Schulung für ehrenamtliche „Streetwatcher“ / Beginn des Projekts im Juli / Einstieg noch möglich

Wie ticken Jugendliche heute ?

„Ey Alter, du kommst hier nicht vorbei“: Marcus Grosser (l.) und Manfred Preuss üben Deeskalation.

Br.-Vilsen - (ah) Mit einem Dutzend Ehrenamtlicher startet im Juli das Projekt „Streetwatcher“ nach Weyher Vorbild in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Dies ist das Ergebnis einer Schulung, die der Präventionsaktivkreis am Sonnabend in der Mensa des Schulzentrums veranstaltet hatte. Unter dem Motto „Kümmern statt Kontrolle“ wollen die Helfer zunächst an einem bis zwei Wochenenden im Monat die öffentlichen Plätze in der Samtgemeinde aufsuchen, an denen sich Jugendliche aufhalten, um mit ihnen in Kontakt zu treten.

Doch wie ticken die Jugendlichen heute ? Anders als die von vor 30, 40 Jahren ? Dies beschäftigte die Teilnehmer zu Beginn des Treffens. Es waren ganz unterschiedlichen Lebensbereiche, aus denen die Frauen und Männer zusammenkamen: der Jugendpfleger, der das Projekt spannend fand, weil die Kids auf der Straße authentisch sind; Mütter und Vater von Kindern in der Pubertät; der Politiker, der sich informieren wollte. In der Diskussion führten sie einen erhöhten Leistungsdruck, eine veränderte Medienlandschaft und fehlende Sozialkompetenz als Unterschiede zu früher ins Feld. Von „messbaren Veränderungen“ berichtete Marcus Grosser, Vorsitzender des Vereins „PRO YOUgend“ und Initiator der „Streetwatcher“ in Weyhe. Drogenkonsum und Vandalismus hätten deutlich zugenommen. Dies hatte Ende April 2008 zum Start des Projekts in Weyhe geführt.

Gegenüber den Kommunen im Bremer Speckgürtel hat die Samtgemeinde zwar vergleichsweise geringe Probleme mit Jugendlichen. Trotzdem will der Aktivkreis sie präventiv auf die Folgen ihres Alkoholkonsums aufmerksam machen. Sie sollen Verantwortung für ihre Treffpunkte übernehmen.

Für Weyhe stellte Grosser eine „sehr gute und spürbare Akzeptanz“ des Projekts bei den Jugendlichen fest. Weniger Beschwerden der Anwohner, weniger Müll, weniger Vandalismus seien die Folgen. Gewalttätige Übergriffe auf die „Streetwatcher“ habe es bislang nicht gegeben.

„Streetwatcher“ ziehen zu dritt los. Nach Möglichkeit sollten immer eine Frau und ein jüngerer Kollege zum Team zählen. „Frauen deeskalieren anders als Männer“, erklärte Grosser, der den Ehrenamtlichen gemeinsam mit seinem Kumpel Manfred Preuss Tipps für den Umgang mit den Jugendlichen gab. „Es spielt keine Rolle, wie stark oder groß man ist, sondern wie man den Jugendlichen gegenübertritt“, erklärte Preuss. Konkret heiße das: „Hinschauen, Situation einschätzen, im Team die Vorgehensweise absprechen und sicher auftreten.“ Lieber „einen Schritt zurückweichen und gucken. Gucken ist das Wichtigste“, riet Grosser und fügte hinzu: „Tacheles reden, ohne jemanden in der Gruppe bloßzustellen.“

Über seine Erfahrungen während der Probleläufe in der Samtgemeinde berichtete Ingo Rahn. Er war mit seinem Team an zwei Abenden unterwegs, darunter auch im Umfeld des Kinder- und Jugendtags. Seine Einschätzung: „Wir können vielleicht Vandalismus verhindern, nicht aber das Alkoholproblem. Das ist Elternsache.“

Samtgemeindejugendpfleger Michael Wegner hatte einen Beutel mit Leergut, Zigarettenschachteln und Disco-Flyern mitgebracht, um die Teilnehmer für Regelungen des Jugendschutzgesetzes zu sensibilisieren. Und was es heißt, als Ehrenamtlicher im Auftrag der Gemeinde das Hausrecht durchzusetzen, darüber referierte Niklas Fuchs von der Syker Polizei. Doch auch in diesem Punkt gab Grosser Entwarnung: Bislang hätten die Weyher „Streetwatcher“ noch keinen Platzverweis ausgesprochen.

Ein Treffen der Ehrenamtlichen zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise ist für Mittwoch, 8. Juli, 19 Uhr, in der Gaststätte „Alter Bahnhof“ in Bruchhausen-Vilsen anberaumt. Wer noch einsteigen möchte, wendet sich an Christine Schröder, Tel. 04252/ 39 11 16, oder kommt einfach vorbei.

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