Geister scheiden sich an Zulassungsdebatte

Glyphosat: Für den einen Notnagel, für den anderen Skandal

Wilken Hartje

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. In einem sind sich Kreislandwirt Wilken Hartje und Ulf Walek, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Syke und Umland, einig: Das Vorgehen von Agrarminister Christian Schmidt (CSU), im Alleingang für eine fünfjährige Verlängerung des Glyphosateinsatzes zu stimmen, war – besonders vor dem Hintergrund der Gespräche über eine mögliche große Koalition – unglücklich. Walek nennt es sogar „skandalös“.

Ansonsten haben beide verschiedene Standpunkte. Für Walek wäre ein klares „Nein“ zum Glyphosat die richtige Entscheidung gewesen. „Da die Gefahr besteht, dass es krebserregend ist, sollte man es vom Markt nehmen.“ Durch die massive Vernichtung des Unkrauts gefährde man schließlich auch die Insekten. „Nach der Rapsblüte entsteht ein Nahrungsmangel für die Bienen, die nirgendwo mehr Blühstreifen finden.“ Jeder, der sich der Natur verbunden fühle, könne den Einsatz von Glyphosat nicht gut heißen. Die Gutachten, die in den Beschluss mit eingeflossen seien, seien von der Industrie gekommen, was ihre Glaubwürdigkeit zweifelhaft mache.

Wilken Hartje hingegen vertraut auf die Berichte der EU-Behörden, die alle den Unkrautvernichter positiv bewertet hätten. Davon ausgehend kann er die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Doch statt einer Verlängerung, die das Problem nur vertage, hätte er sich gewünscht, dass sich die Verantwortlichen Zeit nehmen, sich in Ruhe zusammensetzen und gemeinsam eine scharfe Regelung für den Einsatz von Glyphosat entwerfen. „Es sollte als eine Art Notnagel für die Landwirte erhalten bleiben“, findet Hartje. Bedingungen sollten sein, dass es nur alle paar Jahre und dann vor der Saat ausgebracht wird. „Es soll nicht über den Weizen gespritzt werden, um als Ernteerleichterung zu dienen. So verhindert man auch, dass Wirkstoffe in die Nahrung gelangen.“ Vielleicht sei das Mittel in der Vergangenheit auch zu günstig gewesen, sodass es zu häufig eingesetzt worden sei, um Zeit und Diesel zu sparen. Aber warum ist es so schwer, eine solche Regelung zu erarbeiten? „Ich vermute, weil Landwirtschaft in der EU sehr unterschiedlich betrieben wird“, so Hartje.

Ulf Walek glaubt nicht an positiven Effekt

An einen positiven Effekt durch eine Regelung glaubt Ulf Walek nicht. „Das wurde auch bei Antibiotika versucht und hat nicht geklappt. Außerdem haben die Landwirte schon jetzt mit so vielen Reglementierungen zu kämpfen.“

Für Hartje hingegen steht fest: Ganz ohne Glyphosat geht es einfach nicht. „Nur mit Bio kriegen wir die Welt nicht satt!“ Dürften Betriebe es nicht mehr einsetzen, seien sie auf den Pflug angewiesen, und diejenigen, die keinen hätten, bekämen ein großes Problem. Zudem fürchtet Hartje, dass ein Glyphosatverbot der Anfang vom Ende der Pflanzenschutzmittel sein könnte. „Auf der Flasche ist ein X zu sehen. Nun könnte man auf die Idee kommen, alle andere Mittel, die dasselbe Zeichen tragen, aus dem Handel zu nehmen.“

Die ganze Diskussion ist ihm zu emotional und zu wenig sachlich. „Fachleute werden überhaupt nicht gehört, stattdessen wird das Ganze eine rein politische Debatte, und die Entscheidung so kurz vor Schluss übers Knie gebrochen.“

Sollte sich herausstellen, dass Glyphosat tatsächlich krebserregend sei, müsse es selbstverständlich aus dem Handel genommen werden, sagt Hartje. „Wir Landwirte, die ja damit in Kontakt kommen, wollen ja auch lange leben.“ Ulf Walek zeigt Verständnis für die Haltung der Bauern: „Sie müssen ja auch Geld verdienen. Und in der EU regiert nun mal leider das Motto: Masse statt Klasse.“

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