Trockenheit bringt Versorger in Ausnahmesituation/Leitungsdruck fällt ab

Lebenselixier Wasser zurzeit extrem gefragt

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Der Wasserverbrauch ist bei der derzeitigen Trockenheit auch im Landkreis Diepholz außergewöhnlich hoch.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Wasserversorger sprechen von einer „Extremsituation“: Durch die anhaltende Trockenheit ist der Wasserverbrauch so stark gestiegen, dass es in einigen Bereichen schon zu Versorgungsengpässen gekommen ist. Weil Bürger die Wasserhähne sprudeln lassen, um Rasen zu sprengen oder Pools zu befüllen, sinkt der Druck in den Netzen. Die Folge: Zeitweise reicht dieser Druck nicht mehr aus, um alle Haushalte mit dem Lebenselixier Wasser zu versorgen.

So hatten Haushalte in Lohne und Steinfeld im Nachbar-Landkreis Vechta am Donnerstagabend überhaupt kein Wasser mehr. „In der Nacht entspannte sich die Lage wieder deutlich“, berichtet Gunnar Meister, Pressesprecher des zuständigen OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband). Mit 1,1 Millionen Kunden ist der OOWV einer der größten Wasserversorger Deutschlands. Im Landkreis Diepholz versorgt er die Städte Bassum und Twistringen mit Trinkwasser.

Die extreme Trockenheit und der enorme Wasserverbrauch der Bürger hat beim OOWV zu einem absoluten Spitzenwert geführt: Für sein gesamtes Versorgungsgebiet – vom Dollart bis zum Dümmer – verzeichnete der Verband am Donnerstag den Tagesrekord von 311029 Kubikmetern Wasser: Der höchste Verbrauch seit Gründung des Verbands im Jahre 1948, so Gunnar Meister.

Einen außergewöhnlich hohen Verbrauch registriert auch der Wasserversorgungsverband Syker Vorgeest, der 32000 Haushalte in den Gemeinden Stuhr und Weyhe sowie der Stadt Syke und den Samtgemeinden Bruchhausen-Vilsen und Thedinghausen mit dem Lebenselixier versorgt. „Wir haben aber ein stabiles Netz, das fängt das ab“, sagt Geschäftsführer Manfred Cattau. Die Syker Vorgeest gewinnt und bezieht das Wasser über die Harzwasserwerke. Etwa 1200 Kilometer lang ist das Rohrnetz, zu dem acht Druckerhöhungsstationen gehören.

Die größte Druckerhöhungsstation pumpt an normalen Verbrauchstagen 400 Kubikmeter Wasser pro Stunde in das Netz – in den Spitzenzeiten sind es zurzeit 600 Kubikmeter, sagt Cattau. Damit liegt der Verbrauch deutlich über dem Durchschnitt von etwa 125 Litern pro Bürger und Kopf.

Vor allem in den Abendstunden zwischen 19 und 22 Uhr verbrauchen laut Cattau die Kunden der Syker Vorgeest das meiste Wasser – womöglich, um den Garten zu sprengen, das Wasser im Gartenpool aufzufüllen oder eine ausgiebige abendliche Dusche zu nehmen.

In diesen Zeiten könne es an „hydraulisch ungünstigen Punkten“, also hochliegenden Hausanschlüssen, zu Absackern kommen, sagt der Geschäftsführer. Das seien Ausnahmefälle, so Cattau, die sich schnell wieder regulieren würden. Will heißen: Die tröpfelnde Dusche ist bei der Syker Vorgeest die Ausnahme.

„Wir haben frühzeitig vorgebaut und sind für Spitzen gewappnet“, sagt Klaus Neuhaus als Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbands Sulinger Land. Der beliefert 32000 Menschen in der Stadt Sulingen sowie den Samtgemeinden Schwaförden, Siedenburg und Kirchdorf mit Wasser.

Mit seinen eigenen Brunnen und drei Wasserwerken ist dieser Verband autark und kann die unterschiedliche Nachfrage deshalb besser abfedern. Letztere steigt während der Spargelzeit enorm, weil das Sulinger Land zu den größten Spargelanbaugebieten Niedersachsen zählt. Die Saison ist beendet, doch der Verbrauch noch immer auf extrem hohem Niveau.

Verbrauchen die Bürger im Sulinger Land im Schnitt 7000 Kubikmeter Wasser am Tag, so sind es jetzt 12500 Kubikmeter, so Neuhaus. Im Wasserversorgungsverband Sulinger Land stehe die Ampel noch auf grün, sagt der Geschäftsführer. Wichtig sei das vor allem für die Löschwasserversorgung.

Im Klartext: Druckabfälle in der Wasserleitung könnten im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Feuerwehr kein Wasser zum Löschen hat – mit möglicherweise fatalen Folgen.

„Die Wasserversorgung ist gesichert“, erklärte gestern Heidrun Lettau für die Stadtwerke Huntetal, die rund 16000 Kunden in der Stadt Diepholz, den Samtgemeinden Rehden und Barnstorf sowie der Gemeinde Wagenfeld versorgen. „Wir haben genügend Reserven, Spitzenverbräuche sind mit einkalkuliert“, so Frank Gläser, Wassermeister der Stadtwerke, die über zwei Wasserwerke verfügen. Zwischen den Werken in Sankt Hülfe (es versorgt 60 Prozent der Kunden) und dem Werk in Wagenfeld (40 Prozent) gebe es eine Verbindungsleitung, die die Versorgungssicherheit noch erhöhe: „Druckschwankungen oder Druckmangel sind deshalb auch bei hohen Abgabemengen nicht zu erwarten.“

Das Netz des OOWV dagegen erstreckt sich über ein Vielfaches der im Landkreis Diepholz angesiedelten Versorger. Er betreibt 15 Wasserwerke. „Sie laufen wegen des steigenden Verbrauchs aktuell unter Volllast“, sagt Pressesprecher Gunnar Meister. Deshalb bittet der OOWV seine Kunden, sparsam mit dem Wasser umzugehen und beispielsweise auf unnötiges Bewässern von Gärten zu verzichten. Auch das Wasser in Planschbecken und Pools sollte nicht vorschnell ausgetauscht werden. „Der Pro-Kopf-Verbrauch entspricht bei uns 115 Litern pro Tag. Ein Vielfaches dieser Menge wird derzeit in den Gärten verbraucht“, sagt Andreas Körner, Bereichsleiter für den Betrieb der Wasserwerke. Und: Der hohe Verbrauch führt zu einer veränderten Fließgeschwindigkeit im Leitungsnetz. Deshalb können sich in den Leitungen kleinste, ungefährliche Partikel von Eisen und Mangan lösen, die das Wasser trüben.

Stellen Bürger in Bassum oder Twistringen das fest, sollten sie sich umgehend unter Telefon 04401/6006 beim OOWV melden.

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