Nachfolgerin steht schon bereit

Arzt Stephan Waldinger hört Ende des Jahres auf - doch die Zukunft in Barrien ist Rosa

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Stephan Waldinger schließt Ende des Jahres seine Praxis an der Verdener Brake – und freut sich auf seinen Ruhestand. 

Wenn es um die ärztliche Versorgung auf dem Land geht, ziehen in einigen Kommunen in Niedersachsen dunkle Wolken auf. Händeringend suchen Gemeinden und Städte nach Medizinern, die sich in den Dienst der Opfer von grippalen Infekten, Zeckenbissen und Hexenschüssen stellen. Während so mancher Patient andernorts schwarz sieht, ist die Zukunft in Barrien Rosa – und zwar in doppeltem Wortsinn.

Barrien - Mit Dr. Peter Stegemann-Auhage, Stephan Waldinger und Piet Lueßen/Dr. Ann-Kathrin Bicker stehen derzeit gleich drei Praxen für die Barrier zur Verfügung. Noch. Denn Stephan Waldinger hat seinen Rückzug angekündigt, wird Ende des Jahres seine Praxis an der Verdener Brake schließen.

Den Patienten des 65-Jährigen droht allerdings keine verzweifelte Suche nach einem neuen Arzt: Rosa Gerst springt pünktlich zum Jahreswechsel ein. Die 34-jährige Bremerin ist Ärztin in Weiterbildung und legt im Herbst ihre Prüfung zur Fachärztin ab.

Bislang ist sie als angestellte Ärztin in der Praxis von Piet Lueßen in Heiligenrode tätig. Zum 1. Januar wechselt sie in Lueßens „Zweigstelle“ an der Glockenstraße. Dort verstärkt sie dann die Praxis, in der zurzeit vor allem Dr. Ann-Kathrin Bicker tätig ist – zeitweise unterstützt von Piet Lueßen.

Nachfolgeregelung erst seit diesem Jahr konkret

Dieser hatte „so vor eineinhalb Jahren“ zum ersten Mal mit Waldinger über eine mögliche Nachfolgeregelung gesprochen. „Konkret beschlossen haben wir es erst in diesem Jahr“, sagt Lueßen. Ihm ist wichtig, dass alle Waldinger-Patienten dem Wechsel gelassen entgegensehen können. „Alle können bis Jahresende weiter hierher kommen“, sagt Lueßen mit Blick auf die Waldinger-Praxis. „Ich mach volle Pulle weiter“, ergänzt Waldinger und macht keinen Hehl aus seiner großen Freude über die Einigung: „Es passt alles genau.“

Dieses Trio hilft ab Anfang 2020 dabei, dass die ärztliche Versorgung in Barrien gewährleistet bleibt (v.l.): Rosa Gerst, Piet Lueßen und Dr. Ann-Kathrin Bicker bilden dann gemeinsam die Hausarztpraxis Glockenstraße. 

Auf fast 27 Jahre, davon 24 in der eigenen Praxis, blickt Stephan Waldinger dann zurück. Dem Abschied sieht er „mit gemischten Gefühlen“ entgegen. „Da steckt ja viel Herzblut drin“, sagt Waldinger, „das ist mein Lebensinhalt.“

Konkrete Pläne für die Zukunft

Für die Zeit „danach“ muss er sich nun einen neuen Inhalt suchen. Und hat schon ziemlich konkrete Pläne. „Ich habe ja mein Herz für das Meer und die Seefahrt entdeckt“, erzählt der 65-Jährige. Konkret will er auf der „Alexander von Humboldt II“ anheuern – als Bordarzt. Besser als nichts, witzelt Waldinger: „Ich wär so gern Kapitän geworden, aber dafür hat's nie gereicht.“

Als Waldinger Anfang 1996 seine Praxis an der Verdener Brake eröffnete, war Rosa Gerst gerade elf. Die Bremerin studierte später in Köln – und entdeckte im Lauf der Berufsjahre ihre Zuneigung zum hausärztlichen Bereich. Gerade über gewisse ländliche Strukturen wie in Heiligenrode oder auch in Barrien ist sie „unheimlich froh – da kann man die Beziehung zu den Patienten ganz anders gestalten“.

Die Arzthelferinnen von Waldinger ziehen ebenfalls um in die Praxis Glockenstraße. Die ist für ein größeres Team als bislang ausgelegt. „Weitere Ausbaumöglichkeiten wären nicht sinnvoll“, sagt Lueßen, „damit ist dasLimit erreicht.“

Das gilt nach Lueßens Aussage nicht nur für den Standort Glockenstraße, sondern insgesamt für sein Engagement: Er ist mit seinen angestellten Ärzten in Heiligenrode und Barrien tätig, seine Frau zudem in Syke. Das reicht, findet Lueßen. „Es ist dann jetzt auch gut.“

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