von dieser Situation und der Schock. In der zweiten Phase kämen die „Verhandlungen“ – „wenn ich bete, kommt er bestimmt zurück“. Aggressionen, Neid, das sich Verschließen und auch Depressionen bestimmten die dritte Phase. Letztendlich komme in der vierten und letzten Phase die Annahme. Eine genaue Zeitangabe gäbe es nicht, doch habe der Begriff „Trauerjahr“ wohl einen Sinn. Wer es bis dahin nicht geschafft habe, diese Phasen zu durchleben, laufe Gefahr, seelisch zu erkranken.

Trauer um einen geliebten Menschen höre nie ganz auf. Deshalb sind auch diejenigen herzlich willkommen, deren Verlust schon längere Zeit zurück liegt. · sn

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