Neues Buch: „Stationen jüdischen Lebens in Diepholz“

Tief beeindruckend

Der neue Diepholzer Ehrenbürger Günter Roberg – letzter Zeitzeuge der Judenverfolgung in der Kreisstadt.

Diepholz - · Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den heute in Israel lebenden Günter Roberg war für Falk Liebezeit, Reinald Schröder und Peter Sobetzki-Petzold Anlass, ein besonderes Buch herauszugeben: „Stationen jüdischen Lebens in Diep holz“ (wir berichteten). Andrea Zeeb-Lanz, gebürtige Diepholzerin, die heute in Rheinland-Pfalz als Archäologin arbeitet, hat das Buch gelesen und schreibt dazu:

„Als Schülerin habe ich vor 33 Jahren gemeinsam mit Volker Rache in der Graf-Friedrich-Schule eine kleine Ausstellung zu „Juden in Diepholz“ konzipiert. Mit den zahlreichen interessanten Details zur Geschichte und den Schicksalen der Diepholzer Juden aus dem hier zu besprechenden Buch wäre diese sicher erheblich umfangreicher geworden. Immerhin entstand damals ein Kontakt zu Günter Roberg, mit dem unsere Familie noch heute in freundschaftlicher Verbindung steht.

Die ihm jüngst verliehene Ehrenbürgerwürde war Anlass für die Herausgabe eines bemerkenswerten, kleinen Buches. Sein hochinteressanter, aber auch mit tragischen und grausamen Details der Geschichte der jüdischen Diepholzer Bürger gespickter Inhalt ist in Form eines „historischen Spaziergangs“ durch Diepholz gestaltet, der einen viele Gebäude und Lokalitäten mit völlig neuen Augen sehen lässt. Schon die ausgezeichnete und emotionsgeladene Einführung der Herausgeber macht neugierig auf den Inhalt; es wird darin deutlich, dass die Autoren selbst fassungslos sind angesichts der Greuel der Nazizeit, die ihren Niederschlag auch in unserer Stadt gefunden haben. Jedem Leser des Bandes wird es kaum anders gehen – mich selbst hat die hier aufgezeichnete Geschichte der Juden meiner Heimatstadt zutiefst betroffen gemacht.

Ein Stadtplan mit den Stationen dieses Rundganges zu den Wohn- und Wirkungsstätten unserer jüdischen Mitbürger ermöglicht eine schnelle Orientierung im ersten Teil des Buches, dazu wird der Lebensweg der Bewohner knapp skizziert. Heutige Ansichten der jeweiligen Örtlichkeiten sind eine gelungene Gegenüberstellung zu alten Aufnahmen der einzelnen Häuser.

Gestorben in der Schoah – ermordet in Sobibor – getötet in Minsk – ermordet in Theresienstadt: Diese knappen Bemerkungen zum Schicksal etwa der Hälfte der Diepholzer Juden sind gerade in ihrer Schlichtheit äußerst bewegend.

Die Diepholzer bemühen sich schon lange, das furchtbare Unrecht zu sühnen und aktiv zu einer Versöhnung beizutragen. Die bewegenden Worte des Superintendenten Haarmann anlässlich der Einweihung des Mahnmals auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof 1997 zeugen davon. Da das Buch aus Anlass der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Günter Roberg erschienen ist, erscheint es nur folgerichtig, dass der Familie Roberg ein längerer Abschnitt gewidmet ist.

Mit „heißer Nadel gestrickt“, weist das Werk einige kleine Schwachstellen auf – Wiederholungen einer Reihe von Fakten in jeweils verschiedenen Kapiteln hätten sicher vermieden werden können. Das unruhige Schriftbild, bedingt durch den Flattersatz und ein paar weitere Layoutschwächen sind ebenfalls Kritikpunkte. Dies kann aber dem Wert des Werkes in keiner Weise Abbruch tun.

Was uns nun vorliegt, ist ein tief beeindruckendes, mit akribischer Recherche geschriebenes und nachdenklich stimmendes Buch – ein „Lese-Muss“ für alle Diep holzer jeglicher Generation!“Andrea Zeeb-Lanz

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