Thomas Pilz geht/Zwölf Jahre gewirkt/Alexianer wollen Nachfolger vorstellen

Geschäftsführer kündigt

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Thomas Pilz

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Extrem schwierige Zeiten für die Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz: Millionenschwere Defizite drücken – und ein Mammut-Arbeitsauftrag des Kreistags muss abgearbeitet werden. Ausgerechnet in dieser Situation steht der Experte vor Ort nicht mehr zur Verfügung. Thomas Pilz, seit der Geburtsstunde der Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz ihr Geschäftsführer, hat gekündigt.

Das hat diese Zeitung aus mehreren Quellen erfahren. Bestätigt haben die Alexianer die Kündigung des 52-jährigen Geschäftsführers jedoch nicht.

Von Münster aus wirken Gerald Oestreich und Andreas Barthold als Geschäftsführer der Alexianer.

Jedoch spricht die telefonische Einladung zu einem Pressetermin Bände: Der Öffentlichkeit soll heute ein neuer Geschäftsführer vorgestellt werden. Schon seit Monaten muss also hinter den Kulissen um die Geschäftsführung gerungen worden sein.

Bestätigen die Alexianer heute die internen, dieser Zeitung vorliegenden Informationen, dann übernimmt Uwe Lorenz am 1. Dezember die Aufgabe von Thomas Pilz. Der langjährige Alexianer-Geschäftsführer hat demnach zum Jahresende gekündigt.

Thomas Pilz war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Deshalb lässt sich über die Gründe für diese Entwicklung allenfalls spekulieren.

Fakt ist, dass ein Geschäftsführer vor Ort ist und zwei weitere in Münster sitzen – und dass die Situation der Kliniken im Landkreis Diepholz alles andere als einfach ist.

Gegen die vom Kreistag angekündigten Strukturveränderungen zur Zukunftssicherung begehren Bürger auf. Erst vor wenigen Tagen hatte die Bürgerinitiative für den Erhalt der Klinik Diepholz 17521 Unterschriften an Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt übergeben.

Zwei Drittel aller Kliniken in Niedersachsen schreiben rote Zahlen – darauf weist die niedersächsische Krankenhaus-Gesellschaft immer wieder hin. Ursache ist vor allem die Tatsache, dass der Landesbasisfallwert (Schlüssel für die Vergütung von Krankenhaus-Leistungen) deutlich unter dem Satz anderer Bundesländer liegt. Eine Modellrechnung hatte erst im Juli bewiesen: Würden die Alexianer-Kliniken nach dem Bremer Schlüssel abrechnen können, bekämen sie 1,15 Millionen Euro mehr – und mit dem Satz von Rheinland-Pfalz sogar 3,5 Millionen Euro mehr.

2005 hatte der Landkreis Diepholz seine hoch defizitären Kliniken in Diepholz, Bassum und Sulingen den Alexianern übertragen. Der damalige Landrat Gerd Stötzel verglich sie mit „Patienten, die gerade gestorben waren“. Die Partnerschaft mit den Alexianern sei die Rettung gewesen.

Schon 1994 hatten sie das Krankenhaus St. Anna Twistringen von der katholischen Kirchengemeinde übernommen. Thomas Pilz war seit 2003 Geschäftsführer dort – und erwies sich nach der Besiegelung der Partnerschaft als Architekt des sogenannten Einhaus-Konzepts für die Kliniken im Kreis, um ihre Zukunft zu sichern. Unbeliebte Entscheidungen musste der Geschäftsführer öffentlich vertreten – wie die Schließung der Geburtshilfeabteilung Ende 2012. Oder den Umzug der Psychiatrie vom St.Annen-Stift nach Bassum, der noch aussteht. Sage und schreibe 17,5 Millionen Euro stellte das Land aber für den Neubau zur Verfügung. Damit sollten Maßstäbe in der Versorgung psychisch kranker Menschen gesetzt werden, sagte damals Krankenhausplaner Boris Robbers. 19 Millionen Euro waren zuvor in den Um- und Erweiterungsbau für die somatische Klinik in Bassum geflossen.

Der Umsatz der Kliniken lag 2006, im ersten vollen Wirtschaftsjahr der Alexianer-Kliniken, bei 66,5 Millionen Euro. Fünf Jahre später waren es 73,1 Millionen Euro. Diese Zahlen hatte die Geschäftsführung 2012 vorgestellt – und betont: „Der Klinikverbund schreibt noch keine schwarzen Zahlen.“

Heute gehören die Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz zu den zwei Dritteln der Krankenhäuser in Niedersachsen, die wegen der Strukturpolitik rote Zahlen schreiben. Zur Zukunftssicherung hatte der Landkreis als Mitgesellschafter (er hält 48 Prozent an den Kliniken) ein Fachgutachten in Auftrag gegeben – und den Alexianern per Kreistagsbeschluss elf Arbeitsaufträge erteilt.

Internen Informationen zufolge soll es heute an den Klinik-Standorten in Bassum, Sulingen, Twistringen und Diepholz sogenannte „Standortkonferenzen“ geben. Dabei sollen die Mitarbeiter (insgesamt 1300) über den Geschäftsführer-Wechsel informiert werden.

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