Fotoausstellung über Venedig

Zwei Seiten einer Medaille

Die Fotos von Karl-Heinz Wiechers hängen schon. Zu sehen sind sie ab Sonntag im Café Alte Posthalterei – und in buchstäblich neuem Licht: Der Verein Rund ums Syker Rathaus lässt bis dahin eine neue blendfreie Beleuchtung installieren. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Michael Walter. Venedig ertrinkt. Dessen ist sich Karl-Heinz Wiechers sicher. Nicht in den Fluten des durch den Klimawandel steigenden Meeresspiegels, sondern im Massentourismus. Seit Jahren beobachtet Wiechers die negativen Auswirkungen und hält sie mit der Kamera fest. Eine Auswahl seiner Bilder zeigt der Künstler ab nächstem Samstag, 4. Februar, im Café Alte Posthalterei und im Spieker. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.

Der 66-Jährige ist ein künstlerischer Quereinsteiger mit einer bewegten Biografie. Geboren wurde er in Hessen, genetisch ist er zur Hälfte Berliner Hugenotte und zur Hälfte Pommeraner, vom Selbstgefühl her aber ein Norddeutscher. Gelernt hat er sowohl Bankkaufmann als auch Rechtsanwalts- und Notargehilfe. Gearbeitet hat er bis vor drei Jahren bei einer Krankenkasse in Bremen, wo er die Vertragsabteilung leitete. „Geknipst habe ich schon immer“, sagt er. „Das Fotografieren hat sich über Jahre daraus entwickelt.“

Wie seine Liebe zu Venedig. Lange Zeit hatte ihn die Lagunenstadt überhaupt nicht interessiert, bis er eines Tages eher zufällig während des Maskenkarnevals dort war – der ihn bis dato noch viel weniger interessiert hatte. Doch Wiechers lernte dabei für ihn unerwartet schöne Seiten der Stadt kennen und kommt seitdem immer wieder zurück. „Beinahe jedes Jahr“, sagt er.

Feststellen musste er dabei, dass sich im Lauf der Zeit immer mehr der schönen Seiten veränderten – und die meisten nicht zum Besseren, wie er findet. „Die ursprünglichen urbanen Funktionen der Stadt treten immer weiter hinter den Massentourismus zurück“, sagt er.

„Ursprüngliche Geschäfte werden abgelöst von Ketten, Ramsch- und Nippesläden. Die Preise für Wohnraum steigen ins Unermessliche. Und das größte Übel sind die Kreuzfahrtschiffe.“ Die verpesten laut Wiechers die Luft mit ihren Abgasen, richten unter Wasser immense Schäden an, und die Passagiere ließen kaum Geld in der Stadt.

Wiechers hat diese Seite der Stadt ebenso festgehalten wie die schöne – und stellt in seiner Ausstellung beide einander gegenüber. Seine Fotografien hat er auf einem speziellen Aquarell-Papier ausgedruckt, das ihnen das gewisse Etwas verleiht. „Das mach' ich nie wieder“, sagt er lachend. „Es ist SO schwierig und umständlich. Aber unterm Strich hat sich's gelohnt.“

Überzeugen können sich die Syker davon ab Sonntag. Die Ausstellung läuft bis zum 23. April.

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