Ausstellung im Kreismuseum / Darunter auch Bilder von Clara Westhoff-Rilke

Treffen mit „Malweibern“

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„Der Graben“ von Clara Westhoff-Rilke

Syke - „Malweiber“ – schon der Titel lockt und öffnet gedanklich Türen. Auch realiter verspricht die nächste Präsentation im Kreismuseum etwas Besonderes. So oft sind Bilder von Clara Westhoff-Rilke in Syke nicht zu sehen. „Eine tolle Sache“, sagt Museumsleiter Ralf Vogeding.

Bei diesen „Malweibern“ handelt es sich um Bremer Künstlerinnen am Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Tradition und Moderne. „Malweiber“ nannte die Gesellschaft um 1900 abfällig jene Frauen, die selbstbewusst neue Wege beschritten und in ein Terrain traten, das bis dato Männern vorbehalten war. Sie malten in der Natur.

„Die Frauen sollten damals in der Küche und Kirche oder sonst wo sein, aber nicht hinter der Staffelei. Höchstens davor für den großen Meister“, erklärt Ralf Vogeding.

Zu diesen „Malweibern“ gehörte neben Paula Becker-Modersohn auch Clara Westhoff-Rilke, Bildhauerin und Malerin, 1878 in Bremen geboren, 1954 in Fischerhude gestorben.

Das Museum zeigt ab 29. Januar (Eröffnung um 15 Uhr) 40 Bilder dieser „Malweiber“. Einführende Worte spricht Dr. Dr. Hannelore Cyrus. Die Sozialwissenschaftlerin und Historikerin hält am 6. März auch einen Vortrag unter dem Titel „Von gelehrigen und gelehrten Frauenzimmern“.

Die Bilder stammen von einer Stuhrer Privatsammlerin. „Ich habe gleich zugegriffen, als sie mir für eine Präsentation angeboten wurden. Sie sind etwas Besonderes“, so Vogeding. Auch wegen Clara Westhof. Die Bremerin nahm 1898 bei Fritz Mackensen in Worpswede Zeichen- und Modellierunterricht. Sie freundete sich mit Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker an und war häufig Gast auf dem Barkenhoff von Heinrich Vogeler. Dort lernte sie 1900 auch ihren späteren Ehemann, den Dichter Rainer Maria Rilke kennen.

1900 nahm Westhoff bei Auguste Rodin in Paris Unterricht als Bildhauerin. Ein Jahr später heiratete sie Rilke. 1901 kam die gemeinsame Tochter Ruth auf die Welt. Rilke zog 1902 nach Paris für eine Monografie über Auguste Rodin.

Im Jahr 1919 siedelte Westhoff mit ihrer Tochter nach Fischerhude über, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Aus ihrem Wohnhaus mit Atelier wurde später das „Café Rilke“.

Die Ausstellung zeigt auch weniger bekannte Bremer Malerinnen. Einst erfuhren sie große Anerkennung. Nach ihrem Tod gerieten sie aber rasch in Vergessenheit. Darunter Toni Elster mit ihren Hafen- und Schiffslandschaften. Margarethe von Reinken bescheinigten damalige Kritiker „tadelloses Handwerk“.

Dora Bromberger attestierten sie, dass ihre Kunst von Ausstellung zu Ausstellung gewinne, Emmy Meyer, dass sie zu den „ernsthaft schaffenden Künstlern“ gehöre. Anna Plate wurde „männliche Verstandesschärfe“ nachgesagt. Anna Feldhusen galt als exzellente Radiererin, die eine „männliche Technik“ glänzend beherrsche. Ida C. Stoever imponierte den Kritikern damals als Frau mit dem „männlichen Duktus“. · vog

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