Serie: Unterwegs mit Fahrlehrer Klaus Tiesing

Im Zweifelsfall: Blickkontakt aufnehmen und sich verständigen

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Wer hat hier Vorfahrt? Das ist an dieser Stelle tatsächlich noch nicht eindeutig geklärt. Die Zufahrt zum Rewe-Parkplatz ist zwar eine Straße (also würde rechts vor links gelten), sie ist aber „nur“ ein Privatweg. Vorsichtshalber hat die Stadt in der Zufahrt mal ein Schild „Vorfahrt gewähren“ aufgestellt. 

Syke - Von Michael Walter. Für Autofahrer ist Syke ein durchaus schwieriges Pflaster: Es gibt eine ganze Reihe nahezu versteckter Straßeneinmündungen, viele Vorfahrtsituationen sind auf den ersten Blick oft unklar – manche auch auf den zweiten – und an der einen oder anderen Stelle werden selbst erfahrene Autofahrer stutzig. Fahrlehrer Klaus Tiesing hat diese Stellen einmal mit uns abgeklappert.

Die Situation ergibt sich jeden Tag ein Dutzend Mal: Vom Rewe-Parkplatz will ein Auto die Einmündung am Ernst-Boden-Platz überqueren. Von links kommt ein anderes Auto aus der Hauptstraße. Wer hat Vorfahrt?

Normalerweise wäre das ein klarer Fall: Solange kein Schild etwas anderes sagt, gilt rechts vor links. Das Auto, das vom Rewe-Parkplatz kommt, dürfte also zuerst fahren, das Auto aus der Hauptstraße müsste warten.

Tatsächlich ist es aber anders: Die Zufahrt zum Rewe-Parkplatz ist zwar eine Straße – aber ein Privatweg. „Hier gibt es tatsächlich keine eindeutige Regelung“, sagt Klaus Tiesing. „Wir Fahrlehrer und Prüfer beraten uns da noch, wie wir damit umgehen wollen.“ Allen, die den Führerschein schon haben, legt er den alten Grundsatz ans Herz: Blickkontakt aufnehmen und sich untereinander verständigen.

Auch routinierte Fahrer machen Fehler

Das gilt so ähnlich auch auf dem Parkplatz am Hachepark-Center, obwohl dort die Situation sogar ganz eindeutig geregelt ist – nur eben anders als man zunächst denken würde. Wer aus Richtung Hauptstraße kommt und die Kleinbahn überquert, befindet sich bis zur Ampel an der B 6 auf der Straße Zum Hachepark. Zu beiden Seiten liegen Parkplätze. Die Straße hat Vorfahrt, und wer jetzt von rechts kommt, muss warten. Mit einer Ausnahme: In Höhe des Fußgängerüberwegs befindet sich rechter Hand die Zufahrt zum Dänischen Bettenlager und zu McDonald’s. Auch dort liegen Parkplätze. „Im Stadtplan ist das aber als Straße eingezeichnet“, sagt Tiesing. „Also gilt hier tatsächlich rechts vor links. Es weiß nur praktisch niemand.“ Und falls doch, kann er nicht damit rechnen, dass es auch die anderen Verkehrsteilnehmer wissen.

In Barrien bietet die B 6 gleich zweimal die Chance, elegant seinen Führerschein zu verlieren, wenn es dumm läuft. Einmal an der Jet-Tankstelle und einmal an der Einmündung der Straße Südfeld. In beiden Fällen ist die Situation dieselbe: Wer sich nach rechts auf die Bundesstraße einfädeln will, blickt nach links, um eine Lücke im Verkehr abzupassen. „Die Fußgängerampel rechts hat man dagegen nicht im Blick“, sagt Tiesing. „Wenn dann ein Auto anhält, freut man sich: Oh, klasse, der lässt mich rein. Dabei hält der Wagen nur, weil gerade jemand die Fußgängerampel aktiviert hat.

Am Südfeld ist man das mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar selbst. Denn dort befinden sich Induktionsschleifen im Boden. „Alles in Ordnung, solange man dann abbiegt und vor der Ampel wieder anhält“, sagt Tiesing. „Es kommt aber durchaus vor, dass man im Eifer des Gefechts die rote Ampel gar nicht oder erst zu spät wahrnimmt und einfach durchfährt.“ Das kann dann auch gestandenen Autofahrern passieren.

„Man kennt seinen Fahrschüler, seinen Prüfling kennt man nicht“

„Es gibt so einen alten Spruch: Man kennt seinen Fahrschüler, seinen Prüfling kennt man nicht“, sagt Tiesing. „Die meisten, die durchfallen, haben sich selbst zu sehr unter Druck gesetzt“, ist seine Erfahrung. „Die Aufregung, die Prüfungssituation. Nicht jeder kann damit gut umgehen. Und dann gibt es Dinge, die kannst du einfach nicht üben, die treten bei der Fahrprüfung zum ersten Mal auf.“ Ein Mitarbeiter von ihm hatte das einmal bei einer Prüfungsfahrt in Bremen erlebt. „Da ist der Prüfling mitten in der Stadt in einen Militärkonvoi geraten. Wie soll man sowas üben?“

Der Fahrschüler hatte in dieser Situation übrigens alles richtig gemacht und seine Prüfung bestanden.

Sie haben selbst eine „Lieblingsstelle“ im Syker Straßennetz, an der die Vorfahrtssituation unklar ist oder bei der Sie sich über das Fehlverhalten vieler Verkehrsteilnehmer aufregen? Bitte melden Sie sich bei uns, vielleicht nehmen wir diese Stelle ja in unsere Serie auf. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail an:

lokales.syke@kreiszeitung.de

Im ersten Teil unserer Serie standen bereits der Kreisverkehr auf der Lindhofhöhe und eine tükische Rechts-vor-Links-Regel am Amtsgericht im Mittelpunkt. Und auch im zweiten Teil gab es einige Gelegenheiten, um seine Führerschein-Prüfung grandios erfolglos zu beenden.

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