Lemförder Veeh-Harfen-Orchester stellt Themen textlich, musikalisch und mit Bildern dar

Traum vom gemeinsamen Musizieren

Für das Spiel auf der Veeh-Harfe sind Notenkenntnisse im herkömmlichen Sinn nicht erforderlich, sondern es wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt. Die Notenschablonen werden zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben.

Lemförde - Von Christa Bechtel„Ich mag die leise, engelsgleiche Musik und ich kann üben, ohne dass ich jemanden störe. Seit meiner Pensionierung habe ich auch Zeit, Musik zu machen. Und ich könnte mir vorstellen, dass sie zudem ein Begleitinstrument sein kann“, zählt Lisa Weiss aus Lembruch ihre Beweggründe auf, warum sie Veeh-Harfe spielt und zum Lemförder Orchester unter der Leitung von Gisela Renzelberg gehört.

Was schwierig sei, „dass wir uns selbst die Noten schreiben müssen, denn wir können nicht die nehmen, die im Liederbuch stehen, sondern die Noten müssen umgesetzt werden. Im Liederbuch liest man von links nach rechts, bei den Harfen von oben nach unten“, veranschaulicht die frühere Lehrerin (es gibt aber auch spezielle Veeh-Noten). „Das Instrument gibt es selten und es macht Spaß“, erklären Melanie Schellenberg, 13 Jahre, und die 16-jährige Saskia Wolter, die seit über einem Jahr im Orchester mitspielen. Gefragt wurden sie von Schwester Lydia Schulz, die den Stein ins Rollen brachte...

2007 lernte Schwester Lydia vom Lemförder Mutterhaus „Altvandsburg“ im Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe in Gunzenhausen die Veeh-Harfe kennen und lieben. Vor ihrer Abreise kaufte sie sich spontan solch eine Harfe, nahm sie mit nach Lemförde, wo sie versuchte, andere Menschen für dieses Instrument zu begeistern. Unterstützung, ein kleines Veeh-Harfen Ensemble zu gründen, fand sie recht schnell in Ursula Patzer sowie der Pädagogin Gisela Renzelberg, die das Projekt Mitte Juli 2007 in ihre Hände nahm und ihr Wissen mit Fortbildungskursen in Sachen Veeh-Harfe vertiefte.

Die Geschichte der Veeh-Harfe beginnt übrigens mitten im realen Leben: Der Landwirt Hermann Veeh war auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, Musik aber seit seiner Geburt liebte. Die Erinnerung an alte Saitenzupfinstrumente mit Notenschablonen gab Hermann Veeh den entscheidenden Impuls, der sich an den Fähigkeiten seines Sohnes orientierte und ein völlig neues Musikinstrument konzipierte: einfachst in der Handhabung, ansprechend in der Formgebung, bezaubernd im Klang. Für Andreas und viele andere Menschen öffnete sich eine wunderbare Welt und der Traum vom gemeinsamen Musizieren wurde Wirklichkeit.

„Die Leute sind auch begeistert und sagen oft: Kommt doch mal wieder“, berichtet Gisela Renzelberg, die mit ihrem Ensemble bislang nicht nur in der Dümmerregion mit zahlreichen Auftritten begeisterte, sondern auch in Sundern, Wagenfeld, Dielingen oder Haldem. „Jetzt haben wir für Anfang 2010 eine Anfrage aus Bremen. Und im Frühsommer bieten wir eine Freizeit mit Darbietungen in der Lobetalarbeit, eine Einrichtung der Diakonie, in Celle an“, freut sie sich. Weitere Anfragen für Schnuppertage liegen aus Bad Essen, Dielingen oder Wagenfeld vor. „Es ist sehr schwierig, dass man Kinder und Jugendliche zu Erwachsenen dazu bekommt, aber das ist uns echt gelungen“, sagt Gisela Renzelberg begeistert. Das Besondere sei weiterhin, „dass wir nicht nur etwas vorspielen, sondern dass wir Themen darstellen. Das heißt, dass wir uns beispielsweise das Lebensbild eines Komponisten herausgreifen oder aktuelle Themen, wie die vier Jahreszeiten.“ Das Ganze werde textlich, musikalisch und mit Bildern dargestellt. Aktuell natürlich das Weihnachtsmotiv. Gespielt werden Choräle, Volkslieder, Gospelliteratur, aber auch Klassik. Bislang gehören dem etwa 30-köpfigen Ensemble nur Frauen an, „aber es dürfen auch jederzeit Männer dazu kommen, das würde die ganze Sache beleben“, betont Gisela Renzelberg. Im Gästehaus Vandsburg im Haus Bethesda proben die Erwachsenen dienstags, die Kinder und Jugendlichen donnerstags, jeweils ab 17 Uhr. Wer ebenfalls Interesse hat, kann sich an Gisela Renzelberg unter Tel. 05443 / 20 37 60 wenden.

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