Johann Hüneke sammelt alte Gartenwerkzeuge

Zwischen Schummelwaage und Jauchepumpe

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Metallplatte mit Hintergedanken: Johann Hüneke zeigt die Schummelwaage, ein besonderes Stück seiner kleinen Sammlung alter Gartenwerkzeuge. Das zusätzliche Gewicht machte gut und gerne zehn Prozent aus. 

Gessel - Von Ulf Buschmann. Sie steht etwas verloren auf dem Regal. Auf den ersten Blick fällt das Besondere an der Waage nicht wirklich auf. Erst bei genauerem Hinschauen lässt sich die Metallplatte unter der Schale erkennen. Sie ist nicht etwa kaputt, das zusätzliche Stück ist gewollt. „Das ist eine Schummelwaage“, sagt Johann Hüneke nicht ohne Stolz und mit einem verschmitzten Lächeln. Sie ist eines der kleinen Schmuckstücke der Sammlung des heute 77-Jährigen.

Hüneke, Gessels ehemaliger Ortsbürgermeister, sammelt seit vielen Jahren ausgediente Gartenwerkzeuge. Doch nicht nur die finden sich im ehemaligen Verkaufsraum seiner Gärtnerei an der Feldstraße. Auch das eine oder andere Küchengerät und Hilfsmittel in Sachen Fortbewegung findet sich dort. Kurz: Was Hüneke zusammengetragen hat, ist ein Stück am Leben gehaltene Dorfgeschichte.

Eine Systematik gibt es nicht, schließlich ist Hüneke kein Museumspädagoge, sondern gelernter Gärtner. Bis zu seiner Pensionierung hat er auf dem Gelände des heutigen Bremer Klinikums Bremen-Mitte, dem früheren Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße, gearbeitet. „Unsere Gärtnerei haben wir nebenbei betrieben“, sagt er. 

Hier und da sei immer ein Stück angefallen, das er zur Seite gestellt habe. Oder er habe ein Stück durch Zufall entdeckt. Wie den Dreh-Wende-Pflug eines verstorbenen Bauern, der eigentlich für den Schrotthändler bestimmt war. Hüneke nahm ihn mit nach Bremen und gestaltete damit einige Jahre den Eingangsbereich der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde.

Ein echtes Pfund: Altes Gewicht mit dem Pfund-Zeichen

Ein besonderes Stück ist die Schummelwaage. Sie gehörte einst dem Verwandten eines alten Hüneke-Freundes. Über ihn weiß der passionierte Sammler eigentlich so gut wie nichts. Allerdings vermutet Hüneke, dass er Händler gewesen sein muss – und seine Kunden beschummelte. Immerhin macht das Gewicht unter der Wiegeschale gut und gerne zehn Prozent aus. „Wer 100 Pfund Kartoffeln haben wollte, bekam nur 90, zahlte aber den vollen Preis“, erklärt Hüneke die Funktionsweise der Schummelwaage.

Wie der ehemalige Besitzer der Waage seine Kunden jedoch beschummeln konnte, ohne dass die Behörden davon Wind bekamen, ist Hüneke noch heute ein Rätsel. „Die werden doch geeicht, und jeder Händler musste mit seiner Waage zum Eichamt. Ihm fallen dazu zwei Erklärungen ein: Es gab zwei Waagen oder das Mogelgewicht ließ sich abnehmen, ohne dass die Beamten etwas mitbekamen. „Die Leute waren eben auf ihre Art plietsch“, meint Hüneke belustigt und anerkennend zugleich.

Zentrifuge, Düngemolle und Gartengeräte

Ein stiller Zeitzeuge früher Mobilität ist die Karbidlampe. Es ist eine Gaslampe, in der in der Regel Kalziumkarbid transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Karbidlampen kamen als Straßenbeleuchtung, im Bergbau und ab 1896 auch im Straßenverkehr zum Einsatz. Damit waren Kutschen und Räder ausgerüstet – ein vor allem auf dem Land sinnvolles Hilfsmittel, denn in den Dörfern und kleineren Städten gab es meistens keine Straßenbeleuchtung.

Neben der Karbidlampe stehen auch noch ein Kaffeeröster und eine Zentrifuge zum Trennen von Milch und Sahne. Ein Stück weiter zwischen Schaufeln, Harken und anderen Geräten hängt eine Düngemolle. „Damit sind die Bauern früher übers Feld gelaufen und haben den Samen ausgestreut“, gewährt Hüneke einen kleinen Einblick in die lokale Geschichte.

Ein schönes Stück ist zudem die von Hüneke selbst wieder aufgearbeitete Wasserpumpe. Sie erstrahlt in Bronze und Messing. Zur Demonstration hat der Pensionär einen Eimer an den Auslass gehängt. „Wenn wir Durst hatten, gab’s Muskelkraft und den Eimer. Daraus konnten wir trinken“, sagt Hüneke. Die Pumpe sei zwar nicht angeschlossen, aber durchausfunktionsfähig.

Gleiches gilt für die Jauchepumpe. Sie sei benutzt worden, um die Fäkalien des Viehs aus dem Stall herauszubekommen. Wer davor steht und etwas Fantasie hat, riecht es förmlich.

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